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Abrissarbeiten auf dem ehemaligen Betriebsgelände an der Friedrich-Engels-Straße voll im Gange

Braukunst endgültig Geschichte

Reste des einstigen Verwaltungsgebäudes: Seit einer Woche frisst sich der Abrissbagger durch das Gelände der ehemaligen Brauerei. Der Bereich entlang der Friedrich-Engels-Straße hat jetzt während der Schulferien Vorrang.
Reste des einstigen Verwaltungsgebäudes: Seit einer Woche frisst sich der Abrissbagger durch das Gelände der ehemaligen Brauerei. Der Bereich entlang der Friedrich-Engels-Straße hat jetzt während der Schulferien Vorrang. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Monika Schmidt / 11.07.2012, 10:02 Uhr
Eberswalde (MOZ) Der Entwurf zu den Bauplänen auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei liegen jetzt öffentlich aus. Der Beschluss der Stadtverordneten war einstimmig ausgefallen. Gleichzeitig arbeitet der Investor an seinem Bauantrag, der bis spätestens August im Rathaus vorliegen soll.

Die Geschichte der alten Brauerei reicht in das Jahr 1868 zurück. Das gute Quellwasser, das in der Stadt reichlich vorhanden war, machte den Eberswalder Gerstensaft schnell über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Eigentümer und Namen wechselten mehrfach. "Fuhrmatz" und "Eberpils" aber blieben die beiden bekanntesten Namen der Eberswalder Braukunst, die nach dem zweiten Weltkrieg einen wahren Höhenflug erlebte. So jedenfalls berichten es die Geschichtsschreiber. Doch schon in den 1980er Jahren begann der Putz der mittlerweile staatlichen Brauerei zu bröckeln. Die Wasserqualität ließ nach und die Gebäude strömten einen üblen Geruch aus.

Mit der Wende ging die Brauerei wieder in Privathand. Doch schon 1993 kam das endgültige Aus für den Betrieb an der Eisenbahnstraße. Was folgte war eine langjährige Auseinandersetzung zwischen Stadt und Eigentümern, unter anderem um die Sicherungspflichten und Straßenreinigung. Zur Begleichung ihrer Ansprüche beantragte die Stadt im Oktober 2010 beim Amtsgericht schließlich die Zwangsversteigerung. "Das Zwangsversteigerungsverfahren sah die Stadt als einzige Chance, einen Eigentümerwechsel zu erwirken", heißt es in der Begründung. Mit dem Beschluss der Stadtverordneten wurde im Februar 2011 das Bebauungsplanaufstellungsverfahren eingeleitet. "Neubau SB-Verbrauchermarkt" war das Vorhaben überschrieben, für das sich die Verwaltung einen Projektentwickler ins Boot holte.

Den Durchbruch erzielte die Stadt im Juli vergangenen Jahres. Nach vielen intensiven Feinabstimmungen mit der Denkmalbehörde und dem Projektentwickler konnte schließlich Einvernehmlichkeit erzielt werden, welche Denkmalteile abgerissen werden dürfen und welche Bereiche erhalten und in den Neubau des SB-Verbrauchermarktes integriert werden müssen. Die Denkmalbehörde des Landes hatte das Ensemble "Brauerei mit Malztenne (teilweise), Darre, Sudhaus, Maschinen- und Kesselhaus einschließlich Schornstein, Brauerei-Kelleranlage sowie Bierausschank, Pförtnerhaus und Reste von Kopfsteinpflasterung" bereits im Sommer 2010 unter Schutz gestellt. Ebenfalls im Juli vergangenen Jahres stellte sich Wilhelm Schomaker als Käufer des Brauereigeländes vor. Der Dörpener Bauunternehmer trat als neuer Eigentümer ohne nennenswerte Zeitverluste in den bis dahin erzielten Planungs- und Abstimmungsstand mit den Behörden ein. Damit musste an den städtebaulichen Rahmenbedingungen für das Vorhaben auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei nichts geändert werden. Auch Wilhelm Schomaker will das Areal zu einem Einkaufszentrum entwickeln.

Mit Architekt Erhard Soyk hat er einen Fachmann gefunden, der das denkmalgeschützte Ensemble in den Neubau integriert. So sieht sein Entwurf die Eingliederung des Sudhauses und des imposanten Schornsteins in den Marktneubau vor. Dieser Teil könnte später als kleines Bistro genutzt werden. Möglich wäre auch eine kleinteilige Handelseinrichtung. Mit den künftigen Betreibern des großen Einkaufsmarktes Rewe und Edeka wird noch verhandelt.

Dafür sind die Abrissarbeiten auf dem Brauereigelände mittlerweile im vollen Gange. Vorrang während der Sommerferien haben die alten Gebäude entlang der Friedrich-Engels-Straße. Mit den Arbeiten beauftragt ist ein Unternehmen aus Görlitz. "Wir sind mit acht Leuten vor Ort. Das Abrissmaterial wird noch auf dem Gelände gebrochen und soll bei Eignung in den Kellerbereich eingearbeitet werden", sagt Geschäftsführer Klaus-Peter Schulz. Zwölf Gebäude sind es, die in den nächsten Wochen auf der rund 7000 Quadratmeter großen Grundstücksfläche weichen müssen. Mit den ersten Baumaßnahmen für das neue Einkaufszentrum ist Anfang nächsten Jahres zu rechnen.

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