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Die Gemeinde Passow erwägt den Kauf eines Bahnhofsgebäudes, um es anschließend abzureißen

Von Schönow nach Dreieich

Alexander Kempf / 07.04.2012, 05:30 Uhr - Aktualisiert 07.04.2012, 09:03
Schönow (MOZ) Die Bahnhöfe in Passow und Schönow gelten als Schandflecke. Der Putz blättert innen wie außen und die Fenster sind vernagelt. Warum verfallen die Gebäude? Wir haben uns auf den Weg gemacht, diese Frage zu klären.

Diese Reise beginnt am Bahnhof Schönow in der Uckermark. Dort empfängt die Reisenden ein baufälliges Gebäude. Der Putz des Zweckbaus ist komplett abgebröckelt und die Fenster wurden mit Holzbrettern vernagelt. Für einen Moment ist nicht ganz klar, wie wir zum Bahnsteig gelangen. "Zu den Zügen" steht über einem dunklen Eingang. Wir treten vorsichtig ein, treten auf morsche Dielen. Darauf liegt der Putz von den Wänden. Glasscherben liegen in einer Ecke, eine leere Dose Würstchen und eine abgerollte Klopapierrolle. Endzeitstimmung macht sich breit. Reisende im Rollstuhl müssen in Schönow bleiben, denn für sie führt kein Weg durch die keimigen Katakomben.

Der Ortsbeirat Schönow hat beantragt das Bahnhofsgebäude entweder zu sichern oder abzureißen, erzählt uns Stefan Hildebrandt zum Abschied. Er ist Ortsvorsteher in Schönow und dort schämen sie sich für die Baracke, die den Besuchern ein völlig falsches Bild ihres Dorfes vermittelt. Es gibt nur ein Problem. Das Gebäude gehört weder dem Ortsteil Schönow, noch der Gemeinde Passow. Die Ruine ist Privatbesitz.

Der bisherige Besitzer des Schönower Bahnhofsgebäudes will sich aber offensichtlich davon trennen. Er hat an der Fassade ein Transparent mit großen roten Lettern anbringen lassen. "PROVISIONSFREI ZU VERKAUFEN". Und dann steht da noch eine Telefonnummer. Die Nummer beginnt mit 06103. Es ist die Vorwahl von Dreieich, einer Kleinstadt in Hessen, nahe Frankfurt am Main. Sieben Stunden würde eine Zugfahrt dorthin dauern. Also greifen wir zum Telefon und rufen die angegebene Nummer an.

Wir wollen mit der Main Asset Management GmbH sprechen. Denn wir haben einige Fragen zu dem Bahnhofsgebäude, auch wenn wir es nicht kaufen wollen. Doch Presseanfragen werden von der Geschäftsführung generell nicht beantwortet, erklärt uns Horst Pohl. Warum sagt er nicht. Er sei nur der Buchhalter des Unternehmens und wir nicht die einzigen mit Fragen.

Also werfen wir einen Blick ins Internet. Auf der Homepage von Main Asset Management bröckelt kein Putz. Ganz im Gegenteil, dort sind viele moderne Gebäude mit Glasfassaden zu sehen. "Wir begleiten Investoren bei der Suche nach geeigneten Rendite-Objekten und loten Chancen und Risiken einer Immobilie differenziert aus", stellt sich das Unternehmen selbst dar.

Passows Bürgermeister Walter Henke kennt die Firma aus Dreieich. Denn auch Passows Bahnhofsgebäude ist in Privatbesitz. Der Gemeinde liegt ein Angebot vor, beide Objekte zu kaufen. Für einen kleinen fünfstelligen Betrag. Auf der nächsten Gemeindevertretersitzung soll darüber entschieden werden. Auch Walter Henke gefällt der Zustand der Bahnhofsgebäude in Passow und Schönow nicht. Doch was tun, wenn die Gemeinde sie erst einmal erworben hat? Der Schönower Bahnhof dürfte wohl abgerissen werden. Und Passow? Es fehlt ein Nutzungskonzept und das Geld für eine Sanierung.

"Ich habe zwei Seelen in der Brust", sagt Walter Henke. Wollen und können sind nicht immer miteinander zu vereinbaren. Auch uns fehlt das Geld für eine Reise nach Dreieich, um dort nachzufragen, warum die Gebäude verfallen. Im Internet finden wir immerhin ein Bild vom Bahnhof in Dreieich. Efeu rankt an dem historischen Gebäude. Es ist ein wahres Schmuckstück.

Dreieich liegt im Speckgürtel von Frankfurt am Main, Schönow und Passow hingegen im ehemaligen Bezirk Frankfurt an der Oder.

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