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Schloss Trebnitz lud am Freitag gleich zu mehren Anlässen / Publikumspreis an polnischen Professor verliehen / Künstler mit spontaner Kletter-Aktion

Offene Türen, schweres Gepäck und ein nackter Mann im Baum

Marco Marschall / 06.08.2012, 07:45 Uhr
Trebnitz (MOZ) Niemand hatte ihn zunächst bemerkt. Doch als sich Darius Müller, Leiter des Begegnungszentrums Schloss Trebnitz, und Landrat Gernot Schmidt gerade einen Schlagabtausch zu Kunst und Kultur lieferten, hatte er sich entkleidet und war bis in den Wipfel des Baumes am Schloss geklettert. Was der junge Künstler Szymon Wojtyla damit bezwecken wollte, darüber kann nur spekuliert werden. Die Aufmerksamkeit der Besucher der Vernissage am Freitagabend war ihm gewiss. Die Chancen mit seinem Kunstwerk, eine zum Karussell umfunktionierte Bahnschranke, den Publikumspreis in Höhe von 1000Euro einzuheimsen, erhöhten sich dadurch nicht.

Den konnte sich letztlich Janusz Kucharski sichern, seines Zeichens Professor an der Kunsthochschule in Breslau und damit der einzige alte Hase unter den ansonsten jungen Künstlern. Er hatte unter dem Titel "Unterwegs" Koffer in den drei geometrischen Formen Kreis, Quadrat und Dreieck aus Metall gefertigt. Die Formen stehen in dieser Reihenfolge für den Himmel, die Erde und den Menschen. Damit muss er den Nerv des Publikums bzw. das Thema der Ausstellung "Reisen in Raum und Zeit" wohl am besten getroffen haben. "Die Künstler lagen in der Abstimmung aber alle sehr dicht beieinander", sagte Darius Müller später. In seiner Rede hob er alle Arbeiten hervor, die nun zum größten Teil im Außenbereich hinter dem Schloss zu sehen sind. Das gilt vor allem für die Arbeiten aus den Bereichen Bildhauerei, Design und konzeptionelle Kunst, wie die Bahnschranke des nackten Mannes. Insgesamt sind im und außerhalb des Schlosses Werke von acht internationalen Künstlern ausgestellt. Die Teilnehmer wurden von einer Fachjury aus 80 Bewerbern ausgewählt.

Im Innenbereich können Fotografien sowie eine Ausstellung zur Historie der Ostbahn bewundert werden, die unmittelbar mit dem Thema Reisen verknüpft ist. Das Thema des nächsten Pleinair solle dann "Stundentakt" lauten, sagte Darius Müller in Anspielung auf den Wunsch, dass die Bahn künftig häufiger in Trebnitz hält.

Neben Landrat Gernot Schmidt, der in seiner Rede Trebnitz Bedeutung als Brücke in den Osten hervorhob, sprach auch Damian Jarzablek, erster Sekretär der polnischen Botschaft, zur Eröffnung. Er stellte die universelle Sprache der Kunst heraus.

Diese konnte bereits ab 14 Uhr im Schloss bewundert werden. Die Einrichtung hatte Kinder und Familien zu einem Tag der offenen Tür eingeladen.

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