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Schloss Selchow hat neue Eigentümer / Kulturveranstaltungen , Yogakurse und Übernachtungsmöglichkeiten geplant

Altes Gutshaus wird zum Leben erweckt

Elke Lang / 15.08.2012, 07:18 Uhr
Selchow (MOZ) Seit 1991 steht das Schloss Selchow leer. Wechselnde Besitzer sind an fehlenden Nutzungsmöglichkeiten gescheitert. Am Montag hat der neue Eigentümer, der das Anwesen mit seinem etwa zwei Hektar großen Park im März gekauft hatte, dem Storkower Bauausschuss bei einem Rundgang seine Konzeption vorgestellt.

Drei Jahre lang war Christoph Kamps mit seiner Frau Susanne Groß im Brandenburgischen auf der Suche nach einem alten Gutshaus. Der 42-Jährige betreibt in Berlin und New York eine Agentur für Markenkommunikation und hat mit dem Schloss nur eines im Sinn: es zu sanieren und öffentlich zugänglich zu machen, "um ein Stück Geschichte wieder erlebbar werden zu lassen", wie er sagt.

Von dem Selchower Schloss ist er fasziniert, und Kamps will durch die Restaurierung so viel wie möglich Historisches erhalten beziehungsweise dem Originalzustand so nahe wie möglich bringen. Er wird trotz EU-Förderung viel Geld hineinstecken müssen.

An Gewinn durch die zukünftige Nutzung ist nicht zu denken. "Hier im Schloss sollen Menschen, denen es um Natur und Nachhaltigkeit geht, der Natur wieder ein Stück näher kommen können", ist sein Wunsch. Dabei denkt er zum Beispiel an Fahrradgruppen und Yoga-Kurse, für die acht Doppelzimmer, Workshopräume, eine Sauna, ein Whirlpool und ein Massageraum zur Verfügung stehen sollen. Auch private Feiern wie Hochzeiten sollen hier stattfinden können, und Susanne Groß, die Schauspielerin am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin ist, hat vor, bis zu vier Kulturveranstaltungen für den Ort zu organisieren. "Ich will hier Arbeitsplätze schaffen für einen wirtschaftlichen Betrieb, der sich trägt. Meine Investition ist ein Stück Liebe zu einem Bauwerk in seiner Umgebung", so Christoph Kamps.

Das Gutshaus oder Schloss, wie es von den Einheimischen genannt wird, war 1913 von dem 1923 verstorbenen Paul von Mankiewitz erbaut worden, der sich mit Bergbau und Landwirtschaft beschäftigt hatte und auch politisch tätig gewesen war. Seine Nachkommen wurden in der NS-Zeit gezwungen, es zu verkaufen. Nach 1945 beherbergte es die LPG, den Konsum, eine Bank und zuletzt das Kinderferienlager des Fleischkombinats Eisenhüttenstadt.

Alle Eigentümer oder Nutzer haben ihre Spuren hinterlassen. Von dem Ferienlager ist beispielsweise noch ein komplett eingerichteter Partyraum mit Bar für die Betreuer vorhanden. Zum ursprünglichen Bestand gehört ein Brunnen, dessen Figurenschmuck sich allerdings bei einem Vorbesitzer befindet. "Es wäre wunderbar, wenn die Figuren wieder zurückgegeben würden", bittet Christoph Kamps. Auch sind noch aufwändige schmiedeeiserne Geländer außen und innen vorhanden. Der großzügige Gartensaal mit seinem drei mal vier Meter großen Fenster, "das erste komplett versenkbare", so der Bauherr, hat einen funktionierenden Kamin. Unter Putz finden sich sogar noch Reste alter Malereien im Haus.

Auch in den Keller führte der Rundgang. Noch ist das Gebäude durch Öl beheizbar, aber "wir versuchen, so viel Energie wie möglich regenerativ zu nutzen und werden deshalb eine Luftwärmekopplung einbauen", erklärt Christoph Kamps.

Derweil ging in der ehemaligen Großküche des Ferienlagers im Souterrain eine Sonderführung vonstatten. Die 69-jährige Marlene Bochwitz aus Selchow hatte hier als Köchin gearbeitet. "Es war eine schöne Küche und eine schöne Zeit", denkt sie zurück und erklärt: "Da waren die Kühlschränke drin - da waren die Kartoffeln ..."

"Wenn die Küche wieder in Betrieb ist, werden hier vorrangig heimische Produkte verarbeitet", verspricht der Eigentümer, der auch schon Kontakte zur Sielmann-Stiftung geknüpft hat, um in Kooperation mit ihr seinen künftigen Gästen Naturerlebnisse zu verschaffen. Ende nächsten Jahres will er die Restaurierung beendet haben.

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