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Skulpturen aus der Politbürosiedlung zur sanften Kur bei der Bildhauerin Anne Schulz

Klassiker der Moderne in Biesenthal

Brigitte Horn / 28.03.2012, 19:38 Uhr
Biesenthal (MOZ) Anne Schulz ist Bildhauerin und somit prädestiniert, an Skulpturen Hand anzulegen. Ihrer Obhut und Kunst hat die Stadt zwei Kunstwerke anvertraut, die zuletzt ihren Platz in der Waldsiedlung hatten: "Die Liegende" von Gustav Weidanz und der "Eber" von Waldemar Grzimek.

Für eine Industriehalle etwas klein, für ein Atelier aber riesengroß - im Steinwerk der Bildhauerin Anne Schulz ist die Kunst zu Hause. Um von einem Ende zum anderen zu kommen, muss der Besucher über große, auf dem Boden liegende Steinplatten steigen. Dazwischen barocke Figuren, ein weißer Panther, tonnenschwere Findlinge mit den Zahlen 1 bis 12 für eine Sonnenuhr des Geoparks. Das Licht kommt nicht nur durch die normalen Seitenfenster, sondern auch von oben durch Dachfenster. Den besten Platz aber haben der "Eber" und die "Liegende" aus der Politbürosiedlung bei Wandlitz in der Bernauer Waldsiedlung.

"Die Stadt ist an mich herangetreten und hat gefragt, ob ich die Skulpturen reinigen und lagern könnte", schildert die Künstlerin den Werdegang. Es ist ihr anzumerken, dass sie nicht lange überredet werden musste. Es sind bedeutende Arbeiten der Moderne, entstanden in den Jahren 1958 und 1959. Es sind keine Auftragswerke für die Politbürosiedlung. Sie wurden aus anderem Anlass geschaffen.

Der "Eber" hat es ihr wohl besonders angetan. "Er hat so viele Details, die toll sind", sagt Anne Schulz und meint der Herausarbeitung der Muskelgruppen, der straff wirkende Bauch und die Pose des Tieres. Sie habe sehr großen Respekt vor der von Waldemar Grzimek (1918-1984) geschaffenen Figur. Der "Eber", der in der Literatur auch als "Keiler" registriert ist, war im Jahr 1958 entstanden. In dieser Zeit war Grzimek Professor für bildende und angewandte Kunst an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Nach 1961 arbeitete er freischaffend und wurde im Jahre 1968 an die Technische Universität Darmstadt berufen.

Nicht weniger faszinierend als der "Eber" ist "Die Liegende" aus dem Jahr 1959 von Gustav Weidanz (1889-1970). Zur Entstehungszeit der Figur war Weidanz gerade aus der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle ausgeschieden, aber weiter als Bildhauer tätig.

Beide Werke standen bis kurz vor dem Winter in der Waldsiedlung im Freien, dabei die Liegende besonders ungünstig unter einem Rhododendronbusch, ständig der Feuchtigkeit ausgesetzt. Um weitere Schäden zu verhindern, sollten sie auf Anregung des Bernauer Kurators Herwig Pöschl eingelagert, gereinigt und restauriert werden.

Die Skulptur von Weidanz besteht aus Cottaer Sandstein, ein Material, das für Skulpturen rund um die Hofkirche in Dresden verwendet worden ist, weiß die Biesenthaler Künstlerin. Das sei Ton durchsetzter Sandstein, der "atme", dessen Poren bei Feuchtigkeit auf und dann wieder zugehen. Dadurch verwittert dieses Material auch schneller. Der "Eber" hingegen besteht aus Reinhardtsdorfer Sandstein, der quarzgebunden ist. Für die Reinigung verwendet Anne Schulz ein Mikrostrahlgerät, das ähnlich wie ein Sandstrahlgerät funktioniert, nur wird hier Glaspudermehl als Poliermittel benutzt.

Im Großen und Ganzen bescheinigt die Bildhauerin den Werken noch einen guten Zustand. Sie spricht davon, dass der Sandstein richtig im Lager ist. Das bedeutet, dass in der Skulptur zu erkennen ist, wie er im Berg gewachsen ist. Der Laie muss genau hinschauen, um das an den vorhandenen Tonadern zu erkennen.

Den Luxusplatz im Atelier werden die Skulpturen nicht mehr lange haben. Die Arbeiten sind im Wesentlichen abgeschlossen. Ihr künftiger Platz soll sich in einem Bernauer Kunstpavillon befinden. "Solange können sie bei mir bleiben", sagte Anne Schulz.

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