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Schule will nicht Liebknecht heißen

Altes Gebäude mit bald neuem Namen: Seit 1911 lernen Schüler in dem Neo-Renaissance-Haus. Seit 1949 trägt es den Namen Karl Liebknecht.
Altes Gebäude mit bald neuem Namen: Seit 1911 lernen Schüler in dem Neo-Renaissance-Haus. Seit 1949 trägt es den Namen Karl Liebknecht. © Foto: FOTO Michael Benk
Frauke Adesiyan / 04.04.2012, 17:45 Uhr
Frankfurt (MOZ) Wenn es nach der Schulkonferenz geht, heißt das Städtische Gymnasium bald nicht mehr Karl Liebknecht. Mit elf zu fünf Stimmen entschied sich das Gremium nach einjähriger Debatte gegen den Namen. Nun muss die Stadtverordnetenversammlung entscheiden.

Nach einem einjährigen, vielstufigen Abstimmungsprozess hat die Schulkonferenz des Städtischen Gymnasiums I beschlossen, den Stadtverordneten eine Verkürzung des bisherigen Schulnamens vorzuschlagen. In einer geheimen Wahl haben sich elf von 16 Schülern, Lehrern und Eltern Ende März dafür ausgesprochen, dass das Gymnasium künftig nicht mehr den Namen Karl Liebknecht trägt. Stattdessen soll sich die Bezeichnung "Städtisches Gymnasium I Europaschule" einbürgern. Dieses Ergebnis stellte die Vorsitzende der Konferenz, Gudrun Frey, am Dienstagabend im Bildungsausschuss vor.

Vor etwa einem Jahr hätten Absolventen der 50er-Jahre gefordert, den Namen zu überdenken, erinnerte die Mutter einer Gymnasiastin an die Vorgeschichte. Die Schule habe daraufhin einen Fragebogen zum Schulnamen an Eltern, Lehrer und Schüler verteilt. Nachdem die Resonanz äußerst gering war, erweiterte die Schulleitung die Diskussion und lud auch ehemalige Schüler oder anderweitig Interessierte ein, ihre Meinung zu äußern. "Die Schulkonferenz erhielt daraufhin Zuschriften aus dem Bundesgebiet, aber weniger als eine Handvoll Rückmeldungen aus der aktuellen Schulgemeinschaft", beschrieb Gudrun Frey die Reaktionen. Darunter waren immer wieder Verfechter als auch Kritiker des Namens. Eine Dokumentation im Foyer gibt einen Einblick in die Diskussion.

Die Schulkonferenz hat die Entscheidung über den Namen Karl-Liebknecht bewusst nicht mit neuen Namensvorschlägen verbunden. Zwischenzeitlich war bereits der Name Wiecke im Gespräch, doch der jetzige Beschluss der Konferenz beschränkt sich auf die Ablehnung des alten Namens. "Der Name einer Schule muss aus der Schule selbst kommen", begründete Schulleiter Torsten Kleefeld am Rande der Ausschusssitzung. Diese Verankerung sei bei Karl Liebknecht nicht gegeben. Es sei aber durchaus möglich, dass aus der Schülerschaft heraus ein neuer Name ins Gespräch gebracht wird. Vorerst wolle man sich aber auf die neutrale Beschreibung beschränken.

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Neutralo aus Abu Land 10.06.2012 - 17:50:13

demokratie und namen - die geschichte mahnt

23 jahre nach der deutschen wiedervereinigung muss ich feststellen, es gibt sie noch! die ossi und wessi philosophie. ich will damit nicht sagen, dass hier die debatte von ost - oder west geführt wird. lasst doch die unterschiede bestehen. warum sollen die geschichtlichen entwicklungslinien verwischt werden? die geschichte wird sich wiederholen. deutschland bleibt ein land der unterschiedlichen meinungen. warum eigentlich nicht. demokartie lebt auch von der geschichte und war diese noch so negativ. karl liebknecht oder rose luxenburg, sie wurden umgebracht. wer es war, wissen wir heute? wollen wir es vergessen? nein, die heute für die änderung sind, können die wegbereiter für neues unheil sein. liebknecht oder luxenburg sind für ihre gesinnung umgebracht worden, dass sollte niemand vergessen. nun geht raus und stimmt demokratisch ab. vergesst aber nicht, die toten mahnen uns!

wwwwwwwwwww 27.04.2012 - 14:07:04

Schule lehnt Namen ab?

Ein Glück für die Schule,dass Liebknecht kein Jude war,denn sonst würde sie jetzt ein Problem haben und als Rechtsextreme Schule bezeichnet werden.

Glotzt nicht so romantisch 17.04.2012 - 10:39:34

@Ehemaliger

Ich weiß sehr wohl, dass eine Mehrheit darüber entscheidet, ob diese Schule den Namen behält oder nicht. Nur muss ich diese Entscheidung nicht akzeptieren, und schon lange nicht für klug halten. Deswegen bin ich aber noch lange kein Verfechter der Gewalt, wie sie behaupten, sondern der Meinungsfreiheit, und ich habe mir diese Freiheit genommen meine Gedanken zu äußern, auch wenn sie ihnen nicht schmecken. Da sie diese zum großen Teil ignorieren, weil sie sich auf einen behaupteten Fakt aus Liebknechts Biografie kapriziert haben, wiederhole ich gern meine Argumente, auch wenn sie nicht mehrheitsfähig sind: Liebknechts Zivilcourage gegen Krieg und Militarismus kann in dieser Zeit, in der politische Auseinandersetzungen zunehmend mit militärischer Gewalt gelöst werden sollen, ein Vorbild für das Handeln nicht nur von Jugendlichen sein. Denn ich bin überzeugt, dass Kriege Probleme nicht lösen können, sondern nur schaffen und sie sind einer Demokratie unwürdig. Vielleicht ist es für sie nicht wichtig, aber es ist meine feste Überzeugung, dass diese Entwicklungen für dieses Land sehr bedenklich und demokratiegefährdend sind. Und da paßt für mich die Aberkennung des Schulnamens in diese grundgesetzwidrige Entwicklung hinein. Liebknecht hat mit seiner Haltung gegen eine kriegsbesoffene Mehrheit Mut bewiesen, den sie kleinreden wollen, ihn mit dem Argument der Diktaturbefürwortung vom Tisch wischen. Aber, um wieder mal ein entkräftendes Gegenbeispiel anzubringen, auch Stauffenberg war kein Demokratieverfechter, er wünschte sich den Ständestaat mit einer aus sich heraus legitimierten Eliteführung, und trotzdem wird er Jahr für Jahr geehrt, gibt es Schulen, die nach ihm benannt werden. Wie zu Liebknechts Zeiten bedarf es auch heute, in einer "toleranten" und "aufgeklärten" Geselllschaft, dieses Mutes und einiger Anstrengungen, unbequem zu sein, dem Zeitgeist zu widersprechen, und seine Überzeugungen gegen eine Mehrheit zu behaupten. Dass sie dies nicht wirklich zu schätzen wissen, zeigt mir ihre relativierende Haltung in dieser Frage und darüber habe ich mich bei Ihnen unfairer Weise lustig gemacht. Auch hier wiederhole ich mich: Liebknecht hat sich über 10 Jahre als Abgeordneter der SPD gegen Militarismus und Krieg engagiert. Diese Arbeit wiegen sie gegen 3 Monate seines Wirkens in einer zukunftsoffenen Zeit auf, behaupten, dass das, was damals existierte, sei eine Demokratie gewesen und Liebknecht hätte die Diktatur gewollt. Aber das behaupten sie nur, Beweise dafür bringen sie nicht. Sie kritisieren seine "Gewaltaufrufe", ignorieren aber die "Gewaltaufrufe" der Gegenseite, und behaupten, dies sei demokratisch. Kann es sein, dass sie da gegenteilige Meinungen diffamieren? Ich glaube, dass die Tot-schlag-antinomie Demokratie-Diktatur wenig bringt, wenn es um die Bewältigung konkreter Probleme geht. Meine Bedenken habe ich geäußert, seien sie elitär oder nicht, sie sind aber keineswegs Teil einer von ihnen unterstellten Ideologie. Ich stehe für eine weitere Diskussion durchaus zu Verfügung.

