Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Unter den 170 Sportlern des SC Frankfurt sind auch talentierte Hochspringer

Abheben - so hoch wie nur möglich

Jörg Kotterba / 14.08.2012, 06:55 Uhr
Frankfurt (MOZ) Hochsprung-Weltmeisterin Anna Tschitscherowa holte für Russland in London olympisches Gold. Mit 2,05 Meter erzielte sie eine Jahres-Weltbestleistung. Die Deutsche Ariane Friedrich scheiterte mit 1,93 Meter bereits in der Qualifikation.

2,05 Meter. "Unglaublich", schwärmt Isabell Krüger. Die Elfjährige - immerhin schon 160 Zentimeter groß - gehört der Leichtathletik-Hochburg SC Frankfurt an, trainiert dort Hürdenlauf und Hochsprung. Mit Blick auf die Stadtboten-Serie, die den Titel "oben und unten" trägt, sagt sie schmunzelnd: "Natürlich passt der Hochsprung da gut rein. Obwohl ich Frankfurt ,von oben' bisher nur mit einer Bestleistung von 1,21 Meter sah. Und dann nur für Sekunden. Je schneller uns der Absprung gelingt, desto größer ist die Chance, sie auch zu überfliegen."

Mit der Latte, die mal Holz, mal aus Aluminium sein kann, hat die hübsche Flop-Springerin schon unangenehme, ja schmerzhafte Bekanntschaft machen müssen. "Ich bin da mal richtig draufgeknallt. Voll mit dem Rücken. Das tat weh." Auch vor den Hürden habe sie früher großen, vielleicht zu großen Respekt gehabt. Jetzt ist sie bereits das zweite Jahr beim SC. "Die Angst ist längst verflogen."

Um auf die Stadtboten-Serie zurückzukommen: Hochsprung ist wahrlich eine olympische Disziplin, bei der man als Sportler "abheben" kann, ohne arrogant zu wirken. Rosemarie Ackermann, die beim ISTAF in Berlin am 26. August 1977 als erste Frau der Welt die Zwei-Meter-Marke überwand, sagte einmal: "Dieses Gefühl, vom Erdboden zu fliegen, ist unvergleichlich. Natürlich hast du keinen Blick fürs Umfeld, siehst nur die Latte, die du überqueren musst."

Auf 1,56 Meter im Hochsprung hat es schon Josefine Sperling gebracht. "Aber das ist Jahre her. Da war ich Zwölf oder Dreizehn und wurde Zweite der Landesmeisterschaften." Inzwischen studiert die jetzt 20-Jährige Biologie und Sport in Potsdam. Doch Frankfurt und "ihrem" SC hält sie die Treue, absolviert derzeit ein Praktikum im Verein.

Mit dem SC Frankfurt verbandelt ist auch Clara Bechly, die heute 18 wird. Die Gauß-Schülerin hat ihr Abi in der Tasche. Und nimmt sich jetzt die Zeit, Isabell Krüger und all die anderen Talente als Übungsleiterin zu trainieren. Clara ist seit vier Jahren Helferin und Übungsleiterin bei den Bambinis - wie die ganz kleinen Leichtathleten genannt werden.

Clara Bechly ist eine glückliche junge Frau. "Es hat sogar mit einem sozialen Jahr beim SC geklappt. Ab Oktober", erzählt sie strahlend. Im Büro wird sie aushelfen, dem SC-Präsidenten Olav Senger unter die Arme greifen - "und vor allem dem Nachwuchs der Altersklassen 6 bis 9 all das beibringen, was ich hier selbst gelernt habe."

Olav Sänger. Seit zehn Jahren steht er den 170 Mitgliedern, von denen annähernd hundert unter 18 Jahren sind, ehrenamtlich vor. 13 Trainer und Übungsleiter gehören zu seinem Verein. Und der konnte 2011 wie auch 2012 seine Athleten zum SC Potsdam bzw. SC Cottbus delegieren.

Rosemarie Ackermann gewann übrigens 1976 in Montreal mit einer Höhe von 1,93 Meter olympisches Gold. Im Straddle-Sprung, auch Parallelwälzer oder Tauchwälzer genannt. Der Springer wälzt sich dabei bäuchlings über die Latte. Diese Hochsprungtechnik galt als Weiterentwicklung des Rollstils und wurde erst seit 1968 zunehmend durch den Fosbury-Flop verdrängt und ist seit 1980 nahezu völlig aus dem Wettkampfsport verschwunden.

"Straddle kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen", meint Matti Keller. Der blonde Zwölfjährige hat schon 1,35 Meter übersprungen, liebt aber auch den Mehrkampf und Sprint, den Weitsprung und den Speerwurf. "Leichtathletik ist eben eine Macht."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Sprinter 14.08.2012 - 20:14:12

Wo ist die Hochburg?

Nichts gegen die sportlichen Leistungen der Sportler und das Engagement der Trainer des nach der Wende gegründeten SC Frankfurt (Oder). Doch eine "Hochburg" der Leichtathletik ist dieser Verein wahrlich nicht. Hier wir leider wieder mit Superlativen herumgeworfen, die Fehl am Platze sind. Olympische Höchstleistungen erreichte die dem SC Frankfurt (Oder) der Vorwendezeit angehörende Hürdenläuferin Karin Balzer. Sie erkämpfte 1964 in Tokio die erste Leichtathletik-Goldmedaille für die DDR. Weitere Talente mit nationalen Spitzenleistungen gab es in Frankfurt (Oder). Selbst da war der Name Hochburg noch anzuzweifeln. Trotzdem viel Erfolg. Vielleicht gibt es mal eine internationale Medaille.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG