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Die Kolonie Groß Eichholz wurde zu Zeiten Friedrich II. für seine ausgedienten Soldaten angelegt

Häuser, die Geschichte atmen

Iris Stoff / 25.05.2012, 16:14 Uhr
Groß Eichholz (MOZ) Das ist schon eine kleine Sensation mitten in dem Jahr, in dem ganz Brandenburg anlässlich seines 300. Geburtstages an den Preußenkönig Friedrich II. erinnert: Jetzt wurden Dokumente öffentlich, aus denen hervorgeht, dass auch die Kolonie Groß Eichholz in der Ära des "Alten Fritz" entstanden ist.

Die Kolonie Groß Eichholz liegt versteckt und idyllisch im Wald, wenige Kilometer vom Dorf Groß Eichholz entfernt. In einem dieser Häuser ist der jetzige Beeskower Norbert Lenhardt aufgewachsen. Seine Eltern wohnen noch dort. Und er verfügt über einen einmaligen wertvollen Fundus an Dokumenten, in denen lückenlos die Besitzverhältnisse für Gebäude und Grundstück aufgelistet sind. Die älteste Urkunde stammt von 1786. Es ist eine Erbverschreibung für den Büdner und Soldaten Martin Grund durch die Königlich Preußische Domänenkammer. Das rote Siegel drauf ist zum Teil noch sehr gut erhalten. Die vier Seiten des Dokumentes sind mit schwarzer Tinte akkurat beschrieben. Das hat ein Schreiber des Domänenamtes getan und auch die Unterschrift von Martin Grund, die aus drei Kreuzen besteht, beglaubigt. Bei dem Besitz, den Martin Grund übereignet bekam, handelt es sich um ein "auf seine königlichen Kosten neu erbautes Büdnerhaus" mit Stube, Kammer, Küche und Stall sowie Acker, Garten, Feldgarten und Wiese, heißt es in einem weiteren Dokument mit dem Grundbuchauszug.

"Wir würden gern mehr über die geschichtlichen Zusammenhänge herausfinden", sagte Norbert Lenhardt, als er kürzlich mit seiner Mappe voller alter Dokumente zur MOZ kam. Unsere Redaktion hat daraufhin den Kontakt zum Storkower Stadthistoriker Erich Oehring hergestellt. Und der Hobby-Forscher, der ja immer wieder mit alten Urkunden in Berührung kommt, war schier aus dem Häuschen. "Das ist eine Sensation", schwärmte er. "Über die Kolonie Groß Eichholz waren mir bisher keine schriftlichen Zeitzeugnisse bekannt." Und Erich Oehring hat sich gerade mit der Zeit, in der diese Kolonie gegründet wurde, intensiv beschäftigt. Für das Buch "Storkow (Mark) - Einblicke in die Geschichte einer 800-jährigen Kleinstadt hat er zum Beispiel einen Beitrag geschrieben, in dem es um das Wirken des Amtmannes Carl Friedrich Bütow geht. Dieser hat in der weiteren Region um Storkow 17 Dörfer gegründet und Gewerbe angesiedelt. Im 30-jährigen Krieg und später im Siebenjährigen Krieg hatte es große Verluste gegeben, und die Wiederansiedlung von Menschen gehörte zur Politik des Preußischen Königs.

Interessant ist für Erich Oering die Tatsache, das die Fläche, wo die Kolonie Groß Eichholz entstand, unter den Fittichen des Königlich Preußischen Domänenkammer verblieben ist. "Das hing möglicherweise damit zusammen, dass gleich in der Nähe der Reitweg vom Schloss Königs Wusterhausen zum Schloss Kossenblatt verlief", sagt er. Auf jeden Fall sei die Gründung dieser Kolonie so etwas wie ein Resozialisierungsprogramm für invalide und ausgediente Soldaten gewesen. Es gab fünf Doppelhäuser mit zehn Wohnungen. In der Mitte der Doppelhäuser verlief jeweils ein Kamin, der beiden Parteien diente.

Daran kann sich Anna Lenhardt, die 88-jährige Mutter von Norbert Lenhardt noch erinnern. "Ich habe als kleines Mädchen noch diesen offenen Schornstein kennengelernt", erzählt sie. Später sei das Haus umgebaut worden, die andere Hälfte wurde dazu gekauft. Ihre Kindheit sei sehr schön gewesen, so Anna Lenhardt. "Hier gab es viele Kinder, bei uns war der Treffpunkt, meine Schwester war die Älteste." Diese und andere Geschichten interessieren den Heimatforscher Erich Oehring natürlich sehr. Er wird sich weiter mit der Geschichte der Kolonie Groß Eichholz beschäftigen.

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