wolfgang2 16.04.2012 - 23:30:32

Schule will nicht Liebknecht heißen

Warum soll nun der Name der Schule verändert werden -- wie sollte sie dann heißen? Ich sehe in der bisherigen Diskussion keine Lösung, aber ich bin ja nur ein MOL-Bewohner und kein Frankfurter, der die Meinungsäußerungen aus der Ferne verfolgt. Wie wäre es denn mit mit "Admiral Dönitz-Gymnaium", FF/O liegt doch am Wasser!? Damit wäre der neuen freiheitlich demokratischen Ordnung eventuell besser entsprochen worden. Vielleicht könnte man mit dieser Entscheidung auch den mittlerweile strapazierenden Dialog zwischen Glotzki ..... etc und dem Ehemaligen beenden, den sie auch individuell per Fax führen könnten. Übrigends - und das ist nur meine Meinung - sollte man in politische völlig unbedeutende Willkürakte nicht eingreifen. Namen waren schon immer vergänglich. Namensänderungen sind auch eine Form der neu gewonnenen persönlichen Freiheit und die sollte man zur Ablenkung von möglicherweise einschneidenderen persönlichen Angelegenheiten wahrnehmen.

Ehemaliger 16.04.2012 - 22:37:13

Korrektur

Ich meinte 11 zu 5 Stimmen in der Schulkonferenz

Ehemaliger 16.04.2012 - 22:30:32

@Glotzt nicht so romantisch

Zitat: "Ich habe mir ihren ersten Absatz noch mal durch den Kopf gehen lassen, und muss erkennen, dass sie als Diktaturopfer durchgehen wollen." Nun es ist ja nicht zum erste mal in Ihren Beiträgen erkennbar, dass das was sie sich durch den Kopf gehen lassen weit am Inhalt vorbeigeht. Es könnte aber auch daran liegen, dass sie selbst am Rand ihrer Denkschablone angekommen sind. Ich war kein Opfer des Systems und habe dies nie behauptet. Ich war wie viele andere ein normaler Schüler, der gern gelernt hat. Und dies endete nicht nach meiner Schulzeit und auch nicht nach dem Ende dieses Systems. Ich wäre auch heute als Schüler glücklich über die vorhandene kostenlose Schulbildung und würde versucht sein das Beste daraus zu machen. Sie halten mir vor in Schablonen zu denken. Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich halte Liebknechts Eintreten gegen den kaiserlichen Militarismus und gegen die Kriegskredite für mutig und richtig, genauso wie Sie. Ich glaube allerdings nicht, dass allein das 'gegen den Krieg sein' und 'ermordet zu werden' Begründung genug ist, um als Schulnamen unantastbar zu sein. Ich bemängele lediglich die Tatsache, dass er ein aktiver Verfechter einer Diktatur war, obwohl es zeitgleich eine demokratische Alternative gab und aus diesem Grund als Namensgeber einer Schule nicht tagt. Anstatt gegenteilige Meinungen zu diffamieren und sinnlich zu entstellen bringen sie doch lieber Argumente um ihre Überzeugung mehrheitsfähig zu machen. Ja, mehrheitsfähige Meinungen brauchen keinen Zwang, keine Gewalt, also auch keine Diktatur. Bekennen Sie sich doch zu dem, was sie nur andeutungsweise umschreiben. Dass sie eine elitäre Minderheitenideologie vertreten einschließlich deren "wissenschaftlichen" Legitimation sie gewaltsam durchzusetzen. Letztendlich steht der Name Karl Liebknecht auch dafür. Es ist gut zu wissen, dass der Beschluß der Schulkonferenz eine breite Mehrheit gefunden hat. Egal in welche Richtung, aber 16 zu 5 Stimmen sagen aus, dass selbst im Fall, dass alle Vertreter einer Gruppe für den Namen gestimmt hätten alle anderen, einschließlich Schulträger, gegenteiliger Auffassung gewesen sind. Ich bezweifle aber , dass eine Gruppe komplett einstimmig war. Ich vermute, dass sich die Befürworter der Namenskürzung durch alle Vertreter zog. Und das wäre auch gut. Demzufolge ist das eine mehrheitliche Entscheidung eines gewählten Gremiums, die man akzeptieren sollte. Es liegt jetzt an den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, ob man das Ergebnis eines demokratischen Prozesses akzeptiert oder nicht. Ich werde mich hier nicht weiter äußern, da mir die Diskussion zu sehr veflacht.

