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Grenzturm: Letzte Saison im alten Gewand

Statt Wache schieben Infos geben: Drei MAE-Mitarbeiter, der Stadtarchivar und PuR-Angestellte gehören zur Turm-Crew.
Statt Wache schieben Infos geben: Drei MAE-Mitarbeiter, der Stadtarchivar und PuR-Angestellte gehören zur Turm-Crew. © Foto:
Roland Becker / 04.04.2012, 17:30 Uhr - Aktualisiert 05.04.2012, 06:47
Nieder Neuendorf (MZV) Am Karfreitag beginnt die neue Saison im Nieder Neuendorfer Grenzturm. Das Geschichtsmuseum ist an allen Ostertagen geöffnet.

Manchen mag es spontan abschrecken, wenn er die oberste Ebene des Grenzturms erklimmt und plötzlich vor einem uniformierten DDR-Grenzer steht. Dass der den Besuchern ins Gesicht schaut und dem im DDR-Jargon genannten antifaschistischen Schutzwall den Rücken zukehrt, wäre einst ein Dienstvergehen gewesen. Doch 22 Jahre nach dem Mauerfall handelt es sich nur um eine Puppe, die es dem Besucher erleichtern soll, sich die einstige Situation auf dem Todesstreifen vorstellen zu können.

Für Stadtarchivar Christoph Schneider ist die Puppe eher eine Notlösung. Was ihn interessiert, das sind authentische Geschichten. Deshalb sucht er nach Zeugen, die über den damaligen Alltag dies- und jenseits der einstigen Mauer Auskunft geben können. Dabei interessiert sich Schneider nicht nur für Flüchtlingsschicksale, sondern auch für das, was Grenzsoldaten erlebten, wie es Zwangsausgesiedelten ging oder was der Westberliner beim Blick Richtung Todesstreifen dachte und fühlte.

Die Zeitzeugen-Interviews sollen ein wichtiger Bestandteil der neuen Ausstellung im Grenzturm werden. „An solchen Fallbeispielen wollen wir die Schrecken der Diktatur und die durch die friedliche Revolution erreichten Veränderungen darstellen“, schaut Schneider voraus. Die neue Schau in einem der letzten Grenztürme rund um Berlin soll in Zusammenarbeit mit dem Stasi-Archiv und der Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur erfolgen. Das Geld soll größtenteils von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur kommen. Bereits im nächsten Jahr können sich dann die Besucher auf 170 Quadratmeter im Turm und in seiner unmittelbaren Umgebung über die Grenzgeschichte informieren.

Den 1999 als Mahnmal der Geschichte zugänglich gemachten Grenzturm haben bereits 107000 Menschen besucht. Mit knapp 10000 Besuchern wurde 2011 ein Rekord aufgestellt.

So sehr sich die Verantwortlichen eine Fortsetzung dieser Erfolgsstory wünschen, fürchten sie einen zu großen Ansturm in den nächsten Wochen. Denn vom Jobcenter Oranienburg sind ihnen statt der acht beantragten erst drei Arbeitslose vermittelt worden. Projektleiterin Julia Steinach von der Arbeitsfördergesellschaft PuR kritisierte die Arbeit der Behörde: „Wir haben die Anträge rechtzeitig gestellt. Das ist die Besetzungspolitik des Landkreises.“ Deren Sprecherin Irina Schmidt konterte, dass die Anträge erst am 29.Februar eingegangen seien. Die Anforderungen für die temporären Stellen im Grenzturm seien sehr hoch. Daher sei es schwierig, geeignetes Personal zu finden. Wann alle acht Stellen besetzt sein werden, sei derzeit nicht absehbar.

Der Grenzturm ist ab Karfreitag bis 3. Oktober außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Zeitzeugen können sich im Stadtarchiv melden: (0 33 02) 87 73 12.

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