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Biesenthal gegen Zuschuss von 50 000 Euro

Vorwurf: Lieber Parkplatz als neue Kita

Brigitte Horn / 21.04.2012, 07:23 Uhr
Biesenthal (MOZ) Der Verein Wukaninchen vom Projektehof Wukania bereitet seit zwei Jahren die Gründung einer Kita mit einem naturpädagogischen Konzept vor. Fördermittel worden eingeworben, darunter 150 000 Euro von der EU, die an eine Kofinanzierung aus der Region gebunden sind. Die ist jetzt gescheitert.

Es ging hoch her in dieser Sitzung der Biesenthaler Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend. Von der Entscheidung des Gremiums über einen Zuschuss von 50 000 Euro hing ab, ob die Kita des Vereins Wukaninchen in der geplanten Größe mit 30 Plätzen gebaut werden kann und EU-Mittel in Höhe von 150 000 Euro fließen werden.

Worum geht es insgesamt? In dem waldähnlichen Gebiet an der Ruhlsdorfer Straße soll eine an Reformpädagogik orientierte Kita entstehen. Der Verein Wukaninchen hat dafür ein Konzept vorgelegt, die Baugenehmigung in der Tasche sowie die Finanzierung aufgestellt. Die Gesamtkosten betragen 320 000 Euro. Der Knackpunkt bei den EU-Mitteln: Die Kofinanzierung muss in jedem Fall aus der öffentlichen Hand kommen, also von Land, Kreis oder Stadt. Weil der Landeshaushalt das nicht hergebe und der Kreis alles Geld in diesem Jahr schon verplant habe, hat sich der Verein an die Stadt gewandt, erklärte Christina Wendt, Vorstandsmitglied des Vereins.

Bekanntermaßen ist das Vorhaben in den Fraktionen kontrovers diskutiert worden. So tat man sich am Anfang schwer, einen Deckungsvorschlag für die unplanmäßig anfallenden 50 000 Euro zu finden. Vorgerechnet wurde, wie knapp die Rücklage sei. Ganz dramatisch klang die Einschätzung des Vorsitzenden des Finanzausschusses Dirk Siebenmorgen: "Woher sollen wir das Geld nehmen? Welches andere Projekt lassen wir sterben?". Sorgen bereiteten auch die jährlichen Folgekosten von bis zu 30 000 Euro.

Uwe Bruchmann, Befürworter der Kita, wusste Rat. Der Parkplatz am Grünen Weg könne bis 2013 geschoben werden, so dass 100 000 Euro frei würden. Dem hielt Siebenmorgen entgegen, dass die Mieter dort schon lange auf einen Parkplatz warten, worauf Bruchmann konterte, dass ihm ein Kindergarten lieber als ein befestigter Parkplatz sei. Zudem würde es Biesenthal gut zu Gesicht stehen, ein drittes Angebot in der Kinderbetreuung bereitzuhalten, was auch Zuzug bringe. Toll sei nicht zuletzt, dass der Verein Arbeitsplätze schaffe.

Letztlich beraumte der Bürgermeister eine Auszeit an, um die Wogen zu glätten. Die brachte einen mehrheitlich befürworteten Deckungsvorschlag für die 50 000 Euro. Das Geld sollte aus der Umfeldgestaltung des Grünen Weges genommen werden. Nachdem das den Verein hoffen ließ, kam unmittelbar in der Abstimmung über den Zuschuss die Ernüchterung. Nur etwa ein Drittel der Stadtverordneten stimmten dafür. Bei einer Enthaltung waren nahezu zwei Drittel dagegen.

Die Enttäuschung stand der Gruppe des Vereins ins Gesicht geschrieben. Gebaut wird trotzdem, kündigte die Sprecherin des Vereins an. Nur dann die kleine Version mit 16 Plätzen.

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Marko 25.04.2012 - 15:41:37

Trauriger Beweis für politische Kurzsichtigkeit

Die Idee einer Kita mit einem naturpädagogischen Konzept in Biesenthal wurde von vielen Eltern sehr positiv aufgenommen. Wir hätten nicht damit gerechnet, dass sich die Stadt das attraktive Angebot der anteiligen Kostenübernahme durch die EU entgehen lässt. Noch schlimmer ist die Aussage andere Projekte "sterben" zu lassen. Der benannte Parkplatz wird bereits als solcher genutzt, ist nur eben nicht gepflastert. Hier ist ein viel wichtigeres Projekt zu Grabe getragen worden. Der peinliche Beweis wie kurzsichtig hier die Vertreter der Stadt handeln.

Cornelia 24.04.2012 - 20:49:41

Kita Biesenthal

So schade für Biesenthal! Das wäre doch die Chance gewesen einen Anreiz für junge Familien zu haben nach Biesenthal zu ziehen. Ob dagegen ein weiterer Parkplatz Biesenthal attraktiver macht? Ich zweifel daran. Meine Tochter geht bisher in eine Bernauer Kita und ich bin froh das sie bald ein Wukaninchen wird - schade das es jetzt nur für 16 Kinder möglich sein wird! Wirklich peinlich für Biesenthal!

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