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Schräge Orte in Brandenburg

Für Kinder
Antje Scherer / 04.08.2012, 14:15 Uhr
(Antje Scherer) In Brandenburg gibt es 419 Städte und Dörfer und Hunderte von Ortsteilen mit eigenen Namen – und etliche davon sind ganz schön schräg: Steinreich zum Beispiel. Oder Verlorenenort, Regenmantel, Himmelpfort, Kotzen, Schwarze Pumpe. Wer hat sich diese Namen bloß ausgedacht – und warum?

Der Berliner Namensforscher Reinhard E. Fischer hat ein dickes Buch über dieses Thema geschrieben und sagt, der Grund, einen Ort überhaupt zu taufen, sei ganz einfach: „Damit jeder weiß, wo er hingehört“. Besonders einfallsreich seien die Menschen dabei meist nicht gewesen – oft verwendeten sie einfach das, was vor ihrer Nase war. So riecht es in Ranzig nicht etwa schlecht, sondern der Name kommt vom sorbischen Wort wrantzck, was Krähe oder Rabe bedeutet.

Ranzig war also ein Ort, in dem es viele Vögel gegeben haben muss. Daran merkt man auch schon, dass in lustigen Ortsnamen oft Bruchstücke anderer Sprachen stecken. In der Region hier haben über die Jahrhunderte viele unterschiedlichen Völker gelebt, die alle Spuren hinterlassen haben.

Die ersten, die „getauft“ haben, waren die Germanen. Auf sie geht zum Beispiel der Flussname Oder zurück. Später kamen Slawen, Niederländer und Hugenotten.

Oft brachten Neuankömmlinge einfach die Namen ihrer alten Heimatorte mit – wie nach Bärenklau, wo nicht etwa gehäuft Teddys gestohlen werden: Niederländische Einwanderer benannten ihn nach der holländischen Provinz Berenklauw. Manchmal hat der gleiche Ortsname auch unterschiedliche Bedeutungen – Herzberg bei Beeskow kommt etwa von der Kombination Hirsch (von hert = Hirsch) und Berg, bedeutet also, dass es in der Umgebung viel Wild und einen Hügel gab. Während das Herzberg im Süden auf den Hirsch im Wappen des adeligen Besitzers zurückgeht, – und allen Leuten etwas über den Ortsgründer sagen sollte.

Das gab es häufig; auch Klein Bademeusel hat nichts mit Mäuschen in Badehosen zu tun, sondern mit einem Herrn Badomysel, wahrscheinlich dem Erbauer des Ortes.

Schwarze Pumpe wiederum wurde rund um eine Gastwirtschaft gebaut, in der Fuhrleute einkehrten und an der Pumpe die Pferde tränkten (und selber vielleicht Schwarzbier tranken?). Und in Himmelpfort, also „der Pforte in den Himmel“, war ein großes Kloster. Lustig ist auch Kotzen – wo es den Menschen garantiert nicht öfter schlecht wird als anderswo. Der Name kommt vom sorbischen Wort cossym für eine Grassorte. Übersetzt heißt er „Ort, wo haarige Pflanzen wachsen“.

Und dann gibt es noch die Kategorie der Spottnamen. Zu denen gehört Regenmantel. „Der Ort wurde von den Nachbarn so getauft“, hat Fischer herausgefunden, „warum, kann heute aber niemand mehr sagen.“ Auch Vehlefanz ist so ein Name: Er bedeutet „Ort, wo Männer mit großen Schnurrbärten leben.“

Nervige Ortsnamen wurden manchmal wieder umgetauscht, etwa Scheißendorf bei Senftenberg, das später zu Rosendorf wurde oder Krebsjauche, das heute Wiesenau heißt.

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