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Kaputtgespart und uneinig

Christian Stiller
Christian Stiller © Foto: MOZ/Heinz Köhler
22.05.2012, 18:47 Uhr - Aktualisiert 22.05.2012, 19:32
(MOZ) Ist es Realitätsverweigerung oder doch eher gute Miene zum bösen Spiel, wenn sich die Kanzlerin mit dem Ergebnis des NATO-Gipfels zufrieden zeigt? "Smarte" Rüstungskooperationen oder die Teil-Inbetriebnahme des Raketenschilds können kaum über die Krise des Bündnisses hinwegtäuschen.

Der Einsatz in Afghanistan beispielsweise kann schon jetzt als gescheitert angesehen werden. Und man darf wohl kaum Gutes erwarten, wenn 2013 die afghanischen Regierungstruppen die Einsätze gegen Taliban und Warlords selbst leiten werden, während bereits ein Abzugswettlauf der westlichen Truppen einsetzt und die Ethnien am Hindukusch zum Bürgerkrieg rüsten. In all den Jahren wurden keine Antworten auf asymmetrische Kriege und Terrorismus gefunden. Und wahrscheinlich ist das auch gar nicht möglich.

Ein weiteres Problem ist, dass sich die USA mehr und mehr dem pazifischen Raum zuwenden, an Europa das Interesse verlieren und letztlich auch nicht mehr die Mittel haben, um dauerhaft omnipräsent zu sein. Bei den Europäern sitzt das Geld ebenfalls nicht mehr so locker, was letztlich auch der Grund ist, dass man militärische Fähigkeiten nun verteilen will. Das kann man machen, jedoch erfordert das politische Einigkeit. Und davon hat sich Europa in den vergangenen Jahren immer weiter entfernt. Das zeigte zuletzt die NATO-Unterstützung der libyschen Rebellen eindrucksvoll. So beteiligten sich nur noch jene Länder, die ein Interesse daran hatten, wobei es natürlich wieder die USA waren, die kräftig mit "Fähigkeiten" aushelfen mussten. Um so banger darf man sich fragen, wie Einsätze künftig ablaufen werden, wenn sich Bündnispartner mit benötigtem Know-how wegen Parlamentsvorbehalten verweigern.

Der Erfolg dieses Bündnisses beruhte einst auf seiner Abschreckung, doch die wird mehr und mehr kaputtgespart. Da mag der Raketenschild kaum beruhigen - wenn er überhaupt jemals zum Einsatz kommt. Stattdessen heizt er einen längst vergessen geglaubten Ost-West-Konflikt wieder an und kränkt Russlands nationale Eitelkeiten. Vielleicht ändert sich das, wenn am Hindukusch unweit der russischen Haustür die Konflikte ab 2014 wieder kräftig aufflammen werden. Doch wird die NATO dann noch ein ernst zu nehmender Partner sein, mit dem man kooperieren möchte?

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Gabi 24.05.2012 - 00:09:27

Nato?

Tut mir leid, für mich ist die Nato nur eine Mörderbande!

G.W. 23.05.2012 - 19:31:03

Der Kommentator ist offensichtlich todunglücklich,

daß das allgemeine Wettrüsten abschwillt. Aber selbst die hochgerüsteten Staaten gewinnen bestenfalls jeden zweiten Krieg und die EU war nie handlungsfähig und wird es auch nie sein. Insofern stellt sich die Frage nach Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit millitärischen Einschreitens wo auch immer. Kosovo: EU hat versagt, Amis haben gerettet. Piratenproblem: Zwei Kilometergrenze wird von den Piraten akzeptiert, heißt, D versagt wieder und die "Verbrecher" von Blackwater retten künftig auch deutsch Seeleute. Afghanistan: Alle ziehen ab, die Amis stellen bis zuletzt das größte Kontingent, sämtliche Aufbauarbeiten der Gutmeinenden sind in spätestens drei Jahren wieder im Eimer und im Kabuler Stadion werden wieder Hinrichtungen gefeiert. Fazit: Totalversagen im Ergebnis und das richtig teuer für alle. Die Bilanz des Aufrüstungswahns ist düster....und der Autor? Für die Moz scheint es noch zu reichen.....

hans 23.05.2012 - 17:57:02

@Dr.-Ing.- Frank Valentin

Sie sind ein Träumer, wie ich. Das tapfere Schneiderlein war da schlauer, es hat die Riesen veranlaßt sich gegenseitig den Kopf einzuschlagen.

Karl Mauz 23.05.2012 - 11:40:24

Tot ist tot...

... und keine "Sache" ist es wert, dafür zu sterben.

? 23.05.2012 - 09:37:26

-sarkasmus-

hurra, wir haben krieg! ... und nein herr vorkommentator, es ist schon ein gravierender unterschied für WEN mensch in die schlacht zieht und abnippelt ;-(........

Dr.-Ing.- Frank Valentin 23.05.2012 - 09:02:00

Militär-Airbus und Bundeswehr an den Schulen

"Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Kriege getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg." (Kurt Tucholsky) Schön, dass sich die MOZ jetzt auch um die notleidende NATO kümmert. Das ist natürlich dringend nötig, die Rüstungskonzerne könnten nach dem Ende des Afghanistan-Krieges der NATO direkt verarmen. Allerdings verstehe ich nicht, warum man so gegen einen Deutschland-Besuch von Margot Honecker anschreibt. Man hat doch auch in der Volks(ver)bildung viel von der DDR gelernt: Die Bundeswehr ist schon längst in den Schulen und die Schüler werden auf kommende NATO-Einsätze in aller Welt vorbereitet. Oder wie die neue Losung heißt: ICH.DIENE:DEUTSCHLAND. Allerdings wäre ICH:DIENE.DEM.PROFIT ehrlicher.

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