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Aussichtsturm wird 50 Jahre alt

Woltersdorfer Wahrzeichen hat Geburtstag

Imposant: Der Aussichtsturm in den Kranichsbergen wird morgen 50 Jahre alt.
Imposant: Der Aussichtsturm in den Kranichsbergen wird morgen 50 Jahre alt. © Foto: MOZ/eggers
Joachim Eggers / 12.07.2012, 20:29 Uhr
Woltersdorf (MOZ) Am Sonnabend ist 50. Geburtstag: Am 14. Juli 1962 wurde der Aussichtsturm in den Kranichsbergen von der damaligen Bürgermeisterin Charlotte Matzdorf eingeweiht. Gebaut wurde er einst unter nahezu abenteuerlichen Umständen. Gefeiert wird der Geburtstag indes erst im August.

Wer den etwa 15-minütigen Fußweg von der Liebesquelle oder der Maiwiese auf sich nimmt und dann im Turm die 25 Höhenmeter erklimmt, hat einen Blick über die Wälder und Seen der Region, je nach Wetter bis weit nach Berlin hinein. 12 287 Besucher wollten sich diesen Blick im vorigen Jahr nicht entgehen lassen - oder die heimatkundliche Ausstellung zur Geschichte Woltersdorfs als Drehort der Filmindustrie in den 20er- und 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Barbara Schmidt vom Verschönerungsverein, der den Turm für die Gemeinde betreibt, führt diese Statistik. Drei Ehrenamtliche des Vereins sind es auch, die tagein, tagaus von 9.30 bis 15.30 Uhr die Besucher einlassen, von ihnen Eintritt kassieren und bei Bedarf Getränke verkaufen.

Das Bauwerk, das morgen Geburtstag hat, ist der zweite Aussichtsturm in den Kranichsbergen. Der erste, vom Verschönerungsverein erbaut, wurde 1886 eingeweiht; er war nur 18 Meter hoch. Bis 1945 war er schon einmal der Stolz der Woltersdorfer - doch am 20. April wurde er von Angehörigen des Volkssturms in Brand gesteckt und zerstört.

Als es dann 1961/62 an den Neubau eines Turms ging, hatten die Initiatoren zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden. Gisela Schuldt, die heutige Vorsitzende des Verschönerungsvereins, arbeitete damals bei der Gemeinde und erinnert sich noch genau an jene Zeit.

Ausgeführt hat den Bau Zimmermeister Willi Hildebrandt, dessen Sohn Reinhard heute noch für die FDP in der Gemeindevertretung sitzt. Reinhard Hildebrandt hat mit seiner Baufirma schon zahlreiche Ausbesserungs-Aufträge an dem Turm erledigt. Sehr zum Leidwesen des Vereins aber nicht den jüngsten, bei dem es Reklamationen gab. Inzwischen wurde nachgearbeitet, aber auch das stellt Gisela Schuldt nicht zufrieden.

Dabei geht es um den Anstrich des Holzes, aus dem der Aussichtsturm wesentlich gebaut ist. Diese Bauweise sollte eigentlich gar nicht erlaubt werden, erinnert sich Gisela Schuldt, weil der Müggelturm gerade abgebrannt war. Die Woltersdorfer behalfen sich mit einem Kniff: Das Vorhaben wurde als kombinierter Brandwacht- und Aussichtsturm deklariert - so gab es eine Genehmigung. Auch das Material war natürlich knapp. Die Woltersdorfer handelten Sonderkontingente für das Holz beim Hangelsberger Forstbetrieb heraus. Allerdings hatten sie beim Bauen die Rechnung ohne die Rote Armee gemacht: "Den Soldaten gefiel das aufgestapelte Holz so gut, dass sie sich für ihre Richtfunk-Station gegenüber daraus Bänke und Tische bauten", erinnert sich Gisela Schuldt. Sie fuhr mit Willi Hildebrandt zum sowjetischen Kommandanten nach Fürstenwalde. "Wir durften ja nicht sagen, dass das Holz gestohlen worden war. Wir wurden dort so behandelt, dass wir hinterher nicht mehr wussten, wer etwas weggenommen hat." Am Ende bekamen sie aber wieder ein Holz-Sonderkontingent, und so wurde der Turm fertig.

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