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Interessengemeinschaft Ostbahn hat Diskussion angestoßen / Landkreis sieht in größerer Attraktivität besten Bestandsschutz

Über Haltepunkte ist noch nicht entschieden

Doris Steinkraus / 14.08.2012, 07:05 Uhr - Aktualisiert 14.08.2012, 20:21
Seelow (MOZ) Eine zum Teil sehr hitzige Debatte hat die Interessengemeinschaft Ostbahn mit ihren Überlegungen zum neuen Landesverkehrsplan ausgelöst. Dreh- und Angelpunkt bilden die möglichen künftigen Haltepunkte auf der Ostbahnstrecke.

Vor allem in Alt Rosenthal und Küstrin-Kietz war der Aufschrei groß, weil eine Schließung der Bahnhöfe ins Gespräch kam. "Dass eine Diskussion angeschoben wurde, kann man nur begrüßen", sieht es der Beigeordnete und Wirtschaftsamtsleiter des Landkreises Rainer Schinkel. Denn wenn erst einmal ein Entwurf auf dem Tisch liege, sei es oft schwer, grundsätzliche Positionen zu ändern.

Wie im Falle des Nahverkehrsplanes wird bei solchen Dokumenten meist langfristig im Voraus informiert. Reaktionen seitens der Betroffenen kommen aber oft erst, wenn dann die Umsetzung greift.

Im Sinne einer vorausschauenden Diskussion habe auch die Interessengemeinschaft ihre Überlegungen öffentlich gemacht, so Geschäftsführer Karl-Heinz Boßan. Sie seien kein Gesetz und auch nicht bindend. Aber mit den Vorschlägen sei vor Ort einiges in Gang gekommen, was nur zu begrüßen sei. Schinkel unterstützt das, möchte aber einen falschen Eindruck revidieren. "Manche meinen, die Interessengemeinschaft legt Dinge fest", so Schinkel. "Sie ist aber nur einer von mehreren Beteiligten bei der Erarbeitung dieses Planes."

Das Infrastrukturministerium habe den Landkreisen die Möglichkeit gegeben, sich vor der Auslegung des Entwurfes zu äußern, erklärt Schinkel. Das habe man auch getan. Für den Landkreis hätten sich die Prioritäten nicht verändert. Beide Bahnstrecken - neben der Ostbahn auch der OE 60 auf der Strecke von Frankfurt nach Eberswalde - sehe man als zwingend notwendig. Gleiches gelte für den 20-Minuten-Takt der S-Bahn für Strausberg-Nord. Zu Haltepunkten habe sich der Kreis in seiner Stellungnahme nicht geäußert.

Fakt sei, so Jörg Schleinitz vom Wirtschaftsamt, dass es Neuerungen nur gibt, wenn anderes aufgegeben wird. Minister Jörg Vogelsänger habe zur Auftaktberatung zum Nahverkehrsplan deutlich gemacht, dass der Kostenrahmen fest steht. "Besteller des Schienenverkehrs ist das Land", stellt Schleinitz klar. Das heißt, es trage auch die Kosten. Da sich durch strukturelle Veränderungen im Land - zum Beispiel den neuen Flughafen - auch neue Bedürfnisse ergeben, müsse nachgesteuert werden. "Was immer auch mit Kosten verbunden ist", macht Schinkel deutlich.

Um an anderer Stelle zu sparen, sehe sich das Land natürlich auch die Nutzerzahlen an. Es sei jedoch falsch, dass es eine Orientierung gebe, wonach Haltepunkte mit weniger als 50 Ein- und Ausstiegen am Tag generell wegfallen sollen, betont er. Das habe der Verkehrsverbund, der im Auftrag des Landes auch den Schienenverkehr koordiniert, versichert.

"Als Landkreis haben wir wenige Möglichkeiten, die Attraktivität der Bahnlinien zu erhöhen", sagt Rainer Schinkel. Mit der Förderung der Umfeldgestaltung habe man jedoch einiges getan. Das neue Rufbusangebot sei ebenfalls ein kleiner Mosaikstein. Bürger im Bediengebiet können sich mit dem Rufbus zu den Bahnhöfen bringen lassen. Das gilt nicht nur für die Ostbahn, sondern auch für die Strecke OE 60 und zum Beispiel den Knotenpunkt Werbig, wo diese Strecke die Ostbahn kreuzt. Je mehr Fahrgäste den Zug nutzen, desto sicherer sei die jeweilige Linie in ihrem Bestand.

Auch die Bahn selbst versucht, mit neuen Service-Angeboten die Attraktivität der Strecken zu erhöhen. So will die ODEG der Linie OE 60 zwischen Lichtenberg und Neutrebbin das Zugfahren für Radler attraktiver machen. Wie die ODEG mitteilt, will sie entsprechend der Wettervorhersage an Wochenenden mit angekündigten Schönwetterlagen zwei Triebwagen einsetzen, um mehr Fahrräder transportieren zu können. Pro Wagen ist die Mitnahme von zehn Rädern möglich. Künftig sollen es doppelt so viele sein. Interessenten können sich unter der ODEG-Servicenummer 030 514888888 informieren, ob an ihrem gewünschten Ausflugstag das Angebot genutzt werden kann.

Nach den Stellungnahmen der Kreise will das Ministerium im September den Entwurf vorlegen. Dann sind für jedermann - ob privater Bürger oder Kommune - offiziell Einwände und Hinweise möglich. Schon Ende des Jahres wird der Plan das Parlament passieren. Er wird eine Geltungsdauer von 2013 bis 2017 haben. Der Plan wird auch Gegenstand der heutigen Beratung des Wirtschaftsausschusses, 17 Uhr, Kreishaus Seelow, sein.

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