Glotzt nicht so romantisch 16.04.2012 - 10:46:05

@ Ehemaliger

Ich habe mir ihren ersten Absatz noch mal durch den Kopf gehen lassen, und muss erkennen, dass sie als Diktaturopfer durchgehen wollen. Nach ihrer Darstellung ist das Erlangen von Bildung in erster Linie anstrendend. Früher war man zu dieser Anstrengung gezwungen, und heute, so ihr dargestellter Vorteil in dieser Gesellschaft, kann man auf Bildung verzichten und auch so mit staatlicher Hilfe ganz gut überleben. Für sie war also das Schlimme an der DDR, dass man sich geistig nicht auf die faule Haut legen durfte. Aber das gilt doch nicht für sie, sie waren es doch, der damals "nicht nachgefragt" hat.

Glotzt nicht so romantisch 16.04.2012 - 01:29:39

@Ehemaliger

Ich weiß gar nicht, was ihr Problem ist? Ihre Meinung stimmt doch mit der herrschenden Meinung überein, ist alo angepasst. Da können sie sich doch glücklich schätzen. Sie brauchen sich mit der Mehrheit nicht rumzustreiten. Die paar Diktaturliebhaber, mein Gott, da sind sie als Urdemokrat doch erhaben.Oder? Für mich ist Intellekt, die Fähigkeit zur Differenzierung. Wenn ihnen das abgeht, und sie lieber in vorgestanzten Schablonen kommunizieren möchten, bitteschön. Ist ja auch wirklich anregend sein, so eine Unterhaltung: "Eine Demokratie ist eine Demokratie ist eine Demokratie ist eine Demokratie...." Was wäre das andere Thema? "Eine Diktatur ist eine Diktatur ist eine Diktatur ist eine Diktatur ist eine Diktatur...." Wohl dem, der so klare Weltbilder hat.

Ehemaliger 15.04.2012 - 21:02:25

@Glotzt nicht so romantisch

Ich wollte Ihnen nur klarmachen, dass ich Ihre Argumentation nicht vom Hörensagen kenne sondern direkt im Geschichtsunterricht vermittelt bekam. Es ist mir also nicht neu, was sie schreiben. Bildung war damals wie heute in erster Linie eins, anstrengend. Zensuren gab es damals wie heute dafür, dass man den Nachweis erbrachte, dass man den vermittelten Stoff gelernt und verstanden hat. Das war damals wie heute kostenlos. Nur mit dem Unterschied, dass heute wird niemand gezwungen wird Bildung zu erlangen, da dieses System ausnahmslos jedem die Möglichkeit bietet auch ohne Bildung und Leistungswillen zeitlich unbegrenzt ein Leben auf menschenwürdigem Niveau auf Kosten anderer zu führen. Das soll dazu aber genug sein. Ihre Behauptung, Liebknecht sei für Demokratie eingetreten ist schlichtweg falsch. Liebknecht rief die sozialistische Republik aus und gleichzeitig zur Weltrevolution nach sowjetischem Vorbild auf. Er trat für eine Diktatur als Gegenmodell zur parlamentarischen Demokratie ein. Man kann es noch so verharmlosend darstellen. Eine Diktatur, egal ob rot, braun oder grün kann kein akzeptables Gesellschaftsmodell sein. Es ist auch keine Diffamierung, wenn man behautet eine Diktatur ist nicht demokratisch. Wenn eine Idee so gut und überzeugend ist, wird sie Mehrheiten finden und sich auch auf demokratischem Weg durchsetzen. Ideologien, die in Diktaturen führen brauchen auch immer Feindbilder um sich zu legitimieren und grenzen somit alle aus, die nicht mitmachen. Das sie mich und wahrscheinlich viele als Anpasser bezeichnen bestätigt das aus meiner Sicht nur. Wenn sie nicht verstehen, welchen Stellenwert für Identifikation und Integration ein Schulname heutzutage hat, kann ich das nachvollziehen, da sie mit ihren Ansichten offensichtlich vor über 20 Jahren stehengeblieben sind.

Glotzt nicht so romantisch 15.04.2012 - 14:24:21

@Ehemaliger

Ich möchte es nicht versäumen, ihnen nachträglich zu ihrer Eins in Geschichte auf dem Abiturzeignis zu gratulieren. Offensichtlich haben sie es damals sehr gut verstanden, die herrschende Meinung in Reinform wiederzugeben. Aber auch heute gelingt ihnen das vorbildlich. Denn dass Liebknecht als Antidemokrat gilt, ist ja nicht nur ihre Meinung, sondern ist die heute herrschende Meinung. Damals Anpasser und heute wieder. Auch heute fragen sie nicht nach, warum man eigentlich Liebknecht aus der Öffentlichkeit verbannen will. Ja, Liebknecht hat 1919 wie viele andere die Absetzung der provisorischen, nicht durch eine Wahl legitimierten Regierung gefordert. Ist er deswegen schon Antidemokrat? Oder wird nicht heute solch ein Handeln in unserer Sicht auf die arabische Welt als Demokratie-Bewegung gefeiert? Liebknecht und den vielen Menschen seiner Zeit in Deutschland ging es um die Entmachtung der Verantwortlichen für diesen Krieg, und um die Schaffung von Verhältnissen, die weitere Kriege grundsätzlich unmöglich machen sollten. Dies ist kein undemokratischer Politikansatz, sondern der Ausdruck des Willens eines Teils der Gesellschaft. Dass die Verantwortlichen des 1. Weltkrieges nie zur Rechenschaft gezogen, sondern alte Machtverhältnisse konserviert wurden, hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass es den 2. Weltkrieg gab. Auch Liebknecht ist für eine Demokratie eingetreten, die sich aber auf anderen sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen verwirklichen sollte. Dass diese Ziele heute als antidemokratisch diffamiert werden, hat natürlich mit den herrschenden Machtverhältnissen zu tun. Aber ich würde eine Gesellschaft, in der das Geld eine so zentrale Rolle spielt und 10 Prozent der Bevölkerung 60 Prozent der Einkommen und Vermögen besitzen, auch nicht als Demokratie bezeichnen. Die Macht in diesem Staat, mit falschen Wahlversprechen erschlichen, geht nicht vom Volke, sonderm vom Geld aus. Oder wie erklären sie sich die stark divergierenden Haltungen zu Hartz IV oder zu Kriegseinsätzen. Über 60 % der Bevölkerung sind gegen den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr, und trotzdem wird Jahr für Jahr mit parlamentarischer Mehrheit für die Weiterführung gestimmt, werden Milliarden dafür ausgegeben und deswegen Kürzungen in sozialen und kulturellen Bereichen vorgenommen. Wenn man zu den angesprochenen, heutigen Problemen eine andere Meinung vertritt und dadurch in Dissenz zur herrschenden gerät, ist dies ebenfalls nicht antidemokratisch und trägt auch nicht "zur Spaltung der Gesellschaft" bei, sondern ist Ausdruck dieser Spaltung, z. B. in Reiche und Arme oder in Besitzende und Nichtbesitzende, und Konflikte dürfen und müssen in einer Demokratie ausgetragen werden. Sie sollten da Demokratie nicht mit einer Volksgemeinschaft verwechseln. Genauso wenig sollten sie verwechseln, daß die über 10-jährige Tätigkeit von Liebknecht als Parlamentarier gegen Krieg und Militarismus keine "schmale Sequenz seiner Persönlichkei" ist, wenn Sie sie mit den 3 Monaten seines Handelns in einer Umbruchszeit vergleichen. Das finde ich doch ziemlich demagogisch. Vielleicht idealisieren sie diese Gesellschaft genauso, wie sie damals die "sozialistische" idealisiert haben. Denn dass die Bildung eines Menschen in der Bundesrepublik sehr stark von der sozialen Herkunft abhängt, ist ein Aussage von OECD-Bildungsstudien, die ihre Behauptung zu Bildungschancen in dieser Gesellschaft konterkarrieren. Leider habe ich den dritten Absatz ihrer Lesermeinung überhaupt nicht verstanden. Worauf wollen Sie da hinaus? Glauben Sie, dass man sich in den "Gauss-Wochen" ausschließlich mit dem Namensgeber beschäftigt? Und dass das Gauss-Gymnasium einen hervorragenden überregionalen Ruf besitzt, hat doch wohl weniger mit dem Namen, als mit der spezifischen Ausrichtung auf die naturwissenschaftlichen Fächer und der speziellen Förderung der entsprechenden Talente auf diesem Gebiet zu tun. Da hilft der Name Gauss auch nicht weiter. Und er deckt auch nicht alle Gebiete des schulischen Lebens ab, nicht mal alle mathematischen.

Ehemaliger 14.04.2012 - 22:02:23

@Glotzt nicht so romantisch

Danke sehr für Ihr Angebot zum Geschichtsunterricht. Ich habe Geschichtsunterricht an dieser Schule gehabt und auch eine Eins auf dem Abiturzeugnis dafür. Das sagt aber noch gar nichts darüber aus, ob das was gelehrt wurde vollständig und richtig war und man seinen Horizont später noch erweitern konnte. Ich fand es damals jedenfalls auch logisch und gut so eine sozialistische Republik. Ich kannte ja keine parlamentarische Demokratie und wusste somit auch nicht so genau, wogegen sich Liebknecht mit seiner ausgerufenen Republik stellte. Ich kam auch gar nicht auf den Gedanken nachzufragen. Letztendlich stand aber hinter dieser Geschichtsinterpratation eine Ideologie, die mehr zur Spaltung der Gesellschaft als zum Konsens beigetragen hat. So ein Schulnamen darf nicht nur eine schmale Sequenz der Personlichkeit widerspiegeln. Liebknecht hat spätestens im November 1918 gezeigt, dass er aktiver Anti-Demokrat war. Wenn Sie der Meinung sind, dass eine Bildungseinrichtung so einen Namen tragen soll, so ist das Ihr Ding, nicht meins. Mein Argument mit dem Bezug des Schulnamens zum Schulleben haben sie mißverstanden oder falsch interpretiert. Ich meine der Namen einer Schule sollte aktiv in das Schulleben einbezogen werden können, ob im Unterricht oder außerunterrichtlich. Was soll man mit dem Namen Liebknecht anfangen? Das Argument, dass der Schulnamen keine Nachteile für die Schüler hat und im täglichen Schulleben keine Rolle spielt mag zwar richtig sein, ist jedoch traurig genug. In der gleichen Stadt genießt das Gauss-Gymnasium einen hervorragenden überregionalen Ruf, nicht zuletzt durch die jährliche "Gauss-Woche". Einerseits ist es schade um das verschenkte Potential, andererseits ist es unglaubwürdig, dass in einer Stadt beim selben Schulträger der Schulnamen so unterschiedlichen Stellenwert haben soll. Wenn es tatsächlich so sein sollte, dann ist der Verzicht auf den Namenszusatz kein Verlust sondern eher eine Chance. Diese Schule ist heute eine Bildungseinrichtung, wo jeder Schüler, unabhängig von seiner Herkunft und seines Berufswunschs sein Abitur machen kann, wenn er einigermaßen willig und fähig ist. Das war zuvor nicht möglich. Diese Offenheit und Toleranz sollte nicht im Widerspruch zum Schulnamen stehen.

Glotzt nicht so romantisch 12.04.2012 - 21:27:21

Wieder den hochnäsigen "Siegern der Geschichte"

Ich weiß ja, dass Liebknecht in dieser Gesellschaft keine Bedeutung haben darf. Die Gründe sind bekannt. Aber ich frage mich, angesichts von Zwangsbeglückungen anderer Völker mit Bomben und Raketen durch unsere westliche Wertegemeinschaft, ob nicht mit diesem erhobenen Zeigefinger der Moral, Liebknecht hätte Gewalt angewendet, die Grenze zur Heuchelei nicht endgültig überschritten ist. Ich will hier keinen Geschichtsunterricht geben, aber nicht Liebknecht hat dazu aufgerufen: "Erschlagt ihre Führer!", sondern es war der sozialdemokratische "Vorwärts". Nicht Liebknecht hat den Polizeipräsidenten Eichhorn entlassen, weil der nicht mit Waffengewalt gegen die Arbeiter- und Soldatenräte vorgehen wollte, sondern es waren die sozialdemokratischen Führer. Es waren die gleichen Typen, die mit Hurra und Kaisers Gnaden ihre Wähler auf die Schlachtfelder trieben und Liebknecht mit Parteidisziplin und Niedertracht seiner parlamentarischen Rechte beraubten. Es waren seine Genossen, die ihm die politische Arbeit verwährten und aus der Partei heraustrieben. Und die gleichen Dreckstypen sorgten nach dem Krieg dafür, dass die alten Machteliten, sei es im Militär, in der Wirtschaft und Politik, ihren Arsch wieder an die Wand bekamen. Und dies erboste nicht nur Liebknecht. Sondern auch viele bei den Arbeiter- und Soldatenräten, die genug Fantasie besaßen sich Veränderungen nicht nur im politischen, sondern auch auf sozialem und wirtschaftlichen Gebiet vorstellen konnten. Das wollten die Sozialdemokraten nicht, sie sicherten lieber die alten Machtstrukturen. Dafür spielte Noske gern den Bluthund und masakrierte die, die dafür gesorgt hatten, dass der Kaiser zurücktrat, übrigens auch mit der Waffe in der Hand. Und sie machten ihre Drohung wahr und erschlugen und erschossen die Führer der Unzufriedenen, und auch nicht ohne Gewehr. Für diese Schmutzarbeit hatte man sich die alten Kaisertreuen geholt, die so richtig nach alter Manier aufräumen durften. Ist es Unwissenheit oder Ignoranz, wenn Ehemaliger behauptet, dass ein Namensgeber etwas mit der Schule zu tun haben muss. Es gibt viele Bonhoefer- oder Niemöller-Schulen im Westen, die so benannt wurden, obwohl die Namensgeber nicht in der Stadt gelebt haben, dort nicht berühmt geworden sind, die Schule nicht mal eine evangelische ist. Die Schulen wurden nach ihnen benannt, weil sie Persönlichkeiten waren, die vorbildliches in der Geschichte geleistet haben. In Frankfurt ist man da kleinkarierter, da will man nicht über den Tellerrand blicken. Schließlich war der Namensgeber des Frankfurter Friedrichsgymnasiums auch ein blitzsauberer Demokrat, der in seinen Kriegen jede Gewalt ablehnte und natürlich aus Frankfurt kam. Es doch kein Argument zu blödsinnig, um nicht auf den Kern einer Sache kommen zu müssen

Ehemaliger 11.04.2012 - 00:01:23

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Bei all der Diskussion sollte jedoch bedacht werden, dass ein Schulname einen Bezug haben soll. Er muss für Lehrer und Schüler die Möglichkeit bieten, ihn im Unterricht oder in schulische Projekte einzubeziehen. Das ist bei dem Namen Karl Liebknecht nicht gegeben. Im Übrigen kann ich mich auch nicht erinnern, dass es zu DDR-Zeiten bis auf wenige Ausnahmen, wie der jährlichen Entsendung einer Delegation zur Januardemonstration nach Friedrichsfelde, Anlässe gab, wo der Schulname irgend eine Rolle spielte. Ja, der Schulclub hieß "Karls Enkel". Das wars auch. Auch das immer wieder gebrachte Argument, dass er ein Kämpfer für den Frieden war ist nach heutiger Sicht und Vorstellung über einen Friedenskämpfer zu relativieren. Ja, er war ein Gegener des kaiserlichen Militarismus. Ja, er hat gegen die Verlängerung der Kriegskredite gestimmt, was sehr mutig war. Allerdings hat er in der Zeit danach einen Prozess der politischen Radikalisierung durchlaufen, in dem sein Engangement von 1914 nicht uneingeschränkt in seinem weiteren Wirken erkennbar blieb. Spätestens im November 1918, wo er entgegen dem Rat von Rosa Luxemburg die Bewaffnung der Aufständischen forderte um seine sozialistische Republik zu verwirklichen und somit viele tausend tote deutsche Arbeiter mit zu verantworten hat, lassen Zweifel hegen, ob er den Krieg deshalb ablehnte, weil kein deutscher Arbeiter auf dem Schlachtfeld sterben sollte. Nicht zuletzt ist es zweifelhaft, ob man den Namen Karl Liebknecht heute noch uneingeschränkt als Schulnamen gebrauchen kann ist die Tatsache, dass er die sozialistische Republik gewaltsam, auch gegen den mehrheitlichen Willen der Arbeiter- und Soldatenräte, die sich für die freie (parlamentarische) Republik aussprachen, durchdrücken wollte. Dies und die maßgebliche Beteiligung an der Gründung der KPD, die nun wirklich nicht im Verdacht steht demokratische Ziele zu haben, macht den Namen als Schulnamen unbrauchbar, wenn es sich nicht um eine Parteischule handelt, die die gesellschaftliche Vison einer Diktatur hat. Von mir aus sollen Straßen nach ihm benannt bleiben. Da braucht bloß der Briefträger wissen, wo sie ist. Aber eine Schule nicht. Interssant wird sein, ob der Schule jetzt durch die Stadtverordneten zum zweiten Mal in ihrer Geschichte den Namen "per Ukas" aufgedrückt bekommt. Wundern würde es mich nicht.

Glotzt nicht so romantisch 10.04.2012 - 00:00:47

@Kenner

In der Frage nach der Aktualität Liebknechts intersessiert mich Kenners gestörtes Verhältnis zu Politikern überhaupt nicht. Was soll man persönliche Befindlichkeiten diskutieren; ich mag auch kein Pflaumenmus. Ansonsten bin ich der Meinung, dass man auf den Namen Liebknecht nicht verzichten sollte. Warum? Siehe unten. Auf den Namen zu verzichten, ist auch ein Bekenntnis, nämlich ein Bekenntnis zur Verdrängung. Was da verdrängt wird, soll jeder mit sich selbst ausmachen.

Kenner 09.04.2012 - 21:02:20

@GLOTZT NICHT SO ROMANTISCH

Bei der Verehrung von Friedrich II. ist die Welt in Ordnung, oder ? Da gibt es eine Feier nach der anderen und alle jubeln mit, ungeachtet der vielen Toten in dieser Zeit. Vergessen wir nicht, dass unter Kaiser Wilhelm II die Sozialversicherung in Deutschland eingeführt wurde. Natürlich sind sich wohl alle einig, dass es keinen Adolf-Hitler-Platz in Frankfurt (Oder) geben wird und geben darf. Doch leider befanden sich unter den "Geehrten Soldaten der Roten Armee" an besagter Stelle, auch zahlreiche Vergewaltiger von deutschen Frauen zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin. So vielschichtig ist Geschichte. Deshalb sollte man beim Umgang mit den Namen von Politikern immer sehr vorsichtig sein. Besser noch, man lässt sie weg.

