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Sozialarbeiterin redete beim Frauenstammtisch über ihre Gespräche am Straßenrand

Bald noch mehr Prostituierte bei Fürstenwalde

Heike Hahn / 28.04.2012, 07:43 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Beim Frauenstammtisch am Donnerstagabend wurde das Thema "Das älteste Gewerbe der Welt, auch in Fürstenwalde - was ist zu tun?" lebhaft diskutiert. Von der Beratungsstelle In Via aus Königs Wusterhausen war eine Expertin anwesend.

Margarete Muresan darf nicht schüchtern sein. Der Job der jungen Frau ist es, auf diejenigen zuzugehen, über die oft nur geredet wird - zurzeit auch in Fürstenwalde. Es geht um die Prostituierten, die am Straßenrand in Richtung Hangelsberg stehen.

Für die Fürstenwalder ist das Phänomen noch relativ neu. Für Margarete Muresan Alltag, denn seit mehreren Jahren arbeitet sie als Streetworkerin. Sie klärt die Mädchen und Frauen in Gesundheitsangelegenheit auf und bietet ihnen Hilfe an. Um mit den Frauen in Kontakt zu kommen, muss erst einmal recherchiert werden, wo sie sind. "Viele Prostituierte bleiben nicht an einem Ort, sondern probieren auch andere Regionen in Brandenburg aus", erzählte sie beim Frauenstammtisch. Grund dafür ist: Geld. Anderswo bezahlen die Freier möglicherweise mehr.

Die Damen in aufreizender Kleidung bei Fürstenwalde stammen aus Bulgarien. Margarete Muresan sagte, sie wisse das, weil sie mit ihnen gesprochen habe. Die zehn Frauen am Stammtisch verstummten kurz. Mit ihnen reden? Einige sahen erstaunt aus und gleichzeitig schienen sie froh, mehr Informationen aus erster Hand zu bekommen. Die Anwesenden entpuppten sich dennoch den Abend über als kenntnisreich - theoretischer Natur. Die Frauen hatten sich zuvor informiert, viel gelesen und Reportagen zum Thema gesehen, doch sicher war sich niemand so recht, ob das auch alles stimme. "Welche echten und unechten Vorurteile haben wir?", fragte deshalb Gerhild Schulzendorf.

Margarete Muresan stellte klar, dass ihres Wissens nach die Frauen bei Fürstenwalde freiwillig ihre "Dienste" anbieten. Da sie EU-Bürgerinnen sind, steht es ihnen auch frei, in Deutschland zu arbeiten. Die Gründe, aus denen sie auf den Straßenstrich gehen, sind vielfältig. "Viele sind arm und sehen in ihren Heimatländern keine Zukunft", sagte die Streetworkerin.

Das Geld, das sie hier verdienen, werde meist zu den Familien nach Hause geschickt. Am Stammtisch kam die Frage nach "Beschützern" - oder Zuhältern - auf. "Sie erwähnen manchmal Cousins oder Freunde, die auf sie aufpassen", antwortete daraufhin die Expertin. Rechtlich gesehen sei es so, dass erst dann von Zwangsprostitution gesprochen werden könne, wenn die Frauen mehr als 50 Prozent ihres Einkommens an jemand anderen abgeben müssten. Und wenn sie zu Dingen gezwungen werden, die sie nicht wollen. "Der Zwang wird doch oft gar nicht körperlich erzeugt, sondern eher psychisch", warf eine Zuhörerin ein. Margarete Muresan nickte dabei. Doch bei den zwischen 20 und 30 Jahre alten Frauen an der Straße Richtung Hangelsberg bestünden dafür keine Hinweise. "Wenn wir zu ihnen gehen, haben wir Kondome und Visitenkarten dabei." So soll sichergestellt werden, dass die Prostituierten gleich wissen, an wen sie sich wenden können.

Deutsche Prostituierte werde man kaum auf der Straße sehen. "Die bleiben meist in Wohnungen", sagte Margarete Muresan. Dagegen, oder gegen den Straßenstrich, kann man wenig tun. Ein Verbot ist nicht die Lösung, da waren sich die meisten am Tisch einig. Im Sommer werde die Zahl der Frauen auf dem Straßenstrich bei Fürstenwalde wohl erfahrungsgemäß noch zunehmen. Daran können auch Erdwälle und Schranken an Waldwegen nichts ändern.

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der linke 01.05.2012 - 04:12:33

@sog. bummzi

Neid so etwas kennen meine Genossen nicht. Jeder hat den selben Anspruch und das selbe Glück. Sie kommen mir eher wie einer von unseren Jugendwerkhöfen vor. Ungebildet, Primitiv und Rückständig, Aggresiv nicht zu vergessen. Finden Sie es gut das jeder, zu jeder Tageszeit, Menschen beim perversen Sextreiben zusehen kann? Wie erklären Sie Kindern, ich schreibe BEWUSST nicht Ihren Kindern, was diese Erwachsenen dort machen? Ist das "Ihr KAPITAL", welches Sie gerne vermitteln? Sie tuen mir nicht einmal Leid, ich verabscheue solche "Menschen", deren Moral nur an niedrigeren Bedürfnissen hängen. A propos: "In der Nähe von Fürstenwalde..." "... in Berlin.." Sie wissen doch mit Sicherheit, wie lange man früher von Fürstenwalde nach Berlin gebraucht hat. Heute kommt man schneller in die Hangelsberger, als früher nach Schwedt. In diesem Sinne, Vorwärts immer, Rückwärts nimmer!

P.Bummzi 30.04.2012 - 18:13:35

@ DER LINKE - neidisch?

Was regt sich der Linke so auf? Prostitution in der Nähe von Fürstenwalde gab es doch schon zu den Zeiten der DDR. Verdienstvolle Jung-Genossinnen legten sich in Berlin im Palasthotel zu den West-Geschäftsleuten ins Bett und ließen sich so gar per Kamera aufnehmen. So kam Stasi - Mielke zu seinen Informationen und ein kleiner Porno-Film fiel noch mit ab. Also setzen doch die jungen Damen aus den einstigen Bruderländern nur die revolutionären Traditionen der "Arbeiterbewegung" fort. Der Vorteil von Europa besteht darin, dass nun die gesamte Arbeiterklasse an den Freuden und der Bewegung teilhaben kann. Ist da etwa jemand neidisch?

lidl 30.04.2012 - 01:04:29

Staune

.. das der Bürgermeister nen neuen NETTO bauen lässt und kein Freudenhaus.

Melanie Hurthe 29.04.2012 - 07:57:41

Dann lässt er mich wenigstens heute abend in Ruhe ...

Und das ist gut so!

der linke 28.04.2012 - 23:52:29

Ab jetzt..

...hat jede Frau in Fürstenwalde und Umland das Privileg, sich zu fragen: "War mein Mann heute bei einer Nutte?" Herzlichen Glückwunsch Europa.

Alex 28.04.2012 - 08:28:12

Vielfalt tut gut, liebe Frauen, kommt und bereichert uns,

und wir wollen uns dankbar dafür zeigen.

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