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Roger Melis ist tot

Ein Selbstportrõt des Fotografen Roger Melis aus dem Jahr 1997. Foto: dpa
Ein Selbstportrõt des Fotografen Roger Melis aus dem Jahr 1997. Foto: dpa © Foto:
11.09.2009, 13:01 Uhr
Berlin E r porträtierte Heiner Müller, Sarah Kirsch, Anna Seghers und Wolf Biermann: Der Fotograf Roger Melis ist tot. Er starb am Freitag im Alter von 68 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in seiner Heimatstadt Berlin, teilte der Lehmstedt Verlag in Leipzig mit. Bekannt wurde er vor allem mit Reportagefotografien aus Ostdeutschland. Melis' Band "Paris zu Fuß" war eines der erfolgreichsten Fotobücher der DDR. In Aachen öffnet im Herbst eine Retrospektive.

Die "Zeit" nannte Melis einmal den "Meister des ostdeutschen Fotorealismus". Er wuchs im Haus seines Stiefvaters, des Dichters Peter Huchel, auf. Nach seiner Ausbildung war er zunächst wissenschaftlicher Fotograf an der Berliner Charité, bevor er von 1968 an frei arbeitete für Medien wie die "Sibylle", "Geo", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Wochenpost". Melis hielt Leben und Alltag in der DDR fest und reiste dafür quer durch die Lande. Seine Bilder "zeugen von der Skepsis und Resignation der Ostdeutschen, aber auch von ihrem Stolz, ihrem Widerspruchsgeist und ihren Sehnsüchten", schreibt sein Verleger Mark Lehmstedt.

Melis prägt zudem bis heute, wie Gesichter aus Kunst und Literatur wahrgenommen werden: Klassiker der Porträtfotografie sind seine Aufnahmen von Liedermacher Wolf Biermann als "preußischer Ikarus" auf der Weidendammer Brücke in Berlin und von Lyrikerin Sarah Kirsch, die vor ihrer Ausreise in den Westen auf gepackten Umzugskisten sitzt.

Viele von Melis Bildern, die er für DDR-Magazine aufnahm, wurden nicht veröffentlicht und als "Müllkastenfotografie" geschmäht. Wegen eines gemeinsamen "Geo"-Beitrags mit Erich Loest durfte er von 1981 an nicht mehr für die DDR-Presse arbeiten. Er konzentrierte sich auf Bücher und Ausstellungen. Nach dem Mauerfall wandte sich Melis wieder der Reportage- und Porträtfotografie zu und war bis 2006 Lehrer für Fotografie im Berliner Lette-Verein.

Melis beschrieb sein Schaffen so: "Meine wichtigste Aufgabe habe ich immer darin gesehen, eindringliche Bilder von Menschen zu schaffen, möglichst in ihrem natürlichen Lebens- und Arbeitsumfeld, und ihnen dabei nicht die Seele zu rauben, sondern mich ihnen behutsam zu nähern mit der ­ ich wähle bewusst das antiquierte Wort ­ Ehrfurcht vor dem Individuum."

2010 wird ein Bildband "Am Rande der Zeit" mit seinen Aufnahmen aus einem Dorf in der Uckermark erscheinen. Die Retrospektive im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen läuft vom 14. November bis zum 7. Februar.

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