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Gegenwind zum Solarfeld

Marco Marschall / 09.03.2015, 22:59 Uhr
Alt Rosenthal (MOZ) Von der Solaranlage zwischen Trebnitz und Alt Rosenthal halten viele aus dem Vierlindener Ortsteil überhaupt nichts. Bevor die Gemeindevertreter über den Bau befinden, wollen sie zunächst einmal wissen, was sie davon haben.

Mit diesem Gegenwind hatte Ralf Meier vom Planungsbüro Pro3 nicht gerechnet, als er das Vorhaben der Firma Enerparc im jüngsten Vierlindener Gemeinderat in Alt Rosenthal vorstellte. Als die Abgeordneten vor einem Monat in Görlsdorf tagten, gab es kaum Meinungen zum Projekt, das Ralf Meier und ein Vertreter des Investors dort vorstellten. Den Beschluss einen Bebauungsplan aufstellen zu lassen, haben die Vierlindener nun vorerst vertagt. Denn vor allem die Alt Rosenthaler zeigten sich wehrhaft. Der Heimatverein hatte sogar eine Resolution verfasst, die im Gremium verlesen wurde. "Der Ortsbeirat ist einstimmig gegen das Vorhaben", berichtete Michael Schuh. Grund sei in erster Linie der Eingriff in Landschaft und Natur.

Kritisch wird auch gesehen, dass mit der 15 Hektar großen Anlage auf 600 Metern an der Bahnstrecke zwischen den Dörfern Ackerland in Industriefläche umgewandelt wird. "Wir brauchen die Flächen zur Ernährung der Weltbevölkerung", hieß aus den Reihen der anwesenden Alt Rosenthaler Gäste. Der Flächennutzungsplan solle aus der Sicht vieler Einwohner nicht geändert werden. Es gebe genug Industrie- und Gewerbebrachen, wo Photovoltaik-Anlagen entstehen könnten. Die Fläche zwischen Trebnitz und Alt Rosenthal würde dann eingezäunt und für die Bevölkerung unzugänglich gemacht werden. Nur ein Einwohner sprach grundsätzlich für die Solarzellen auf der Fläche aus. Die seien sinnvoller als der Anbau von Mais für die Biogasanlage.

Vierlindens Bürgermeister Dirk Ilgenstein, der die Stromgewinnung aus der Sonne zunächst als sinnvolles Ansinnen bezeichnete, forderte Planer Ralf Meier angesichts der Skepsis aus dem Dorf auf, den Alt Rosenthalern, das Projekt schmackhaft zu machen. "Was hat die Gemeinde davon?", fragte er.

Ralf Meier argumentierte mit der Gewerbesteuer, die zumindest zu 70 Prozent in der Gemeinde bleiben müsse. "Dazu müssen sie ehrlicherweise aber auch sagen, dass solche Anlagen Abschreibungsobjekte sind und Gewerbesteuern frühestens in sieben bis zehn Jahren fließen", konterte Dirk Ilgenstein. Meiers zweites Argument, dass durch weniger Ackerbau auch weniger Traktorenverkehr durchs Dorf zu erwarten ist, ging weitestgehend unter.

Der Bürgermeister forderte seine Gemeindevertreter auf, sich grundsätzlich zu positionieren und machte deutlich, dass es mit dem Beschluss zunächst nur darum gehe, ein Planverfahren zu ermöglichen. Über den Bau selbst sei damit noch nicht entschieden. "Photovoltaik ist die Form der Energie-Gewinnung, die am wenigsten Schäden in der Umwelt hinterlässt", bemerkte Gemeindevertreter Jörg Bernd dazu. Allerdings sollten die Anlagen aus seiner Sicht dort hingebaut werden, wo sie mehr Sinn machen.

Auf Dirk Ilgensteins Vorschlag entschieden sich die Gemeindevertreter letztlich, noch keinen Beschluss zu fassen, sondern die Enerparc als Träger des Vorhabens in die Pflicht zu nehmen. "Wie können wir partizipieren", wiederholte der Bürgermeister die entscheidende Fragen noch einmal und gab sie Ralf Meier mit auf den Weg.

Gemeindevertreter Martin Roland schlug vor, dass sich die Abgeordneten noch einmal Gedanken darüber machen, wo in Vierlinden Standorte für Solaranlagen entstehen könnten.

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linksfahrer 12.03.2015 - 14:18:06

eine nicht zu....

..unterschätzende, absolut negagtive Begleiterscheinun- bei größeren Photovoltaikanlagen- ist der sonnenabhängige hochfrequente Pfeifton der Wechselrichter. Bei entsprechender Windrichtung hunderte Meter weit zu hören. Hiervon geht, zumindest für noch nicht Hörgeschädigte Personen, eine Gesundheitsgefahr aus. Ein Besuch der Anlage im Seelower Gewerbegebiet (Nähe THW) bei Sonnenschein wäre hier angebracht. Am besten Kinder mitnehmen, denn die hören den Pfeifton noch lauter.

Leser 10.03.2015 - 07:28:44

Haben die Einwohner der

Gemeinde schon mal etwas von Pivateigentum gehört? Der Acker / Boden ist Privateigentum egal ob umzäunt oder nicht umzäunt. Dieser darf somit wie die Wohnung von niemanden betreten werden, es sei denn, dass der eigentümer es gestattet. Wollen die Einwohner lieber die Monokultur Mais auf ihrem Acker und schädliche Biogasanlagen in der Umgebung, statt ein Biotop in ihrem Ort unter der Solarananlage? Na ja, das ist nun mal ein Dorf ....

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