Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Stilllegung der Linie Eberswalde - Joachimsthal geplant / Kommunalpolitiker protestieren gegen Streichliste

Regionalbahnstrecke droht das Aus

Das Land Brandenburg will die Strecke Eberswalde - Joachimsthal stilllegen. In der Region formiert sich Widerstand gegen die Pläne.
Das Land Brandenburg will die Strecke Eberswalde - Joachimsthal stilllegen. In der Region formiert sich Widerstand gegen die Pläne. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 30.03.2012, 05:26 Uhr - Aktualisiert 30.03.2012, 13:36
Joachimsthal (MOZ) Die Bahn macht mobil. Doch nicht nur die. Auch das Amt Joachimsthal. Und zwar gegen die drohende Stilllegung der Bahnstrecke OE 63 Eberswalde - Joachimsthal. "Wir lassen uns nicht abhängen", protestieren die Barnimer Kommunalpolitiker lautstark.

Die Joachimsthaler sind kampferprobt. Schon einmal stand die Regionalbahnlinie OE 63 vor dem Aus. 2006 konnten die Barnimer, auch dank massiver Proteste, die Stilllegung abwenden. Zumindest teilweise. Die Strecke Eberswalde - Templin war "eingedampft" worden. Erhalten blieb der Teilabschnitt Eberswalde - Joachimsthal.

Nun steht auch dieser (wieder) zur Disposition. Wie Amtsdirektor Dirk Protzmann den Amtsausschuss von Joachimsthal informierte, wolle das Land Brandenburg entgegen früheren Aussagen die Strecke Eberswalde - Britz - Joachimsthal schließen und eine Lebensader der Region durchtrennen. Die Streichliste von Verkehrsminister Vogelsänger sehe eine "zeitnahe" Stilllegung vor. Für April seien bereits Entscheidungen angekündigt. Deshalb müsse man jetzt handeln, so Protzmann.

Die Runde verabschiedete sogleich einen Protestbrief. "Wieder einmal sollen Einsparungen auf Kosten des ländlichen Raumes stattfinden", machen die Bürgermeister und der Verwaltungschef in dem Schreiben ihrem Unmut ob der Landespolitik Luft. Zwar erreiche man auf der Strecke OE 63 nicht die vorgegebenen Fahrgastzahlen von 500 Passagieren täglich. Durchschnittlich würden derzeit 250 bis 300 Kunden die Bahn nutzen, bei steigender Tendenz. Ein Aufkommen, das aus Sicht der Joachimsthaler "auf Dauer durch Buslinien nicht abgefangen werden kann". Denn: Nicht nur Schüler und Berufspendler steigen in den gelb-grünen Triebwagen der ODEG, sondern auch viele Touristen, die von Berlin in die Schorfheide pilgern. Darunter zahlreiche Ausflügler mit dem Fahrrad. Die Zusammenarbeit mit der ODEG, so betonen die Unterzeichner, gestalte sich dabei hervorragend. Und auch für 2012 seien gemeinsame Aktionen geplant, um noch mehr Reisende auf die Schiene zu bekommen. Im Übrigen dürfte es dem Steuerzahler kaum zu vermitteln sein, "dass vor gerade einmal sechs Jahren auf der Strecke Britz - Joachimsthal eine zweistellige Millionensumme verbaut und im letzten Jahr im Bereich der Stadt Joachimsthal ein Bahnübergang für 450 000 Euro saniert wurde, um die Strecke nur Monate danach stillzulegen". Der ländliche Raum "lebt und möchte auch künftig überleben", appellieren die Joachimsthaler an die Landespolitiker, um ihrer Verpflichtung zur Daseinsfürsorge auch abseits der Ballungszentren nachzukommen.

Auf die besondere Bedeutung der Linie OE 63 und die Spezifik der Strecke weist ebenso der Barnimer Landrat in einem Brief an Minister Vogelsänger hin. Bodo Ihrke will mit seinem Schreiben vor allem Argumente für einen Erhalt der Strecke liefern, formuliert er sein Ansinnen. Dazu gehöre demnach u. a. die Rolle des Haltepunktes Joachimsthal Kaiserbahnhof, symbolisch das "touristische Eingangstor zur Schorfheide". Aus diesem Grund würden die Ämter Joachimsthal, Britz-Chorin-Oderberg und die Gemeinde Schorfheide auch eine Vernetzung der Bahnhofsfahrradstationen Kaiserbahnhof, Chorin und Groß Schönebeck anstreben. Zugleich will die Barnimer Busgesellschaft BBG 2012 den seit Jahren verkehrenden Werbellinseebus am Kaiserbahnhof mit den Zügen von und nach Eberswalde bzw. Berlin verknüpfen, macht Ihrke deutlich. Darüber hinaus sei die Strecke für die Erreichbarkeit des Geoparks "Eiszeitland am Oderrand" und des Weltnaturerbes Grumsin enorm wichtig und "unverzichtbar", hofft der Landrat auf ein positives Votum für Eberswalde - Joachimsthal.