Glotzt nicht so romantisch 09.04.2012 - 11:54:20

Was nicht paßt, wird entfernt

Es ist wie zu DDR-Zeiten: Mißliebige Personen werden aus der Öffentlichkeit entfernt. Wer glaubt denn wirklich, dasss der Verzicht auf einen Namen, der dieser Gesellschaft den Spiegel vorhält, ein unpolitischer Vorgang ist. In einer Zeit, in der politische Konflikte zunehmend mit militärischer Gewalt ausgetragen werden, ist ein Mann, der Zivilcourage besessen hat, unbequem. Ausweg aus dem Dilemma: Verschweigen. Liebknecht hat in einer Atmosphäre, die keine Parteien, sondern nur noch Deutsche kannte, gegen eine Mehrheit Standfestigkeit bewiesen, hat gegen die Kriegsbesoffenheit seiner Genossen einen klaren Kopf behalte. Hätte es damals weniger hirnlose Arschkriecher gegeben, wäre Deutschland eine Menge erspart geblieben, Millionen von Menschen wären nicht sinnlos auf den Schlachtfeldern verblutet. Hat sich die SPD jemals für ihre Kriegsbegeisterung im Jahre 1914 entschuldigt. Nein, im Gegenteil, auch heute hebt sie wieder die Hände, wenn Dumpfland Krieg führen soll. Putzig in diesem Zusammenhang der Vorschlag von Kenner: Nicht die Kriegsgegner sondern die Kriegstreiber sollen mit der Straße am Berg geehrt werden. Kaiserberg. Kenner, was meinen sie: wie lange soll es dauern, bis das sowjetische Ehrenmal am Anger verschwinden muß und der Platz endlich wieder Adolf-Hitler-Platz heißen darf? Zurück zu den Ursprüngen und Gleichschritt Marsch Marsch.

Alena Karaschinski 08.04.2012 - 22:35:43

Was 1993 war

Ich war 1992/3 eine von zwei oder drei SchülervertreterInnen in der Schulkonferenz, die damals über den zukünftigen Namen der Schule abstimmte. Über Monate haben wir damals die Debatte recht emotional geführt: zur Wahl standen damals Herr Wiecke und Herr Liebknecht. Ich erinnere mich, dass Schülerschaft, Lehrerschaft und Elternschaft - so es ihnen nicht egal war und auch davon gab es viele! - äußerst gespalten waren: vehemente Liebknecht-Verfechter und vehemente Liebknecht-Gegner, die gleichzeitig mehr oder weniger Wiecke-Verfechter waren. Bei aller intensiven Information und Aufklärung über beide Personen damals: auch damals drehte sich nach meiner Wahrnehmung die Diskussion letztlich um die Person Karl Liebknecht: geht das oder geht das nicht. Ich erinnere mich, dass es verbreitet Ängste unter SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern gab, dass man doch mit dem Namen "Karl - Liebknecht" auf dem Zeugnis schlechtere Chancen auf Ausbildungs- und Arbeitsplätze im Westen haben würde. Ich vermute, diese Ängste haben sich nicht bewahrheitet. Ich kann nicht sagen, ob das für die Menschen, die das damals vehement äußerten, ganz reale Ängste waren oder nur ein überzogenes stimmungsmachendes Argument gegen den Namen Karl - Liebknecht war. Als Schüler - VertreterInnen hatten wir neben der intensiven Information über beide Personen auch eine Befragung unter den SchülerInnen gemacht, um das Votum der Schülerschaft zu haben: die knappe Mehrheit der SchülerInnen, die sich damals äußerten, war für Herrn Wiecke. Viel später hab ich für mich erkannt, dass es bei uns in der Schulkonferenz und in dieser Diskussion 1992/93 eigentlich nicht wirklich um den Namen der Schule ging, sondern dass ein Stellvertreter-Konflikt geführt wurde: es war ein unausgesprochenes Ringen zwischen jenen, die mit allen Überresten aus der DDR aufräumen wollten und jenen, die meinten, dass doch nicht alles in der DDR schlecht gewesen sei und man nicht alles über Bord werfen müsse. Für manche war es auch deutlicher eigentlich ein Kampf gegen "die Linken", der da geführt wurde. Ich frage mich, ob meine damaligen Mitstreiter diese Einschätzung der damaligen Emotionalität so teilen würden. Als 16jährige haben mich diese unausgesprochenen Kämpfe, an denen ich irgendwie teilhatte, total überfordert und ich habe von der emotionalen Anspannung in der entscheidenden Schulkonferenz damals fast traumatische Erinnerungen. Die Schulkonferenz war so gespalten, wie der Rest der Schule: es gab in den ersten beiden geheimen Wahlgängen jeweils gleich viele Stimmen für Herrn Wiecke und Herrn Liebknecht und - ich glaub - eine Enthaltung. Letztlich bekam Herr Liebknecht im dritten Wahlgang die Stimmenmehrheit. Das Überraschende war, dass es plötzlich zwei Stimmen mehr für Herrn Liebknecht waren: irgendjemand war "umgefallen" und die Empörung darüber war ziemlich groß. Das Abstimmungsergebnis wurde nach meiner Wahrnehmung eigentlich nie wirklich akzeptiert. Dass die Namens-Diskussion nun nach fast 20 Jahren wieder aufflammte - angeregt und über Monate manchmal fast erbittert geführt von Menschen, die heut nicht wirklich viel mit dieser Schule zu tun haben, lässt mich eher zu dem Eindruck kommen, dass es auch heute wieder nicht wirklich um den Namen einer Schule geht.

A. Lenker 08.04.2012 - 17:13:21

April April ???

Ich musste zuerst auf das Datum schauen und erstaunt feststellen, dass der 1.April bereits vorbei ist und das wohl kein Scherz sein soll. Wenn diese Schule, welcher Name auch immer, keine anderen Probleme hat, dann beglückwünsche ich sie.

Kenner 08.04.2012 - 17:10:43

@WOLFGANG2

Ja, diese Schule wurde als " Realgymnasium" 1911 eingeweiht. Sie entwickelte als Ausbildungsschwerpunkte mathematisch-naturwissenschaftliche und sprachliche Bereiche. Einfach wieder diesen ursprünglichen Namen "an die Tür schreiben" und alle Diskussionen sind erledigt. Es bringt doch nichts, über die Taten oder Unzulänglichkeiten des einen oder anderen Namen zu diskutieren. Es ist höchste Zeit zum Handeln. Wenn man schon beim politischen Aufräumen ist, sollte man auch der Straße (Berg) am Gymnasium wieder seinen ursprünglichen Namen geben. Die Überlieferung spricht vom "Kaiserberg". An anderen Stellen hält man es doch mit der Bewahrung der Vergangenheit auch sehr genau.

