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Arktis ohne Ozonloch

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Ina Matthes / 01.06.2012, 19:10 Uhr
Potsdam (ima) Das Ozonloch über der Arktis hat sich geschlossen. Das haben Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung jetzt festgestellt. Das heißt aber noch lange nicht, dass das Loch sich für immer in Luft aufgelöst hätte.

Im Frühjahr 2011 klaffte es riesig breit über der Arktis: das Ozonloch. Um 80 Prozent war die Ozonkonzentration gesunken - die Wissenschaftler stellten zum ersten Mal ein echtes Ozonloch über der Nordpolarregion fest. Zwar schwächelte die Ozonschicht seit den 90er Jahren auch über dem Nordpol, aber nie schwand sie so gewaltig wie im Winter und Frühjahr 2011.

In diesem arktischen Winter allerdings sah es über dem Nordpol ganz anders aus - es war kein Loch dort auszumachen. "Das Ausmaß der Ozonzerstörung war sehr moderat", erklärt Markus Rex, Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Potsdam (AWI). Im Januar stiegen die Temperaturen in 20 Kilometer Höhe innerhalb weniger Tage so stark an, dass sich die Ozonschicht kräftig erholte und kein Loch aufreißen konnte. "Das kommt alle paar Jahre mal vor", sagt Markus Rex. Die Konzentration dieses wichtigen Gases über der Arktis schwankt, je nach Wetterlage. Im nächsten Winter könnte es durchaus sein, dass es über der Arktis wieder ein enormes Leck gibt - so wie 2011.

Ozonlöcher entstehen sowohl über dem Nord- als auch dem Südpol, aber immer nur im Winter und Frühjahr.

Über der Antarktis ist das Ozonloch zu dieser Zeit stets zuverlässig da - denn dort ist es in der Regel kälter als in der Arktis. Kälte spielt eine wichtige Rolle beim Ausdünnen der Ozonschicht. Wenn die Luft in 15 bis 20 Kilometer Höhe unter minus 78 Grad Celsius abkühlt, wird es kritisch. Dann bilden sich Wolken aus Eiskristallen. Die Kristalle verwandeln das Chlor, das Menschen mit dem Treibmittel FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoff) aus Spraydosen massenhaft in die Luft geblasen haben, in eine aggressive Chemikalie. Sie zerstört Moleküle aus drei Sauerstoffatomen - das Ozon. Es schützt vor der gefährlichen UV-Strahlung der Sonne. Nimmt die Dichte dieses Gases in der Atmosphäre ab, steigt das Risiko für Hautkrebs.

Während der Ozonanteil über der Arktis in den vergangenen beiden Jahren stark schwankte, ist die Situation in der Antarktis seit langem stabil. "Die Ausdehnung des Ozonlochs dort ist in etwa gleich geblieben", meint Markus Rex.

Über der Arktis hingegen könnte es in den nächsten Wintern öfter zu größeren Löchern kommen. Das hat mit dem Klimawandel zu tun, erläutert Rex. Obwohl sich die globale Temperatur im Schnitt erhöht, werden die arktischen Winter tendenziell kälter. Damit steigt in den nächsten Jahrzehnten das Risiko für Ozonmangel.

Der Potsdamer Forscher blickt trotzdem optimistisch in die Zukunft. Denn letztlich ist für den Ozonabbau das FCKW entscheidend. Wenn es aus der Atmosphäre verschwindet, wird auch die gefährliche Ozonzerstörung gestoppt. Allerdings dauert es einige Jahre, bis diese Chemikalie abgebaut ist. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das FCKW ab der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts deutlich zurückgeht - vorausgesetzt, die Staaten halten sich an das Verbot dieses Treibmittels. In knapp hundert Jahren sollen mit den letzten Überresten des Spraydosengases auch die Ozonlöcher verschwinden. Für immer, nicht nur für eine Saison.

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