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Mehr als 70 Feuerwehreinsätze / Massive Schäden in Althüttendorf / Stromausfall in Groß Ziethen / Haus am Stadtsee beschädigt

"Achim" hinterlässt Schneise der Verwüstung

Viola Petersson / 21.08.2012, 21:04 Uhr
und Monika Schmidt Eberswalde (MOZ) Mächtige Bäume, die wie Streichhölzer abknicken, blockierte Straßen, beschädigte Leitungen, Zugausfälle, demolierte Dächer, zerstörte Häuser. Vor allem entlang der Autobahn 11 zwischen Britz und Joachimsthal sowie an der B 198 tobte sich Hoch Achim mit Spitzen von 100 km/h aus. 73 witterungsbedingte Feuerwehreinsätze hat die Regionalleitstelle am Montag zwischen 15 und 22 Uhr ausgelöst.

"So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt Henry Lewanscheck aus der Dorfstraße 3 in Althüttendorf, wo der Sturm am heftigsten gewütet hat. Er war gerade beim Rasenmähen, als sich über der Gemeinde das Unwetter zusammenbraute. Starker Regen, Hagel und dann ein richtiger Wirbelsturm. "Ich hörte es nur noch krachen", so der Althüttendorfer, der gemeinsam mit seinem Vater eine Maschinenbaufirma im Ort betreibt. Die große Linde war aufs Dach der alten Dorfschmiede, die zum Grundstück gehört, gestürzt. Da lag sie gestern Nachmittag noch. Die Feuerwehr sei kaum nachgekommen mit der Schadensbeseitigung. "Das Dach haben wir erst vor vier Jahren neu gedeckt", ergänzt seine Tante Heidrun Gutsch, die in Bernau arbeitet und auf dem Heimweg von der Katastrophe erfuhr. "Am Bahnhof Eberswalde endete unsere Zugfahrt." Schienenersatzverkehr. Viel schlimmer aber, so Lewanscheck, sei der Schaden, den "Achim" in der Firma anrichtete. Der Bürotrakt des Betriebes sei komplett abgedeckt worden. PC, anderes technisches Gerät, Unternehmensakten und Unterlagen - alles sei hinüber. Werkstatt und Hof bestehen seit Generationen. "Aber ein solches Unwetter? Nein", schütteln sie ungläubig den Kopf. Das habe es noch nicht gegeben.

"Es war wie eine Wand. Man konnte nichts mehr sehen. Und dann flogen auch schon die Teile durch die Luft", schildert Michael Beuster, der "Zu den Ihlowbergen" wohnt. Er spricht von einem Tornado. "So schnell wie er kam, so schnell war er wieder vorbei. Und dann schien die Sonne." Die Schäden indes bleiben: Der Anbau habe kein Dach mehr, alles stehe unter Wasser. "Die Elektrik ist hin." Beuster versucht, zumindest provisorisch alles abzudichten. "Es ist ja wieder Regen angesagt." Seine Frau kümmert sich derweil um die Versicherung.

"Es hätte viel schlimmer kommen können. Es ist nur ein Dach", ist Karola Schröder aus der Zehdenicker Straße in Joachimsthal trotz des immensen Schadens noch froh. "Das kann man ersetzen", sagt die Lehrerin und reicht den Männern der Freiwilligen Feuerwehr Joachimsthal, die im Dauereinsatz sind, zwischendurch belegte Brote zur Stärkung. Sie wollte sich mit ihrem Mann auf die Terrasse setzen und den Feierabend genießen, als es losging. Eine Windhose fegte über das Haus hinweg. "Und dann hing bereits Dachpappe am Wintergarten runter." Teile der Solaranlage schmettern nieder. Später holen das Ehepaar und die Blauröcke sogar aus dem Garten der Nachbarn noch Balken. "Die Feuerwehr war ruckzuck da", lobt Schröder den schnellen Einsatz. "Wir waren gerade mit dem Haus fertig, jetzt fangen wir wieder an", fügt ihr Mann hinzu, während er gemeinsam mit den Kameraden das Dach mit Folie sichert.

In Groß Ziethen war es infolge von Leiterseilrissen im Niederspannungsnetz zu Stromausfällen in Teilen des Dorfes gekommen. "Unsere Männer waren bis 1 Uhr im Einsatz", so Peter Klein, Leiter Betrieb Uckermark/Barnim beim Versorger EON edis. Noch in der Nacht konnten aber alle Haushalte wieder ans Netz gehen. Anders als im Bereich Bad Freienwalde. "Dort kämpfen wir jetzt noch."

24 Einsätze melden auch die Feuerwehren von Eberswalde. Weitere zwölf waren es bis gestern Mittag. "In den meisten Fällen wurden Bäume entwurzelt beziehungsweise umgeknickt. Verletzte gab es zum Glück nicht", sagt der amtierende Wachleiter Helmut Colberg. Am schlimmsten erwischt hat es den Familiengarten. "Im Märchenwald und Feenwald liegen die Bäume kreuz und quer. Inwieweit auch die Spielgeräte und Holzhäuschen in Mitleidenschaft gezogen wurden, lässt sich derzeit nicht sagen. Die gesamte Anlage muss aus Sicherheitsgründen gesperrt bleiben. Die Feuerwehr arbeitet mit Hochdruck an der Beseitigung der umgestürzten und gesplitterten Bäume", sagt der Erste Beigeordnete Lutz Landmann.

Die Wohnungsbau- und Hausverwaltungsgesellschaft hat ihre Solaranlagen in der Eberswalder Straße abschalten müssen. Vom Dach der Hausnummern 90 bis 102 wurden sämtliche Kollektoren heruntergefegt. Schäden am Dach meldet auch der Berufsbildungsverein. Am Haus am Stadtsee hat der Sturm drei Bäume zu Fall gebracht. Einer davon landete auf dem Saal. "Bis zur nächsten Veranstaltung im September soll der Schaden behoben sein", sagt die kaufmännische Leiterin Daniela Kutzke.

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