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Externer Dienstleister übernimmt Arbeit

Helios-Klinikum kündigt Logopäden

Kai-Uwe Krakau / 17.07.2012, 07:17 Uhr
Berlin-Buch (MOZ) Das Helios-Klinikum Berlin-Buch hat den sechs Mitarbeiterinnen der sprachtherapeutischen Abteilung gekündigt. Die Arbeit übernimmt ein externer Dienstleister. Die Belegschaft ist verunsichert.

Seit der Privatisierung des Städtischen Klinikums Berlin-Buch im Jahr 2001 haben dort hunderte Mitarbeiter ihren Job verloren. Zahlreiche Bereiche wie EDV, Logistik, Catering oder die Zentralsterilisation wurden ausgelagert. Nun trifft es erstmals eine medizinische Abteilung.

"Zwischen zwei Patientenbehandlungen wurden uns die Kündigungen übergeben", sagt eine betroffene Logopädin. Hinweise habe es zuvor nicht gegeben. Die sechs Mitarbeiterinnen werden in allen Bereichen des Klinikums eingesetzt - von der Neonatologie über die Kinder- und Jugendpsychiatrie bis zur Schlaganfall-Abteilung. "Gerade das ständig anwesende Therapeutenteam macht die Betreuung, von der Diagnostik bis zur Therapie, so wertvoll", so die Noch-Helios-Beschäftigte. Die Logopädinnen behandeln neuropsychologische Störungen, sprachentwicklungsgestörte Kinder, aber auch Autisten, Demenzkranke und Tumorpatienten - und das an Wochenenden und Feiertagen. Die Arbeitsmarktchancen bewertet die Logopädin indes als schwierig. "Bei dieser hohen Spezialisierung ist es schwierig, eine Nische zu finden".

Das Helios-Klinikum bestätigt, dass man sich entschlossen habe, "den Bereich Logopädie (bislang sechs Mitarbeiter) in unserem Klinikum neu aufzustellen". Ab dem 1. Oktober werde man mit einem externen Dienstleister zusammenarbeiten, so Pressesprecherin Natalie Erdmann in einer schriftlichen Erklärung. Ein entsprechender Vertrag sei bereits abgeschlossen worden. Man verspreche sich von dieser Entscheidung "eine höhere Flexibilität je nach tatsächlichem Bedarf der Patienten und eine Kostenersparnis".

Auf Unterstützung beim Helios-Betriebsrat können die entlassenen sechs Frauen unterdessen wohl eher nicht rechnen. Die stellvertretende Vorsitzende wollte jedenfalls Fragen zum Thema nicht beantworten - und legte einfach den Telefonhörer auf. Auch die Möglichkeiten der Dienstleistungsgesellschaft Ver.di scheinen eher begrenzt. "Wir können lediglich beim Rechtsbeistand helfen", sagt die zuständige Berliner Gewerkschaftssekretärin, Sylvi Krisch. Sie berichtet aber auch von einer Unterschriftenaktion, mit der sich rund 600 Mitarbeiter mit den gekündigten Kolleginnen solidarisiert haben. "Sie forderten die Rücknahme der Kündigungen, leider ohne Erfolg", so Krisch. Die betroffenen Mitarbeiter hätten inzwischen das Angebot erhalten, sich bei dem Dienstleister, der Promedis24 GmbH, zu bewerben. Allerdings würden sie künftig in keiner Helios-Klinik eingesetzt, so die Gewerkschaftssekretärin. Nach ihren Angaben will Helios durch die Kündigungen jährlich 100 000 Euro einsparen.

Krisch spricht auch von einer zunehmenden Tendenz zur Ausgliederung im deutschen Gesundheitswesen. "Das ist eine kranke Entwicklung", so die Gewerkschaftssekretärin. Da es sich bei Helios um einen Marktführer handelt, sei dies umso bedenklicher. Nach der Schließung der Logopädie, könnten weitere Bereiche folgen. Naheliegend seien beispielsweise die Physio- oder Ergotherapie. "Die Angst geht natürlich um", so Krisch.

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