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Landgericht verhandelt Fall eines 75-jährigen Platkowers, der des sexuellen Missbrauchs angeklagt ist

Tiere waren seine Mädchen-Köder

Ines Rath / 25.05.2012, 06:06 Uhr - Aktualisiert 21.10.2014, 15:21
Platkow/Frankfurt (MOZ) Er hat extra ein Pferd angeschafft, um die Mädchen an sich zu binden. Und er drohte, das Pony an die Hunde zu verfüttern, wenn die Kinder erzählen würden, was er mit ihnen macht. Herausgekommen ist es trotzdem. Gestern wurde die Verhandlung gegen den Platkower Fritz O. wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern am Landgericht Frankfurt (Oder) fortgesetzt.

Der alte Mann in Knickerbockern mit dem langen, weißen Haar und dem Rauschebart auf der Anklagebank erinnert an den Weihnachtsmann. Doch den Mädchen, die ihm zu nahe kamen, hat er nichts Gutes gebracht. Der 75-jährige Fritz O. aus Platkow ist angeklagt, zwischen 2001 und 2010 fünf Mädchen im Alter zwischen 10 und 13 Jahren sexuell missbraucht zu haben. Im Saal 207 des Frankfurter Landgerichts - und damit in genau jenem Raum, in dem erst kürzlich das Urteil gegen einen Manschnower wegen sexuellen Missbrauchs seiner Töchter gesprochen worden war - wurden gestern weitere Zeugen gehört.

Es handelte sich dabei um drei Schwestern und ihren Vater aus dem Vierlindener Ortsteil Görlsdorf. Der Vater hatte den Fall ins Rollen gebracht: Im November 2010 erstattete er gegen Fritz O. Strafanzeige.

Der Fall habe für ihn "mit der Kleenen", der damals 10-jährigen Jasmin angefangen, berichtete Karl-Heinz B. gestern dem Gericht unter Vorsitz von Richter Frank Tscheslog. Die habe sich ihm anvertraut und erzählt: Der "Fritze" wolle immer mit ihr kuscheln. Wenn sie nicht mitmache, dürfe sie nicht mehr zu ihm kommen. Zuletzt habe er sie in den Stall gezogen, wo er ihr Hemd hochgeschoben und Bauch und Brust gestreichelt habe, erinnert sich der allein erziehende Vater im Zeugenstand.

Danach habe er seine beiden anderen Töchter - "einzeln", wie Karl-Heinz B. betont - befragt und erfahren: Auch diese habe der Angeklagte "begrapscht". Auf die Frage des Richters, warum sich die Mädchen ihm nicht offenbart hätten, erklärt der Vater: "Die Franziska hat sich das nur gefallen lassen, weil sie so an dem Pferd gehangen hat."

Das Pony Ringo spielte bei den Taten, wie sich im weiteren Verlauf der Verhandlung schnell zeigen sollte, offenbar eine Schlüsselrolle. Fritz O. hatte das Tier gekauft, als er von der Begeisterung der beiden älteren Schwestern für Pferde und das Reiten erfuhr. Er habe es ihnen geschenkt, berichtet die heute 17-jährige Antje B., die älteste der drei Schwestern, dem Gericht. Sie verzichtete, vom Richter vor die Möglichkeit gestellt, auf den Ausschluss der Öffentlichkeit während ihrer Zeugenaussage. Wohl nicht zuletzt wegen der in den Zuschauerreihen sitzenden Jugendlichen, die offenbar Freunde der Familie sind.

Nach ihren Erfahrungen mit dem Angeklagten befragt, berichtet die Schülerin: "Angefangen hat es, als ich etwa 12 war." Da habe Fritz O. regelmäßig, wenn sie bei ihm auf dem Hof am Rand von Platkow war, im Vorbeigehen versucht, ihr zwischen die Beine zu fassen oder habe ihr auf den Po geklatscht. Besonders in Erinnerung geblieben sind Antje B. zwei Übergriffe: Bei einer Autofahrt nach Letschin, wo Fritz O. ihr eine Reithose kaufen wollte, habe der Platkower auf einem Waldweg angehalten und sie aufgefordert, ihr T-Shirt hochzuschieben, er wolle "mal sehen, wie weit du schon bist". Nachdem sie das abgelehnt hatte, habe er im Auto, wo sie neben ihm saß, ihre bedeckte Brust angefasst.

Ein anderes Mal sei er, als sie allein auf dem Hof in Platkow waren, von hinten an sie heran getreten und habe sie an die Brust gefasst. Da verpasste sie ihm eine Backpfeife. Von ihrer Schwester Franziska wusste Antje B., dass der Angeklagte jener, als sie die Hunde fütterte, in die Hose gegriffen habe.

Auf die Frage von Richter Frank Tscheslog, warum sie nichts gesagt, nichts gegen die Übergriffe unternommen hätten, sagt Antje B.: "Weil wir unser Pony nicht verlieren wollten." Fritz B. habe gedroht, dass er das Pferd an die Hunde verfüttern werde, falls die Schwestern petzen. Letztlich sei die Liebe zu dem Pferde auch größer als die Sorge um die jüngste Schwester gewesen, räumte Antje B. - peinlich berührt - auf Nachfrage der beisitzenden Richterin Evelyne Hamm-Rieder ein. Denn weder sie noch Franziska B. hatten die erst 10-jährige Jasmin gewarnt oder ihr das Mitfahren auf den Hof des Platkowers untersagt. Dort hatten es der jüngsten Schwester vor allem die Hunde und Katzen angetan.

Die Frage, ob er nie Zweifel gehabt habe, musste sich auch Karl-Heinz B. gefallen lassen. Der räumte ein, "mal so was über Fritze gehört", dem Angeklagten aber letztlich vertraut zu haben, weil er ihn "gut kannte". Als Karl-Heinz B. den Angeklagten aus dem Zeugenstand auffordert, "den Mädchen die Aussage (zu) ersparen" und "alles (zu) sagen", schreitet der Richter ein, erklärt, Fritz O. verweigere das. Das Gericht entscheidet dann, die Öffentlichkeit zu den Zeugenaussagen der 12 und 14 Jahre jungen Schwestern auszuschließen. Zum Redaktionsschluss war noch kein Urteil gesprochen.

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