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Eine Reise rund um den Erdball

Andrea Löffler / 28.03.2012, 09:00 Uhr - Aktualisiert 28.03.2012, 13:06
Berlin (MOZ) Die Auswahl ist einzigartig in Berlin und Brandenburg: topografische Karten aus der ganzen Welt, Wander- und Wasserwege für die entlegensten, unwegsamsten Orte der Erde, historische und aktuelle Stadtpläne, riesige Wandkarten, Weinanbau- oder Vogelkarten. Rund 20 000 Artikel verkauft die Berliner Fachbuchhandlung Schropp Land & Karte, darunter mehr als 80 verschiedene Globen, Atlanten, deutsch- und fremdsprachige Reiseführer, Reiseliteratur und kartografische Hilfsmittel. Der Name steht für eine lange Tradition: Die Geschichte des Kartenladens begann bereits vor 270 Jahren - und findet auch in der digitalen Welt ihre Fortsetzung.

Damals, bei ihrer Buchhändler-Lehre Anfang der 80er Jahre und in der Zeit nach 1985, als sie in verschiedenen Berliner Buchhandlungen tätig war, hätte sich Hella Knappertsbusch nie träumen lassen, einmal in einem Laden für Reiseführer, aber vor allem für Karten und Globen zu arbeiten. "Karten sind bei Buchhändlern meist unbeliebt", sagt die gebürtige Hamburgerin. "Sie sind sehr arbeitsintensiv, auch das Einsortieren und Pflegen der Landkarten ist aufwändig und braucht seine Zeit. Mich haben Landkarten früher nie besonders interessiert", gibt sie zu.

Das hat sich mittlerweile geändert. "Gute Karten sind wahre Kunstwerke. Ich habe die Kartografie schätzen gelernt." Dies geschah allerdings erst, nachdem sie bei Berlins ältester Buchhandlung für Karten, Globen und Reiseführer begonnen hatte. 1999 bewarb sie sich genau in jener Zeit, da das Traditionsunternehmen wieder einmal innerhalb Berlins umgezogen war, damals von Friedenau nach Schöneberg. "Ich wollte mich verändern und wusste um das gute Betriebsklima bei Schropp. Ich bewarb mich und wurde angenommen." Und plötzlich kam auch das Interesse für die Landkarten hinzu. Das war auch notwendig, denn Schropp führt in Berlin und Brandenburg die größte Auswahl von Globen und Landkarten.

In diesem Jahr feiert Schropp das 270-jährige Firmenjubiläum. Fast auf den Tag genau, im April 1742 war es, als der Verleger Simon Schropp in Berlin die offizielle Erlaubnis des preußischen Königs Friedrich II. erhielt, mit Landkarten zu handeln. Diese Genehmigung nutzte er, um in den folgenden Jahrzehnten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zu einem der führenden Landkartenhändler aufzusteigen. Rund 70 Jahre später, zwischen 1810 und 1813, begann das Landkartenhaus Simon Schropp & Comp. nach der Übernahme der Verlagsrechte für die Globen des Leipzigers Christian Gottlieb Riedig mit seinem Verlagsprogramm für Globen und astronomische Geräte. Sein Unternehmen beschäftigte in Phasen großer Nachfrage über 100 Mitarbeiter in Berlin, das damit zeitweise zur Hauptstadt der preußischen Kartographie wurde. Diese Tradition - Spezialist für Karten und Globen zu sein - führt Schropp Land & Karte bis heute weiter, seit über 30 Jahren von der Buchhändlerin und Geografin Regine Kiepert, der Tochter des bekannten Buchhändlers Robert Kiepert. Sie hatte den Schropp-Fachbuchhandel mit Unterstützung ihres Vaters übernommen, als Schropp aufgeben wollte. Der Traditionsname wurde beibehalten.

Rund 80 verschiedene Globen hat Schropp derzeit im Angebot. "Trotz Digitalisierung und Internet verkaufen wir heute sogar mehr Globen als noch vor ein paar Jahren", sagt Mitarbeiterin Hella Knappertsbusch. Es sind mehrere am Tag. "Eine Zeitlang dachten wir, es kommen gar keine jungen Leute mehr, weil sie nur noch digitale Medien benutzen, aber es entwickelte sich anders. Vor allem junge Familien kaufen Globen, um ihren Kindern die sinnliche Erfahrung von der Erde zu vermitteln. Das kann nicht mal eine Weltkarte." Auch wenn der Umsatz von Stadtplänen wegen der Navigationsgeräte stark abgenommen hat, bleiben Reisekarten, Rad- und Wanderkarten hoch im Kurs. "Selbst jene, die mit GPS unterwegs sind, kaufen sich oft auch eine entsprechende Karte dazu. Außerdem beobachten wir eine Gegenbewegung zur Digitalisierung, wieder zurück zur Papierkarte - ob die Plakat-Landkarten, die Relief- oder Faltkarten." Aber auch einer Kombination von Tradition und neuen Medien versperrt sich Schropp nicht. Neben einigen GPS-Geräten sind ebenso Stadtführer mit Apps für das Handy im Angebot.

Nirgendwo sonst in Berlin und Brandenburg gibt es so viele verschiedene Karten. Bis auf ein paar Gebiete in Afrika ist jeder Flecken der Erde auf deutsch- oder fremdsprachigen Karten detailliert dargestellt, ob auf Stadtplänen von Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba oder der marokkanischen Stadt Marrakesch, ob auf der Landkarte von Antigua und Barbuda, der Straßenkarte von Aruba (Kleine Antillen), der Trekkingkarte für den Sechstausender Kailash in Tibet, auf der detaillierten Karte des Donau-Deltas in Rumänien, der Vogelkarte für Südafrika oder gar der Auto- und Straßenkarte von Nordkorea. Aber auch historische Karten, wie jene von Pommern, Schlesien oder Ostpreußen, vom Herzogthum Gotha 1856, der Weltkarte von 1507, wie die offizielle Karte der Eisenbahn von 1862/1863 oder jene vom Schlaraffenland von 1694, stehen zur Auswahl.

Die Welt der Globen ist vielfältig: Mundgeblasene Glas-Globen gehören ebenso dazu, wie Globen mit Sternenhimmel, in antikem Design oder in Modern Art, Relief-Leucht- oder Doppelbildgloben. Auch alte Globen sind neuerdings im Angebot, nachdem die Nachfrage der Kunden immer größer geworden war. Der größte Globus mit Reliefschummerung ist mit seinem Kugeldurchmesser von 1,11 Metern ein Blickfang im Laden.

Der Anblick der Erde hat auch im neuen Zeitalter nichts an Faszination verloren. Neben den Globen und Karten kommt die Welt auch auf anderen Wegen zu den Liebhabern - auf Postkarten, Notizbüchern oder Duschvorhängen.

(Schropp Land & Karte, Hardenbergstraße 9a, 10623 Berlin-Charlottenburg, geöffnet: Mo-Fr 10-20 Uhr, Sa 10-18 Uhr, Tel.: 030/23557320, im Internet: www.landkartenschropp.de)

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