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Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide vermittelt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

Kooperation statt Konfrontation

Daniela Windolff / 17.04.2012, 21:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Der Rotmilan rückt 2012 in den Mittelpunkt der Arbeit des Landschaftspflegeverbandes Uckermark-Schorfheide. Dessen Bestand ist in der Brandenburger Agrarlandschaft in den vergangenen Jahren dramatisch geschrumpft. Gemeinsam mit Landwirten, Naturschützern und Kommunen wird nun ein Schutzprojekt gestartet.

Er liebt offene, abwechslungsreiche Landschaften, bevorzugt Mäuse, Feldhamster, Vögel und Fische auf seinem Speiseplan und türmt sein Nest auf hohen Bäumen auf - der Rotmilan. Doch der einst für unsere Breiten typische Vogel gilt als akut gefährdet. Intensive Landwirtschaft, Monokulturen vor allem mit Mais, der Einsatz von Pestiziden, aber auch Hochspannungsleitungen und Windkraftanlagen, denen der Rotmilan öfter als jeder andere Greifvogel zum Opfer fällt, haben die Bestände in Ostdeutschland in den letzten zehn Jahren um fast 25 Prozent schrumpfen lassen. Dabei konzentriert sich hier weltweit das größte Vorkommen dieser Greifvogelart. Die Verantwortung für den Erhalt dieser Art wiegt deshalb besonders hoch.

In einem bundesweiten Projekt des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege sollen in verschiedenen Regionen Maßnahmen zum Schutz entwickelt werden. Eines dieser zwölf Projektgebiete ist die Uckermark, Träger des Projektes will der Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide werden. Gefördert wird das Projekt vom Landesamt für Naturschutz.

Dass dieses Projekt nicht ausschließlich in Naturschutzverbänden angesiedelt ist, hat seinen Grund. "Solche Schutzmaßnahmen sind ohne die Landwirte gar nicht umzusetzen", sagt Jan Noack, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Uckermark-Schorfheide. Der vor 20 Jahren gegründete Verband versteht sich als Mittler zwischen den Interessen, zwischen Naturschützern und Landnutzern. Kooperation statt Konfrontation ist das Motto, das sich schon in der paritätischen Besetzung des Vorstandes widerspiegelt, der zu jeweils einem Drittel aus Vertretern des Naturschutzes, der Landwirtschaft und der Kommunalpolitik besteht.

Zur Jahreshauptversammlung 2012 in Angermünde wurde ein neuer Vorstand gewählt. Mitglieder sind Beate Schwigon, Alexander Mempel, Eberhard Henne, Martin Röthke und Hans-Ullrich Reichel. Vorsitzender ist wie bisher Jens Kath.

Auch die zahlreichen Projekte und Maßnahmen, die der Landschaftspflegeverband umsetzt, stehen für das Ziel einer naturverträglichen, nachhaltigen Nutzung und Pflege der Kulturlandschaft des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, des Wirkungsfeldes des Verbandes.

So wurden im vergangenen Jahr 500 Kopfweiden als wichtiges Landschaftsmerkmal der Region Uckermark und Barnim gepflegt. 250 Obstbäume und zwei Kilometer Hecken wurden gepflanzt, zum Beispiel entlang eines Feldweges in Schönow. 2000 Quadratmeter versiegelte Flächen einer ehemaligen Stallanlage in Landin wurden entrümpelt und der Natur zurückgegeben. Hier wurde ein Feuchtbiotop angelegt und Sträucher gepflanzt. Traditionell wurde am Landschaftspflegetag die Mudrowwiese in Angermünde als Lebensraum seltener heimischer Orchideen gemäht. Im Auftrag von Investoren, vor allem im Straßen- und Windanlagenbau, koordinierte der Verband Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für mehr als 420 000 Euro. Und schließlich bekommt auch die Umweltbildung einen immer größeren Stellenwert, dazu gehören Projekttage mit Schulklassen.

Das Schutzprogramm für den Rotmilan ist eine neue Herausforderung. "Es soll untersucht werden, welche Auswirkungen die Landwirtschaft und spezielle Anbaukulturen auf den Lebensraum und die Bestandsentwicklung haben", erläutert Jan Noack. Brachflächen, Hecken und bestimmte Feldfrüchte könnten die Lebensgrundlage der Rotmilane verbessern. "Das geht nur mit den Landwirten", betont der Geschäftsführer. Deshalb will man auch Förderprogramme des Landes prüfen, inwieweit sie für den Schutz des Rotmilans genutzt werden könnten. Landwirte brauchen neben allem Idealismus auch ökonomische Anreize, wenn sie freiwillig auf intensive Bewirtschaftung verzichten.

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