Die Regionalbahnlinie OE 63 wird durch die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft ODEG bedient. Diese verkehrt montags bis freitags zwischen 4.30 und 20.30 sowie an den Wochenenden zwischen 8.30 und 19.30 Uhr beinahe durchgehend im Stundentakt. Haltepunkte auf der Strecke sind Britz, Golzow, Althüttendorf sowie Kaiserbahnhof Joachimsthal.

Wie Jens-Uwe Schade, Pressesprecher im brandenburgischen Verkehrsministerium, auf Anfrage sagte, sei derzeit "das Gesamtpaket in Arbeit". Anfang April werde Minister Vogelsänger den Vorschlag präsentieren. Gleichzeitig bestätigte er, dass bereits aus etlichen Landesteilen Protestbriefe eingehen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
E.Gal 31.03.2012 - 19:30:27

ÖPNV im Ländlichen Raum

Man hat den Eindruck, dass die Mitarbeiter im Ministerium mit der Zange mal hier mal da einige Strecken aus dem Netzplan herausknipsen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern droht ein solcher Kahlschlag bei Regionalstrecken. Der Nationalpark Müritz ist dann nicht mehr mit der Bahn zu erreichen. Um den ländlichen Raum für Einwohner und Touristen zu stärken ist die OE 63 unerläßlich. Der Zug bietet einen Anschluss an die Hauptstadt. Ich halte die Verlängerung bis Templin für notwendig, um die Attraktivität zu erhöhen. Unter dem Namen "Schorfheideexpress" könnten Touristen und Erholungssuchende in die Schorfheide fahren.

Oderbruchbahner 31.03.2012 - 13:32:22

Erforderlich ist das Gegenteil

Die Strecke muss wieder nach Templin bzw. Fürstenberg geöffnet und für den Güterverkehr ertüchtigt werden. Dann kann das Holz aus der Schorfheide und der Kies aus Milmersdorf mit der Bahn transportiert werden und der Erholungslandschaft bleiben viele LKW- Fahrten erspart. Die Strecke würde rentabler und die öffentlichen Zuschüsse könnten dann sinken!

Karsten Haberland 30.03.2012 - 21:34:35

Vogelfänger?

Ach nein, Vogelsänger heißt der jetzige Verkehrsminister. Der versuchte sich schon mit Tempo 70 auf Landstraßen zu profilieren. Da hat er aber sogar Ärger mit den Landkreisen provoziert. Die wollen den Schwachsinn nicht mitmachen. Jetzt will er die Regionalstrecken nach Polen erweitern. Dafür muss aber woanders gespart werden. Am besten vor der eigenen Haustür. Bürger, wehrt euch endlich gegen diese unfähigen Politiker und diesmal, bevor es zu spät ist.

Eva-Maria Müller 30.03.2012 - 20:00:16

Schlag gegen den Tourismus

Pünklich zur Eröffnung der Tourismussaison ist diese Nachricht zu lesen! Gerade im Sommer kommen zahlreiche Touristen aus Berlin in die Schorfheide oder in den Geopark "Eiszeitland am Oderand" - selbst ein ODEG-Zug trägt diesen Namen. In den letzten Jahren wurde der Kaiserbahnhof zu einem sehr atraktiven Haltepunkt ausgebaut. Dies und noch viele andere Ausgaben zum Erhalt der Strecke sollen nun wieder nutzlos werden. Herr Vogelsänger sollte mal sein Auto stehen lassen und ruhig mit dem Zug von Berlin (oder wenigstens von Eberswalde) mit dem Zug nach Joachimsthal fahren! Jedenfalls die Überlegung diese Strecke zu schließen zeugt nicht gerade von Kompetenz.

Müller 30.03.2012 - 12:17:30

Typisch für diese Landesregierung

Hauptsache die Diäten werden erhöht, wie es dem kleinen Mann und auch dem Land geht, ist denen doch egal. Diese Regierung werde ich nicht nochmal wählen.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG