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Wettermuseum präsentiert technisches Denkmal / Ausstellung über Aufstiegs-Systeme / Sanierung für 50 000 Euro

Drehbares Drachenhaus eröffnet

Jörg Kühl / 21.05.2012, 07:10 Uhr - Aktualisiert 21.05.2012, 11:39
Lindenberg (MOZ) Seit gestern ist das Wettermuseum in Lindenberg um eine Attraktion reicher: Das 1937 errichtetet Windenhaus 2 wurde samt einer Ausstellung über den Einsatz der Wetterdrachen nach einer umfassenden Sanierung eröffnet.

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Wettermuseum zeigt aufpoliertes Windenhaus

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Mit dem Windenhaus 2 verfügt das Wettermuseum Lindenberg über eine neue Sehenswürdigkeit. Das im Grundriss zwölfeckige Gebäude ist auf einer runden Schiene gelagert und lässt sich mit Muskelkraft in alle Himmelsrichtungen drehen. Erbaut wurde es 1937 als drehbare Plattform für die Winden, die die riesigen Wetterdrachen in die Höhe steigen ließen. Zwar gab es auf dem Gelände des 1905 gegründeten Wetterobservatoriums in Lindenberg bereits ein älteres Windenhaus. Nach dem Bau von vier 100 Meter hohen Antennen rings um das Observatorium konnten Wetterdrachen bei Ostwind jedoch nicht mehr gestartet werden. Also wurde ein weiteres Windenhaus sowie die heute als Museum genutzte Ballonhalle 400 Meter vom Observatorium entfernt errichtet. Nach dem die Wetterdrachen von anderen Höhen-Aufstiegs-Systemen ersetzt worden waren, stand das Windenhaus jahrzehntelang ungenutzt auf dem Gelände und verfiel zusehends.

Mit Unterstützung der Norddeutschen Stiftung der Raiffeisen-Volksbank, der Raiffeisenvolksbank oder-Spree, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Kreises Oder-Spree und anderer Geldgeber konnte das historische Technikdenkmal für 50 000 Euro saniert und eine Ausstellung darin etabliert werden.

Der Vorsitzende des Vereins Wettermuseum, Bernd Stiller, dankte den Geldgebern und umriss die technischen und geschichtlichen Hintergründe der musealen Neuzugänge. Außer dem Windenhaus wurde auch ein Windenwagen aus den 50-er Jahren vorgestellt, der bisher im Observatorium eingelagert war und nun nach einer Sanierung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Sanierung haben Vereinsmitglieder in Eigenleistung erledigt. Auch dafür dankte der Museumschef. Der Windenwagen diente dazu, Messungen mit Wetterdrachen auch außerhalb des Geländes vorzunehmen zu können. So wurde der Wagen beispielsweise beim dem Bau des Kernkraftwerks Rheinsberg eingesetzt, um die Haupt-Windrichtungen für den Fall einer Havarie vorherbestimmen zu können.

Im Windenhaus selbst ist eine Ausstellung eingerichtet worden, die sich mit verschiedenen Aufstiegstechniken, besonders aber mit dem Einsatz von Wetterdrachen beschäftigt. In Vitrinen liegen Umlenkrollen, Haspeln, Drähte und Hebel, die von ihren Dimensionen her eher an Zubehör für Seilbahnen erinnern. Dazu gibt es anschauliche Texte und historische Fotografien, die die Meteorologen und Techniker bei der Arbeit zeigen. So erfahren Besucher des Wettermuseums beispielsweise, dass für den Aufstieg der Wetterdrachen bis zu 9000 Meter lange Klavierdrähte der Firma Bechstein zum Einsatz kamen. Die Texte stammen überwiegend von Vereinsmitglied Ralf Kraak, der von Berufs wegen Pädagoge ist. Er wurde von Hans Steinhagen beraten, der als Physiker lange im Observatorium beschäftigt war und der über den Einsatz der Wetterdrachen als Zeitzeuge anschaulich berichten kann.

Lindenbergs Ortsvorsteherin Doreen Wollenberg, die die Sanierung des Windenhauses mit unterstützt hatte, zeigte sich erfreut über das Ergebnis. Es sei auch dem Museum zu verdanken, das jedes Jahr mehr Besucher nach Lindenberg kämen. So wie Kay Ortmann, der mit Sohn Friedrich (9) aus Mittenwalde nach Lindenberg gereist war. "Ich bin durch die Zeitschrift der Deutschen Stiftung Denkmalschutz auf das Wettermuseum aufmerksam geworden." Friedrich zeigte sich besonders vom dem Miniatur-Heißluftballon beeindruckt, der in der Ballonhalle bis unter die Decke steigen kann.

Das Wettermuseum in der Schulstraße 4 (Tel. 033677 62521) ist Sonntag bis Donnerstag 10 bis 16 Uhr geöffnet.

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