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Aus dem Spätzünder wurde ein Fachmann

© Foto: Winfried Mausolf
Hans Eberhard / 09.06.2012, 06:26 Uhr
Frankfurt (MOZ) Joachim Pietzsch gilt als Handball-Spätstarter, konnte aber dennoch zahlreiche Erfolge feiern. Am Sonnabend feiert der FHC-Juniorteam-Trainer und Assistent von Frauencoach Dietmar Schmidt seinen 65. Geburtstag.

Der im sächsischen Wachau geborene Pietzsch war in Radeberg ein vielseitiger Leichtathlet, ein Zehnkämpfer, und nebenbei spielte er auch noch als Basketballer. Die aber wurden, als der Abiturient und gelernte Agrotechniker zur Armee kam, in Strausberg nicht gesichtet, sondern eben Handballer. Der 20-jährige Soldat blieb im "Netz" hängen. "Freiwillig, ich fand Gefallen am neuen Sport", sagt er.

Und wurde einer der besten und erfolgreichsten DDR-Handballer: Zweimal holte Pietzsch mit dem Frankfurter ASK den Meistertitel, führte ihn als Kapitän 1975 zum Europapokal-Sieg der Landesmeister, wurde 1974 Vizeweltmeister. "Gruia" wurde er genannt wie der damalige rumänische Weltklassehandballer Georghe Gruia. "Der war auch ein wurfgewaltiger Linkshänder und hatte eine ähnlich hohe Stirn mit schütterem Haarkranz wie unser Joachim", erinnert sich Dietmar Schmidt (60).

Die ASK-Handballer, seit 1969 in Frankfurt zu Hause, hatten einen wesentlich besseren Kontakt zu den Fans als die Fußballer des FCV, die drei Jahre später den Oberliga-Ball in die Oderstadt brachten. "Ja, der Draht zu den Anhängern stimmte nicht nur auf dem Parkett mit dem hautnahen Publikumskontakt, wir identifizierten uns mit der Stadt", urteilt Pietzsch. "Fast zwei Jahre lang waren wir in der vom Gegner gefürchteten Kamieth-Hölle ungeschlagen. Als wir dann doch mal verloren, haben wir uns am nächsten Tag vor Scham nicht auf die Straße getraut", erzählt der diplomierte Sportlehrer.

Auch die Polizei muss die ASK-Handballer respektiert haben, wie sich Pietzsch erinnert. "Nach einer feucht-fröhlichen Feier marschierten wir aus Jux und Dallerei einmal im militärischen Stechschritt durch die Magistrale, ein VP-Wagen mit Blaulicht eskortierte uns sicher."

Selbst 30 Jahre nach den "goldenen 70ern" wurden die Gelb-Roten um Pietzsch, Schmidt, Hans Engel, Josef Rose, Trainer Hans Haberhauffe und Manfred Förster gefeiert: im Festumzug zur 750-Jahr-Feier der Stadt 2003. "Ein Erlebnis", wundert sich der ruhelose Rentner ("Stillsitzen ist nicht mein Ding") noch heute ein wenig.

Handball ist "in" in der Familie Pietzsch. Tochter Nikola (37) spielte beim ASK, FHC und in Leipzig, Sohn Alexander in Magdeburg, Dessau und Delitzsch. Und Ehefrau Birgit ist die Tochter des einstigen Eisenacher Handballers und Trainers Werner Aßmann. Der weilte 1973 zum Trainingslager in Frankfurt (Oder), hatte die Tochter mit. Im "Grünhof" feierte damals Dietmar Schmidt seinen Abschied vom Junggesellendasein. "Wer jetzt nicht tanzt, spendiert eine Kiste Sekt", hatte er spät gemahnt. Pietzsch wagte ein Tänzchen mit Birgit Aßmann - ein halbes Jahr später waren sie ein Paar. "Nichts da mit Flitterwochen", echauffiert sich heute noch der Ehemann. "Zwei Tage nach der Hochzeit musste ich schon zum Auswahl-Lehrgang nach Eisenach."

Sein Enkel Felix (5) ist übrigens Patenkind von Silvio Heinevetter. Der Auswahl- und "Füchse"-Torhüter und der 1,98 Meter lange Alexander Pietzsch kennen sich seit langem. Und den 65. Geburtstag von Vater und Opa Pietzsch feiert man am Sonnabend in großer Familie im Sächsischen. "Das ist so vereinbart", entschuldigt sich der "alte Herr" fast. "Zu meinem 60. waren alle hier. Und weil Sohn Alex wieder mit mir am selben Tag Geburtstag hat - er wird 35 -, muss ich diesmal reisen." Eine Frankfurt-Feier werde selbstverständlich nachgeholt. Vielleicht bei den traditionellen ASK-Treffs der alten Garde, die nach "Kontor" und "Komet" nun einmal monatlich im "Diebels" stattfinden.

Dietmar Schmidt schätzt Pietzsch sehr: "Ein absoluter Kumpel, ehrlich, kritisch, meist zurückhaltend in seiner Art, ein Handball-Fachmann durch und durch, ein guter Analytiker und ganz wichtiger Mann im Anschlussbereich der FHC-Frauen."

Das Juniorteam ist gerade in die Regionalliga aufgestiegen, wird nun in der 3. Liga weitaus stärker gefordert als in der Oberliga von Berlin und Brandenburg. "Und das ist gut so", urteilt Pietzsch. Er hat nach dem krankheitsbedingten Rückzug von Michael Quaas die Mädel im dritten Jahr unter seiner Obhut. "Vorige Saison hatte ich gerade mal neun, zehn Mädchen im Aufgebot, diesmal sind es 18. Fünf oder sechs Talente könnten bald den Anschluss zum Damen-Team schaffen, zumindest von den körperlichen Voraussetzungen her."

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