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Hähnchen-Mast in Lietzen geplant

Doris Steinkraus / Uhr
Lietzen (MOZ) Die Komturei Lietzen will die erste Getreide-Hähnchen-Mast-Anlage in der Region errichten. Investor und Planer stellten das Projekt am Dienstagabend im Gemeinderat vor. Das Vorhaben fand grundsätzlich Akzeptanz.

Acht Ställe mit je 50 000 Tierplätzen, eine Gesamtkapazität von 400 000 Hähnchen, das ist die Vision der Komturei Lietzen GmbH & Co KG. Verwalter Felix Gerlach erläuterte den Abgeordneten die Hintergründe des Vorhabens. Als Marktfruchtbetrieb sei das Unternehmen stets auf den aktuellen Markt angewiesen. "Wir müssen uns mit den Preisen zufrieden geben, die der Handel gerade bietet", erklärte er. Als der Verbund Agrifirm auf die Lietzener zuging und ihnen den Bau einer solchen Mastanlage schmackhaft machen wollte, habe man geprüft und analysiert. "Wir könnten damit unser Unternehmen zukunftssicherer machen", erklärte Gerlach. 50 Prozent des Futters wären Getreide. Das wachse auf eigenen Feldern. Durch die Mast entstünden rund 3500 Kubikmeter organischer Dünger, den man auf die eigenen Felder ausbringen kann. Und den teuren Dünger auf dem Markt ersetzt. Die für die Hähnenaufzucht nötige Wärme könnte man durch den Einsatz von eigenem Energieholz kostengünstig sichern. Es würde jenes Holz verwendet, das für den Verkauf nicht geeignet ist, wohl aber fürs Heizen. Um die geplante Tiermenge zu züchten, wären mindestens 700 Hektar landwirtschaftliche Fläche nötig. Auch dies sei gewährleistet, erklärte der Verwalter. Das Getreide könne unbearbeitet direkt in die Fütterung gelangen.

Ulrich Strätker von Agrifirm erläuterte den weiteren Weg der künftigen Lietzener Getreidehähnchen. Die Tiere würden in der Storkower Schlachttiere - dorthin liefert auch Landwirt Tobias Winnige aus Kiehnwerder seine Hähnchen - verarbeitet. "Die Schlachterei sucht händeringend Landwirte, die Tiere züchten", sagte Strätker, dessen Büro in Woldegk ist. Derzeit würden Hähnchen durch die halbe Republik gefahren, um die Anlagen auszulasten. Die Tagesküken für Lietzen kämen von einer Brüterei aus Mecklenburg-Vorpommern. "Die gesamte Produktionskette bliebe in der Region", betonte er. "Getreidehähnchen made in Deutschland" - so der Slogan der Friki-Gruppe. Was letztlich auch Wertschöpfgung und Steuereinnahmen bedeuten würde. Die neue Anlage würde steuerlich in Lietzen gemeldet sein, versicherte Ulrich Strätker auf Abgeordnetennachfrage. Auch das Thema Stalldunglagerung werde im Vorfeld geklärt. Denn es gehe um kurze und effektive Wege, wobei gleichzeitig gesetzliche Normen einzuhalten sind. Der Mist soll abgedeckt oder in Hallen wahrscheinlich an zwei Standorten gelagert werden, ehe er auf die Felder kommt.

Christiane Zimmerman von Eco-Cert mit Sitz in Karow erläuterte das von ihrer Firma geführte Genehmigungsverfahren. Für solch eine industrielle Mastanlage sei der Standort das A und O, räumte sie ein. Es werde ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (Bimsch)geführt. Und das beinhalte strenge Auflagen. Mit der derzeit noch als Ackerland genutzten Fläche an der Straße zwischen Seelow (Krochenheide) und Lietzen-Vorwerk habe man jetzt einen Standort gefunden, für den es gute Chancen auf Genehmigung gebe. "Unser jetziger Untersuchungsvorschlag geht an die Fachbehörde des Landes", erläuterte sie. Danach gebe es einen sogenannten Scoping-Termin und danach wiederum die Umweltverträglichkeitsprüfung. Es folgen die öffentliche Beteiligung und das förmliche Auslegungsverfahren für alle Träger öffentlicher Belange.

Erst nach Vorlage der Planungsdokumente müsste das Unternehmen auch die Kommune einbeziehen. Man habe bewusst schon im Vorfeld den Weg gesucht, erläuterte Christiane Zimmermann.

Landwirt und Abgeordneter Henrik Wendorff bestätigte, dass ein Bimsch-Verfahren sehr hohe Auflagen beinhalte. Gegen die Tatsache, dass der Tierbestand in Lietzen wieder wächst, sei erst einmal nichts einzuwenden. In der Runde dominierte offensichtlich die Gewissheit, dass ein einheimischer Investor eine deutlich bessere Option ist als ein auswärtiger Landwirtschaftskonzern. Mindestens ein Jahr dauert das Genehmigungsverfahren.

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Jan Reimond 08.10.2012 - 21:08:41

Hähnchenmastfabrik - Keine gute Idee für Lietzen

Mit Projekten in dieser gewaltigen Dimension kennen wir uns in Mecklenburg schon aus: 400 000 Tiermastplätze teilen sich in 8 Hallen von je 100x 25 Meter Länge auf und belegen insgesamt 3-4 ha Land - vermutlich wertvolles Ackerland, das bebaut und versiegelt wird. Arbeitsplätze entstehen da keine, nur Billigjobs für Wanderarbeiter, die zum Ausstallen und Entmisten anreisen. Die Anlagen sind maximal technisiert und durchrationalisiert. Dieses Geschäftsmodell ist reine, harte, von EU-Beihilfen angefeuerte Agroindustrie, ohne Respekt vor dem Lebewesen Tier, aber mit gewaltigen Umweltschäden - eine vergleichbare Anlage in MV soll 12 To. Stickstoff, 10 To. Stäube + 6 To. Feinstaub jährlich emittieren. Ich würde dort keinen Landurlaub machen, oder ein Haus kaufen.

Ein Bürger aus Lietzen 23.08.2012 - 09:14:51

Hähnchenmast in Lietzen

Ich wohne in Lietzen, und ich hoffe, das unser neuer Bürgermeister und sein gutes Gefolge beachten, dass ich nicht gewillt bin jeden Tag Frikki Hähnchenmist in der Nase zu haben. Es reicht schon, wenn man in Storkow bei Frikki vorbeifährt, dann kann man erahnen, was uns in Lietzen bevorsteht. Und ich hoffe auch, das Herr Gerlach ein Konzept vorgestellt hat, wieviele Arbeitsplätze er dann schaffen wird, dass sich die Stinkerei auch lohnt!!!!!

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