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Literarisches Picknick in Biesenbrow bezaubert mit Liebesgedicht und Großvatergeschichte

Lyrik auf dem Bahndamm

Lydia Reimann / 02.07.2012, 08:01 Uhr - Aktualisiert 04.07.2012, 06:10
Biesenbrow (MOZ) Der Ort für das diesjährige literarische Picknick wurde bis zuletzt geheim gehalten. Die Spannung war groß und die Gäste wurden belohnt. Nach dem Rundgang durch Biesenbrow mit Eckhard Kolle, ging es vorbei an mit Zeitungsseiten verzierten Bäumen schnurstracks zum Ziel.

Der ehemalige Biesenbrower Bahndamm war mit Bänken und Tischen versehen. Es erklang Gitarrenmusik vom Schwedter Musikschüler René Döpke. So fühlte man sich inmitten der idyllischen Bruchlandschaft und dank der herrlichen Sonnenstrahlen in bester Stimmung, um den literarischen Werken zu lauschen. Viele Gäste hatten Körbe mit Kaffee, Tee und Kuchen mitgebracht, wie es für ein Picknick üblich ist. Das Besondere aber waren die mitgebrachten Texte, die von den Gästen vorgetragen wurden.

Die Uckermärkische Literaturgesellschaft und der Landkulturverein Biesenbrow hatten das Treffen bestens vorbereitet. Über 30 Gäste waren gekommen, darunter gleich mehrere aus Berlin.Andere kamen aus Angermünde, Stolpe, Gramzow, Strasburg und Prenzlau. Neben Ernstem und Nachdenklichem gab es auch Lustiges, Beflügelndes und sogar ein Liebesgedicht zu hören.

Horst Wolf aus Angermünde hatte eine Großvatergeschichte zum 50. Geburtstag von Pittiplatsch geschrieben. Der Stolper Künstler Karl Krüger hatte sein Gedicht "Ein schöner Sommertag" mitgebracht. Ilse Fischer aus Gramzow las aus ihrem Buch "Go West: Schritt für Schritt und kein Galopp". Dieses basiert auf Tagebucheinträgen, die sie während ihres Fußmarsches mit Pferd und Hund von den Masuren bis in die Uckermark verfasst hat.

Besonders gefühlvoll trug die Angermünderin Gerlind Mittelstädt ihr Gedicht "Du und ich" vor. Dieses hatte sie zur Hochzeit ihrer Tochter Katharina geschrieben. "Ich habe versucht mich in meine Tochter hineinzuversetzen. Sie ist ein ganz besonderer Mensch und das habe ich versucht nachzuempfinden", so die Verfasserin. Katharina hatte zwar ohne das Wissen ihrer Mutter geheiratet, bekam von dieser trotzdem im Nachhinein dieses ausdrucksstarke Gedicht in ein Rezeptbuch geschrieben, sozusagen als Rezept fürs Leben. Es wurde bisher weder veröffentlicht noch vorgetragen.

Diese Premiere beim literarischen Picknick beeindruckte viele Gäste. Gerlind Mittelstädt schreibt seit sie denken kann Gedichte und ist Mitglied der Uckermärkischen Literaturgesellschaft. Beim Treffen mit Gleichgesinnten in Angermünde einmal im Monat tauscht sie sich aus, einige ihrer Gedichte wurden bereits in Anthologien publiziert.

Angesichts des gelungenen literarischen Treffens in Biesenbrow, freut man sich auf die nächste Zusammenkunft 2013, bei dem das Wetter jedoch kaum übertroffen werden kann. Vielleicht hat sich die Veranstaltung dann aber noch mehr herumgesprochen.

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Dr. Rudolf Steck 02.07.2012 - 22:12:42

Die Literaten sind unter uns, sie wohnen gleich um die Ecke

Dichtung der Gegenwart aus Nachbars Garten, dargeboten unter Zugabe selbstgebackenen Kuchens von den Produzenten der Poesie selbst, ist etwas, das man weniger erwartet in dünn besiedelten Landstrichen wie der Uckermark. Zum einen, weil der Kulturbetrieb mit seinen Verlagen meist in den Ballungszentren sitzt, und zum anderen, weil meist oft ein Katalysator fehlt, welcher die in der weiten Fläche verstreuten Begabungen und Interessen zusammenführt. Die Uckermärkische Literaturgesellschaft zeigt, dass es in der Region nicht nur literarisches Talent gibt, sondern der Vortrag in der Runde einen munteren Wettbewerb hervorbringt, von dem die Autoren ebenso wie die Zuhörer, zu denen ich gehörte, profitieren. Mit der Überschriftszeile "Lyrik auf dem Bahndamm" hat die Reporterin der MOZ ein schönes Beispiel journalistischer Formulierungskunst gegeben, welches die unerwartete Verbindung von Ort und Thema dieses Treffens auch für diejenigen anschaulich macht, die nicht daran teilnehmen konnten.

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