Glotzt nich so romantisch 08.04.2012 - 10:57:24

Braune Scheiße

Beifall für die Namensaberkennung gab es von der "Jungen Freiheit", der Lieblingspostille von Rassisten und Hitlerverehrern. Die "Junge Freiheit" durfte auch die Leitgedanken an den Argumentationstafeln Pro und Contra im Gymnasium beisteuern. Ein Artikel aus der "Jungen Freiheit" war der einzige Beitrag, der im Wortlaut und vollständig auf diesen Tafeln veröffentlicht wurde. Was früher das "ND", ist heute die "JF", Rot wird durch Braun ersetzt. Schule der Demokratie. Jetzt endlich wissen wir, woher der Wind weht, und viele wissen jetzt, wohin sie ihr Mäntelchen hängen können.

Giraffe 07.04.2012 - 11:26:01

Bloß nicht Position beziehen

Ja, machen wir Schluss mit dem ganzen Personenkult. Wäre ja möglich, dass sich man sich so einen zum Vorbild nimmt. Lieber im "Herzen behalten" und eine Mördergrube daraus machen. Es soll ja Menschen geben, die sich dazu versteigen, auch nach dem zu Handeln, was sie für richtig ahlten. Und das wollen wir ja nicht. Statt der ganzen "Ehrerei" ist es doch praktischer Menschen zu verteufeln. Wie sollen wir denn sonst an unser schönes Öl kommen, wenn es da unten bei den "Wickelmützen" nicht so schrecklich viel Irre, Wahnsinnige, Hitlerwiedergeburten und Diktatoren gäbe. Natürlich weiß ich, dass den Gymnasiasten der Name Liebknecht egal ist. Die Lehrerschaft dieser Schule hat ja alles getan, um Unwissenheit und Desinteresse zu dem Thema zu fördern. Wie früher sind sie damit ausgelastet, das grundsätzliche Einverständnis mit dem gerade herrschenden System zu vermitteln. So schön wie wir sollen es alle haben. Dass da ein paar tausend Menschen dafür draufgehen, ist, wie Kommentatorin Marta schrieb, Berufsrisiko.

Marta 07.04.2012 - 02:56:41

Schluss mit dem ganzen Personenkult

Hallo Erika, in Anbetracht der späten (oder frühen ?) Stunde ist es schon verständlich, wenn man sich mal verschreibt. Sie meinen aber gewiss statt des Wilhelm Liebknechts den Sohn Karl Liebknecht. Ansonsten bin auch ich ganz Ihrer Meinung. Und möchte auch gleich meinen Irrtum korrigieren, indem ich unsere Frankfurter EOS "Karl-Liebknecht" zum 1. Frankfurter Gymnasium erhob. Das war in der Ex-DDR nämlich mal eine Sch....-Schulzeit gewesen. @ abc Mein Papa, Opa und Uropa haben auch bei ihrer Parteienwahl gegen den Krieg gestimmt. Trotzdem mussten sie alles Kriegs- und Aufbauelend ertragen. Nach denen kräht aber heute kein Hahn mehr. Und nach den vielen anderen Kriegsgegnern auch nicht. Der Abgeordnete Karl-Liebknecht war gegenüber den körperlich schwer arbeitenden Arbeitern und Bauern mit seiner Schreibtisch- und Redearbeit schon recht privilegiert. Wie alle Politiker. Und manch einer muss halt leider auch im Klassenkampf sein Leben lassen. Berufsrisiko gibt es überall. - Die unzähligen friedenliebenden, zwangsrekrutierten Soldaten auf den lebensgefährlichen Schlachtfeldern aber auch. .... Ach machen wir doch Schluss mit dem ganzen Personenkult und mit den zweifelhaften Ehren-Namensverleihungen. Einen Menschen (ver-)ehren, tut man viel ehrlicher auf ganz andere Art. Nämlich in Kopf und Herz.

Erika von der Heide 07.04.2012 - 02:12:26

Werbetrommel für eine I. Europa-Schule

Ich stimme schon einigen Kommentatoren zu, die da meinen, dass "Wilhelm-Liebknecht", wie auch andere Personennamen aus politischen Gründen nicht mehr angebracht sein sollten. Auch ist es Fakt, dass der neu vorgeschlagene Namen ja dem Wunsche nach einer Namens-Kürzung immer noch nicht entspräche. Denn vom "Karl-Liebknecht-Gymnasium" mit 27 Anschlägen, über "Städtisches Gymnasium I, Frankfurt (Oder)", mit 43 Anschlägen zum "Städtisches Gymnasium I Europaschule" mit 38 Anschlägen, ist der Schul-Name mit 5 Anschlägen weniger auch nicht viel kürzer. Wie dieses Gymnasium mit dem hochtrabenden Wunsch-Namen "...... I. Europaschule" zur Zeiten der Gründung mal hieß, wissen vermutlich weder die heutigen Lehrer noch desinteressierten, bald wieder abgehenden Schüler. Für die Geschichte ihrer Schule scheint sich überhaupt niemand zu interessieren, sonst stünde mehr in deren mageren Schul-Hompage oder im Nachschlagwerk von Wickipedia, wo man mal die Historie nachlesen könnte. Ist ja fast schon nachvollziehbar. Meine DDR-Schulzeit in Frankfurt (Oder) hatte ich in keiner guten Erinnerung. Auch das Frankfurter Stadtarchiv scheint wenig Interesse an der Publikation des historischen Werdegangs seiner heimatlichen Bildungsstätten - außer der Mulit-Kulti-Viadrina zu haben. Sonst hätte man wenigstens im Internet mehr darüber lesen können. So weiß nun keiner, wann die/das "Städtisches Gymnasium I Europaschule" mit ihrem/seinem Großkotz-Namen zu Gründungszeiten mal hieß. Die von Kommentator "Kenner" erwähnte Wieckestraße war ja mal nach einem Schuldirektor namens Wiecke (wohnhaft Richtstr. 6) benannt worden, der schon 1846 auf der staatlichen Beamten-Gehaltsliste stand. Über seine Lehr-Verdienste sagt das aber rein gar nichts aus. Also besser weg mit dem Personenkult, wie es bereits Kommentatorin "Marta" zu Recht, sagte. Aber, den Namen "1. Frankfurter Gymnasium" hat diese ehemalige Erweiterte Oberschule (EOS "Karl-Liebknecht") auch nicht verdient. Denn, es war NICHT das I. Frankfurter Gymnasium. Das Erste war nämlich das Königliche Friedrichs-Gymnasium, welches einst aus der 1694 gestifteten Friedrichschule hervorgegangen war. Und aus welchem viele Abiturienten (Zitat:) "ihr Rüstzeug für den Lebenskampf", als Staats- und Kirchendiener in ganz Brandenburg, Preußen, Pommern und Schlesien geliefert bekommen haben. Wer es natürlich nötig habe, mangels Selbstbewustseins sich einen täuschenden Werbe-Namen zuzulegen, aufgrund dessen man Internationale Gäste und per Chat mit aller Welt Werbe- und Schnatterkontakt hat (ist ja keine hervorragende Leistung heutzutage), erregt wie eine abgetakelte Künstlerin in der Presse nochmals spektakuläres Aufsehen. Ist ja nach meinem Verständnis auch eine Art, die Werbetrommel zu rühren. - Aber, ist dieses Gymnasium mit protzigen Namen ".....I. Europaschule" dann tatsächlich besser, als die anderen Gymnasien in Frankfurt (Oder), in Brandenburg, in Deutschland, in Europa ???

