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Mit griechischem Tee lässt sich Alzheimer bekämpfen - sagt ein aus Bad Freienwalde stammender Forscher

Hoffnung für Alzheimer-Patienten

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Jens Pahnke, Alzheimer-Forscher in Magdeburg, bei Vortrag im haus der Naturpflege Bad Freienwalde am 12.05.2012
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Jens Pahnke, Alzheimer-Forscher in Magdeburg, bei Vortrag im haus der Naturpflege Bad Freienwalde am 12.05.2012 © Foto: MOZ
Jens Sell / 14.05.2012, 07:45 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Der international anerkannte Alzheimerforscher Professor Jens Pahnke hat in Bad Freienwalde sein Abitur gemacht. Am Sonnabend referierte er im Haus der Naturpflege über seine Forschungsergebnisse und traf ehemalige Lehrer wieder.

"Ich freue mich, Horst Sander hier zu sehen, er hat uns damals zur Chemie-Olympiade geschickt, obwohl wir uns gar nicht so fit dafür fühlten, aber er hat an uns geglaubt und recht behalten", sagt Jens Pahnke zu Beginn seines Vortrages im voll besetzten Haus der Naturpflege. Und auch seine Biologielehrerin Sybille Knospe, nicht zuletzt Vorsitzende des Trägervereins, begrüßt er herzlich. "Er war ein sehr guter Schüler, auch noch einige andere seiner Klasse, mit denen hat das richtig Spaß gemacht. Die musste man nicht antreiben, die waren mit dem Herzen dabei", sagt Horst Sander. Der heutige Stadt- und Wanderführer war damals zur Wende Lehrer für Naturwissenschaften an der Schule am Scheunenberg.

Der 38-jährige Jens Pahnke hat seit seinem Freienwalder Abitur in Medizin und dann noch einmal in Molekularbiologie promoviert, ist Lehrstuhl-Inhaber an der Universität Magdeburg, war vorher an der Rostocker Uni schon Professor und leistete Grundlagenforschungen zur Alzheimer-Demenz. Er leitet im Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen das Forschungslabor für Neurodegeneration.

Was die rund 50 wie gebannt lauschenden Gäste des Vortrages fasziniert, ist die anschauliche Art und Weise, wie Jens Pahnke das Wesen und die Vielfalt von Demenzerkrankungen und speziell der Alzheimer-Demenz darlegt und welche bahnbrechenden Forschungsergebnisse er präsentiert. Mehrmals betont der Wissenschaftler, dass die Ursachen von Alzheimer immer noch weitgehend unerforscht, eine wirksame Therapie noch in weiter Ferne seien. Doch kann er überzeugend darlegen, dass die mit zunehmendem Alter funktionsuntüchtig werdenden Durchlässe für giftige Eiweiße aus dem Gehirn in die Blutgefäße wesentlichen Einfluss auf die Ansammlung und Verklumpung dieser Eiweiße im Gehirn haben. Es entstehen Ablagerungen, die zum Absterben von Nervenzellen, zur Schrumpfung des Gehirns führen, sobald sie nicht mehr von "guten" Fresszellen wirksam bekämpft werden können.

Was manchem Zuhörer aber regelrecht den Atem stocken lässt, sind die Aussichten, die Pahnkes Forschungen für die Therapie von Alzheimer eröffnen. Denn mit großem Ehrgeiz sucht er nach Mitteln und Möglichkeiten, die funktionsuntüchtigen Durchlässe wieder zu öffnen. Die Zuhörer bekommen einen Einblick in den Alltag von Forschern. Wie werden Mäuse alzheimerkrank gemacht? Wie testet man die Gedächtnisleistung der Mäuse überhaupt? Und dann zeigt Jens Pahnke Videos von Versuchsreihen mit Mäusen, bei denen der Abbau der Nervenzellen nicht nur gestoppt, sondern die Gedächtnisleistung wieder hergestellt werden konnte! Er berichtet von der Suche nach Medikamenten, die die Kanäle wieder öffnen. Das Schmerzmittel Ibuprofen, jedem Hexenschuss-Patienten schon einmal begegnet, hat eine solche Nebenwirkung - neben sehr schädlichen auf den Magen. Ein anderes, früher gegen Erbrechen und Übelkeit eingesetztes, ist nicht mehr auf dem Markt, könnte aber ebenfalls eingesetzt werden.

Und die Forscher suchen nach traditionellen pflanzlichen Wirkstoffen. Schon wurden die Zuhörer aufmerksam, als die Geschäftsführerin des Hauses der Naturpflege Kerstin Götter ein Tablett mit Tassen und eine große Kanne frischen Kräutertees bringt. Kein gewöhnlicher Wald- und Wiesenkräutertee, sondern welcher vom griechischen Eisenkraut (Sideritis scardia). "Seine Wirkung auf die Merkfähigkeit von Mäusen haben wir eindeutig nachgewiesen. Unser Team kocht inzwischen täglich eine große Kanne - für uns selbst", berichtet Jens Pahnke. Die Gäste im Haus der Naturpflege trinken angeregt den Tee und vergessen fast das Nachhausegehen.

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