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Landkreis könnte Finanzierung übernehmen / Pläne stießen fraktionsübergreifend auf Ablehnung

Fürstenwalde will Oberschulen abgeben

Bildungsstätte in Nord: die Juri-Gagarin ist die größere der beiden Oberschulen.
Bildungsstätte in Nord: die Juri-Gagarin ist die größere der beiden Oberschulen. © Foto: moz
Lea Sophie Lukas / 28.04.2012, 07:48 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Ob die beiden Oberschulen der Stadt in Trägerschaft des Landkreises übergehen sollen, wurde am Donnerstag im Sozialausschuss diskutiert. Während der Kämmerer den Plan für wirtschaftlich sinnvoll erklärte, stieß die Idee bei Schulleitern und Abgeordneten auf Ablehnung.

"Dass bei einem solchem Thema die Emotionen hochkochen, ist ganz normal", sagte Elke Wagner, Vorsitzende des Sozialausschusses, am Donnerstagabend. Dennoch forderte sie eine sachliche Debatte darüber, ob die Stadt ihre beiden Oberschulen an den Landkreis übergeben sollte. Bedenken müssten die Abgeordneten dabei auch ihre Verantwortung dem städtischen Finanzhaushalt gegenüber. Das betonte auch Kämmerer Eckhard Fehse, den die Ausschussmitglieder zur Sitzung eingeladen hatten.

Fehse legte dar, welche Kosten die Stadt als Schulträgerin allein in diesem Jahr aufwenden muss: 410 000 Euro. Der Betrag sei über die Jahre kontinuierlich gewachsen, erklärte er. "Unsere Ausgaben sind stärker gestiegen als der Ausgleich durch den Landkreis." Ökonomisch betrachtet sei es daher ratsam, über einen Trägerwechsel nachzudenken.

Auf eine rein wirtschaftliche Betrachtungsweise wollten sich Schulleiter, Eltern- und Schülerschaft allerdings nicht einlassen. Ute Schädlich, Leiterin der 1. Oberschule in Süd, und Karl-Heinz Wittig, Leiter der Juri-Gagarin-Oberschule in Nord, hatten mit ihrer Einladung vom Ausschuss auch ein Rederecht erhalten. Dass hinter dem Gedanken eines Trägerwechsels ökonomische Zwänge stehen, könne sie verstehen, erklärte Ute Schädlich. Aber: "Die weiterführenden Schulen gehören zur Infrastruktur in Fürstenwalde. Ich fand es bisher sehr gut, wie sich die Stadt für die Schulen eingesetzt hat."

Dass das zum Schuljahr 2013/2014 ein Ende haben könnte, stimme sie vor allem deshalb besorgt, weil sie um die über Jahre hinweg aufgebauten Netzwerke fürchte. Ob auch der Landkreis die Jugendsozialarbeit, die außerhalb des Unterrichts stattfindet, in der bisherigen Form fortgeführt werde, ob die gute Einbindung der Schule und Schüler in den regionalen Wirtschaftsraum erhalten bleibe - Ute Schädlich stellte es vor den Mitgliedern des Sozialausschusses in Frage.

In die gleiche Richtung ging, was Karl-Heinz Wittig anmerkte: "Wir können stolz sein auf das, was investiert wurde und wird. Wir sollten doch versuchen, es so zu lassen. Es ist ein gutes Miteinander." Auch Wittig fürchtet, dass wichtige Aufgaben wie die Schulsozialarbeit - etwa durch den Verein Jugendhilfe und Sozialarbeit (JuSeV) - vom Landkreis nicht mehr so mitfinanziert werden könnte, wie es die Stadt bisher tut. "Wenn die Kontakte nicht mehr so eng sind, dann fällt einiges weg", sagte der Schulleiter.

Während Eckhard Fehse betonte, dass der Meinungsbildungsprozess in der Verwaltung noch nicht abgeschlossen sei, wurde die Einstellung der Abgeordneten zu diesem Thema im Sozialausschuss bereits deutlich. Gerold Sachse (Linke) empfahl, zwischen "Kopf- und Bauchgefühl" zu trennen. Während der Kopf zustimme, dass Fehses Erläuterungen richtig seien, müsse das Bauchgefühl den großen Vorteil der städtischen Trägerschaft, die zu mehr Nähe zwischen Schulen und Kommune führe, erkennen. Sachse sprach sich sogar dafür aus, weitere Schulen in städtische Trägerschaft zu übernehmen.

So weit wollte Wolfgang Petenati (CDU) nicht gehen. Auch er erklärte aber: "Die Stadt nimmt sich selbst etwas weg, wenn sie ihre Oberschulen abgibt." Auf seine Aussage "Ich empfinde das, wie wenn man ein Kind weggibt" folgte Applaus.

Da eine endgültige Entscheidung von den Stadtverordneten getroffen werden muss, wollen die Mitglieder des Sozialausschusses nun die Einrichtung eines Arbeitskreises beantragen, der alle Probleme, Risiken und Möglichkeiten diskutieren und im Anschluss daran eine Empfehlung aussprechen soll. Zusammensetzen soll sich der Kreis aus Vertretern von Kreis, Stadt, Schulen, Elternschaft und der Fraktionen. Lediglich die beiden CDU-Mitglieder, Wolfgang Petenati und Jürgen Teichmann, lehnten den Antrag ab. Petenati bezeichnete es als "erstaunlichen Optimismus", dass ein Arbeitskreis etwas bewirken könnte.

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Oberlehrer 30.04.2012 - 08:25:10

nicht lustig... ;o)

Ich hatte schon oft die sich jetzt bestätigende Vermutung, daß Herr Sachse vornehmlich mit dem Bauch denkt. Inhaltlich stimme ich den Herren, auch Herrn Petenati, voll und ganz zu. Auf seinen zitierten Satz hätte jedoch nicht nur Beifall, sonder auch eine Einladung zum Deutschunterricht folgen sollen.

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