F.Heese 07.04.2012 - 00:07:34

Was für ein Schwachsinn...

Was für ein Schwachsinn läuft hier eigentlich noch so ab in dieser Stadt und im gesamten Land?? Ihr selbst ernannten "Eliteleute" schafft doch endlich die Geschichtsabläufe ab, dann brauchen wir auch keine U-Boote für die israelische Atommacht zu bezahlen. Das wird in diesem Land unter den Teppich gekehrt und erinnert stark an DDR-Doktrin. Die Demokratie in diesem Land wird schon längst abgebaut, wer die Wahrheit sagt wird als Antisemitist oder Terrorverdächtiger abgestempelt! Und Sarrazin hat recht: Deutschland schafft sich ab!

Wolfgang2 06.04.2012 - 21:16:50

Schule will nicht Liebknecht heißen

@ Kenner : "Diese Schule hatte einen Gründungsnamen" Hieß sie "Realgymnasium in der Wieckestrasse" oder wie sonst? Als Kenner müßten Sie sich doch auskennen und es uns mitteilen.!

Burkhard Koller 06.04.2012 - 20:58:58

Umerziehung zur Freiheit zum Morden

Liebknecht paßt nun mal einfach nicht mehr in unsere Zeit. Wer geil auf Krieg ist , will doch nicht so einen Kriegskrediteverweigerer als mögliches Vorbild vor die Nase gesetzt bekommen. Da kehrt man so einen doch lieber unter den Bombenteppich der Geschichte. Schließlich floriert endlich im Gleichschritt der Demokraten der Waffenhandel wieder, die Rüstungsindustrie produziert Bomben für Frieden und Menschenrechte und seit 45 gab es nie so viele Kriege... nein, natürlich friedenserzwingende Maßnahmen auf der Welt wie heute. Deutschland darf endlich wieder mitspielen. Und da kann so ein pazifistischer Spielverderber das ganze Menschheitsgenesungswerk nur gefährden. Also weg damit. Darin ist sich die demokratische Mehrheit von16 Stimmen der über 1000 Gymnasiasten einig . Mußten die Lehrer zu DDR-Zeiten mit der Lüge leben, so haben sie heute die Freiheit dazu. Und sie nutzen sie. Vielen Dank.

Kenner 06.04.2012 - 19:06:39

Diese Schule hatte einen Gründungsnamen

Wie man nachlesen kann, hatte diese Schule einen Gründungsnamen. Zitat: "Am 25. April 1911 wurde das Realgymnasium in der heutigen Wieckestraße eingeweiht." Warum kehrt man nicht zum Ursprung zurück und nennt die Schule wieder beim Gründungsnamen. Das wäre real und eine Abwendung von allerlei politischen Verbiegungen seit der Gründung 1911. Opel, Mercedes und Volkswagen blieben doch auch bei ihrem Namen, egal für wen sie ihre Autos gebaut haben. Etwas mehr Frankfurter Stolz wäre hier angebracht und nicht das Hinterherlaufen hinter der Fahne, die gerade über dem Rathaus weht.

Felix 06.04.2012 - 18:02:24

Die Kosten!?!

Denkt auch einer mal über die Kosten einer Namensänderung nach? Was soll dann die ganze Diskussion? Ich denke unser Stadt ist hochverschuldet und hat kein Geld für Sonderausgaben in Bildung und Ausstattung der Schulen sowie für den bauliche Zustand der Schulen!?! Also was soll dass?

na hallo 05.04.2012 - 21:40:52

Nicht "Schule"

Da ich da oben leider "wohne", könnte sie auch "Blinden- Schule für Überbilldete Schüler" heisen. Die Schüler zwingen in ihren Pausen oft die ankommenden bzw. wegfahrenden Fahrzeuge Notbremsungen zu vollziehen, da sie über die Strassen gehen wie "Blinde". Was ist mein Leben wert? Oder warum kommt da ein Autofahrer an und will nur abbiegen! Wir haben hier "Hausrecht, denn wir sind doch was besseres". Da sollte mahl die Polizei bzw. das Ordnungsamt Kontrolle ausüben. Ob die nun EUROPA oder am H. heißen ist doch egal. Ist doch nur wieder eine Frage der Kosten. PS. Ich bin nicht Blindenfeindlich MfG

Ehemaliger 05.04.2012 - 17:52:37

@Gabriele Kehrmann

Für Sie zur Information ein Zitat von der Homepage des Gymnasiums: "Europa-Schule Der Titel „Europa-Schule“ wurde uns 1999 vom Brandenburger Ministerium für Bildung, Jugend und Sport verliehen, weil wir zum Beispiel mit demCOMENIUS-Projekt der Europäischen Union mit Schulen anderer europäischer Staaten eng verbunden sind. So gibt es Schulpartnerschaften mit Gorzow (Polen), Trollhättan (Schweden), Nottingham (Großbritannien), Wissembourg (Frankreich) sowie Italien (im Aufbau). Ein regelmäßiger Austausch zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern findet statt. Wir besuchen uns, tauschen Informationen persönlich bei Lehrer- oder Schülerbesuchen oder über das Internet aus und veranstalten gemeinsame Projekte an allen beteiligten Schulen. Von den Ergebnissen dieser Projekte profitieren alle Beteiligten über die Grenzen hinweg, da sie allen zugänglich gemacht werden. So arbeiteten zum Beispiel alle am Thema „Jugendkultur“. Die schulinternen Lehrpläne wurden um die Probleme und Chancen der europäischen Dimension ergänzt. " Vielleicht sollte man sich erst mal sachkundig machen bevor man zu man zum kollektiven Aufschrei aufruft.

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