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Großer Deal ohne kleinen Fischer

Ruhiges Idyll - aber der Bauersee soll den Eigentümer wechseln, und das bringt Ungemach.
Ruhiges Idyll - aber der Bauersee soll den Eigentümer wechseln, und das bringt Ungemach. © Foto: MOZ/eggers
Joachim Eggers / 13.07.2012, 19:59 Uhr
Woltersdorf (MOZ) "80 Seen wieder in Brandenburger Hand" schreibt der Landtags-Abgeordnete Peer Jürgens (Die Linke) triumphierend über eine Pressemitteilung zum Kauf von Seen durch das Land. Doch im Fall des Woltersdorfer Bauersees gibt es da auch noch einen interessierten Pächter.

"Ach so? Ich wollte den See eigentlich selber kaufen." Thomas Ziesche, Fischerei-Pächter des Woltersdorfer Bauersees, fiel aus allen Wolken, als er von der MOZ erfuhr, dass der See zu denen gehört, die das Land vom Bund erwerben will. Ziesche, Betreiber des Schöneicher Fischrestaurants Dorfaue, reklamiert: "Ich habe ein Vorkaufsrecht." Man sei in den Gesprächen sogar schon einmal so weit gewesen, dass ein Preis festgestanden habe. Was jetzt aus Ziesches Vorkaufsrecht wird, konnte am Freitag weder Peer Jürgens sagen noch die Sprecherin der Bodenverwertungs- und verwaltungsgesellschaft des Bundes (BVVG), Constanze Fiedler. Beide wiesen unisono darauf hin, dass der Verkauf noch nicht in Sack und Tüten sei. Jürgens sagte zu, sich um den Fall zu kümmern. Seines Wissens gebe es in Brandenburg eine Arbeitsgruppe aus Agrar-, Finanz- und Umweltministerium, die die Einzelfälle prüfe.

Wirtschaftlich, sagt Pächter Ziesche, sei der kleine See mit 24 Hektar Fläche eigentlich uninteressant. "Da kann man vielleicht ein paar Karpfen einsetzen und wieder rausziehen, und gelegentlich einen Hecht." Vom Verkauf von Angelkarten könne man ohnehin nicht leben - der See ist rundherum von Privatgrundstücken umgeben, öffentlich bisher gar nicht zugänglich.

Ziesche sieht sich jetzt einer übermächtigen Bürokratie gegenüber: "Wenn die mein Vorkaufsrecht übergehen, muss ich doch klagen. Dann sitze ich wieder einer Horde von Beamten gegenüber, die sagen: ,Wir haben doch die Gesetze nicht gemacht.' Das schaffe ich doch gar nicht."

Der Gemeinde ist es nach den Worten von Bauamtsleiter Dietrich Joecks eigentlich egal, ob sie mit dem Bund oder dem Land als Partner zu tun hat. Berührungspunkte wird es insofern demnächst geben, als die Gemeinde eine öffentliche Zuwegung schaffen will, in Verlängerung der Seestraße. Das Grundstück gehört der Gemeinde. Vorgesehen sind laut Joecks eine Sitzplattform mit einem kleinen Erlebnisbereich und einem Holzpfad. Joecks sagte, voraussichtlich werde im zweiten Halbjahr die Planung erarbeitet; die Realisierung werde "nicht vor 2013" kommen. Das Vorhaben gehört zu den letzten größeren Projekten im Rahmen der städtebaulichen Sanierung in Woltersdorf.

Im Landkreis Oder-Spree geht es bei dem Seen-Rückkauf auch noch um den Heinersdorfer See und um den Deisener See, der am Rand des Schlaubetals liegt.

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