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Lenin landet in Burg

Lenin strandet in Burg (Spreewald): Ihre vorerst letzte Ruhestätte fand eine rund vier Tonnen schwere Leninbüste als Dauerleihgabe vor dem DDR-Museum in der Spreewaldgemeinde Burg. Die Bronzefigur stand einst vor dem berühmten russischen Messepavillon (19
Lenin strandet in Burg (Spreewald): Ihre vorerst letzte Ruhestätte fand eine rund vier Tonnen schwere Leninbüste als Dauerleihgabe vor dem DDR-Museum in der Spreewaldgemeinde Burg. Die Bronzefigur stand einst vor dem berühmten russischen Messepavillon (19 © Foto: Michael Helbig
Harriet Stürmer / 18.07.2012, 19:50 Uhr
Burg (MOZ) Mehr als 10 000 Sammelstücke beherbergt das DDR-Museum im Spreewaldkurort Burg (Spree-Neiße). Am Mittwoch ist eine besondere Attraktion hinzugekommen: eines der bekanntesten Lenin-Denkmale der DDR. Einst stand die riesige Büste vor dem berühmten Sowjetischen Pavillon der Alten Messe in Leipzig.

Schweres Gerät und Augenmaß sind nötig, um die Bronzebüste des kommunistischen Revolutionsführers Wladimir Iljitsch Lenin (1870 bis 1924) unbeschadet von der Ladefläche des Lkw zu bekommen und dabei nirgends anzuecken. Immerhin misst das Denkmal drei Meter in der Höhe und zwei Meter in der Breite - auf die Waage bringt es stolze fünf Tonnen. Und so haben Anja und Ronny Urban, die seit 2008 das DDR-Museum im Spreewald-ort Burg betreiben, extra einen Autodrehkran geordert. Die Maschine hebt das auf einen Stahlsockel geschraubte Monument problemlos an und stellt es ein paar Dutzend Meter weiter wieder auf dem Boden ab. Ein Bagger bringt die Lenin-Plastik schließlich in die große Fahrzeughalle des Museums. Dort findet der riesige Kopf zwischen 60 Fahrzeugen aus der DDR-Zeit seine vorerst letzte Ruhe.

Das Lenin-Denkmal ist eine Leihgabe auf unbestimmte Zeit, sagt Museumsleiterin Anja Urban. Der Eigentümer will ungenannt bleiben. Bekannt ist aber, dass er selbst leidenschaftlicher Sammler ist und die Bronzebüste eines Moskauer Bildhauers 1993 von der Russischen Föderation geschenkt bekommen hat. Bald danach ließ er sie in Leipzig abmontieren und in seinem eigenen Vorgarten in Thüringen wieder aufstellen. Bis dahin stand das Denkmal ab 1950 auf dem Gelände der Alten Messe in Leipzig und schmückte sozusagen als Visitenkarte den Sowjetpavillon.

Nach zehn Jahren hatte Leipzig seinen Lenin wieder - allerdings nur für kurze Zeit. Denn lediglich zur Filmpremiere des Streifens "Good Bye, Lenin!" wurde die Büste vor einem Leipziger Kino platziert.

Bevor ihr Besitzer das gute Stück nun passenderweise dem Burger DDR-Museum überlassen hat, war die Statue sechs Jahre lang der besondere Hingucker am Haupteingang zur russischen Diskothek "Kalinka" in München, die mittlerweile geschlossen wurde. Diesem Umstand und der Bekanntschaft zum Besitzer verdanken es die Urbans, dass sie ab sofort eine Lenin-Statue zu ihrem Museumsinventar zählen dürfen.

"Bei uns wird er es guthaben", versichert Anja Urban. Auch das große Loch, das noch im Oberteil des Kopfes klafft, soll bald verschwunden sein, meint ihr Mann Ronny. Vorerst habe es offen bleiben müssen, weil man die Transportbänder nur im Innern des Kopfes habe befestigen können. Die Bronzeplatte zum Stopfen werde nachgeliefert.

Neben der neusten Attraktion beherbergt das Burger DDR-Museum unter anderem ein altes Klassenzimmer und eine Original-Zellentür aus dem früheren Gefängnis in Cottbus - ein Geschenk von Gunther von Hagens. Der umstrittene Leichenpräparator hatte Ende der 1960er-Jahre in dem Zuchthaus als politischer Häftling eingesessen und vor einigen Jahren mehrere Gefängnistüren gekauft.

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