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Der Altar in der „Honigkirche“ von Neu Hartmannsdorf ist vom Zerfall bedroht

Gesucht: 1000 Kilo Wachs

Die Künstlerin und ihr bedrohtes Werk: Brigitte Trennhaus am Altar in der Neu Hartmannsdorfer Kirche
Die Künstlerin und ihr bedrohtes Werk: Brigitte Trennhaus am Altar in der Neu Hartmannsdorfer Kirche © Foto: MOZ
Bernhard Schwiete / 18.04.2012, 06:59 Uhr
Hartmannsdorf (MOZ) Der außergewöhnliche Altar aus Bienenwachs in der Kirche von Neu Hartmannsdorf soll gerettet werden. Dafür werden dringend große Mengen Wachs benötigt. Die Sanierungsarbeiten haben unterdessen bereits begonnen - mit offenem Ausgang.

Nur acht Reihen Bänke haben in der kleinen Kirche im Hartmannsdorfer Ortsteil Neu Hartmannsdorf Platz, ihr Anblick von außen ist eher unscheinbar. Dennoch ist das Gotteshaus Ziel von Ausflüglern aus Nah und Fern. Im Gästebuch, das im Innern ausliegt, finden sich Einträge von Reisegruppen aus Berlin und aus Potsdam, aber auch von Gästen aus Schleswig-Holstein und aus Baden-Württemberg. „Eine kleine Kirche, die großen Eindruck hinterlässt“, schrieb jemand.

Eindruck bei den Besuchern macht der Altar, der keineswegs alt ist, aber umso außergewöhnlicher. Die Berliner Künstlerin Brigitte Trennhaus schuf ihn 1993 komplett aus Bienenwachs. „Honigkirche“ wird sie seitdem vom Volksmund genannt, obwohl ihr korrekter Name „Hoffnungskirche“ ist. Ins Innere des etwa einen Meter hohen sechseckigen Altars integrierte Brigitte Trennhaus den ehemaligen Glockenstuhl der Kirche, der im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden war. „Dadurch sollte an die Tragödie von damals erinnert werden“, sagt die Künstlerin.

Nun habe die Decke des Altars erneuert werden müssen - und als sie daher angehoben wurde, kam das Malheur zu Tage. „Wir haben eine Katastrophe festgestellt“, sagt Brigitte Trennhaus. Das gesamte Holz im Altar hat sich zersetzt. Schnell war klar: Es muss weg - und soll nun durch Wachs ersetzt werden. Statt 100 Kilogramm, die für die Decke eingeplant waren, ist laut Brigitte Trennhaus das Zehnfache nötig. Um das zusammenzubekommen, hat sich der Landesverband der Brandenburger Imker eingeschaltet. „Wir wollen unsere Mitglieder mobilisieren, damit sie Wachs zur Verfügung stellen“, sagt der Pressesprecher des Verbands, Holger Ackermann.

Während auf Wachs gehofft wird, haben Helfer bereits begonnen, das Holz, oder besser: das, was vom Holz noch übrig ist, zu entfernen. Teilweise ist es bereits zu Krümeln zerfallen. Felix Handrik aus Spreenhagen beugte sich gestern immer wieder mit einer großen Schöpfkelle über die Wände des Altars, um das alte Material herauszubekommen. „Ich bin Mitglied der der Kirchengemeinde. Da helfe ich gerne“, sagte er. Auch ein Industrie-Staubsauger kam zum Einsatz. Größere Teile wurden per Hand heraus geklaubt. Unterstützung erhielt er von den Neu Hartmannsdorfern Horst Katholy und Horst Krauter. Michael Klaus kam sogar aus Berlin, als er von der schlechten Nachricht hörte. „Ich hatte hier mal ein Wochenend-Grundstück und bin dem Ort daher verbunden“, sagte er.

Heute ist Pause in der Kirche, morgen sollen die Arbeiten weitergehen. „Als wir dachten, es ginge nur um die Decke, wollten wir in drei Tagen fertig sein. Nun wird es natürlich länger dauern“, sagte Brigitte Trennhaus. Zudem bleibt die Frage, ob genügend Bienenwachs-Spenden zusammenkommen. Andernfalls müsste das Material gekauft werden. „Aber das kostet richtig Geld“, weiß Holger Ackermann vom Imkerverband.

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