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Eberswalder Hochschule untersucht ökologische Freilandhaltung und Chancen des Zweinutzungshuhns

Brodowin: Wissenschaft im Hühnerstall

Auslauf: Seit anderthalb Jahren hält der Landwirtschaftsbetrieb Ökodorf Brodowin 400 Bio-Hühner. Die Eier werden über den Hofladen vermarktet. Die Eberswalder Hochschule HNE begleitet das Projekt wissenschaftlich.
Auslauf: Seit anderthalb Jahren hält der Landwirtschaftsbetrieb Ökodorf Brodowin 400 Bio-Hühner. Die Eier werden über den Hofladen vermarktet. Die Eberswalder Hochschule HNE begleitet das Projekt wissenschaftlich. © Foto: moz
Viola Petersson / 23.08.2012, 04:19 Uhr
Chorin (MOZ) Sie legen zwar Eier. Von der legendären eierlegenden Wollmilchsau sind sie jedoch noch ein ganzes Stück entfernt: die Hennen im Landwirtschaftsbetrieb Brodowin. Das Unternehmen und die Eberswalder Hochschule HNE forschen auf dem Gebiet der Geflügelhaltung. Langfristiges Ziel ist ein Zweinutzungshuhn.

Die Eier wandern direkt in die Packstation und dann sogleich weiter in den Hofladen. Knapp 300 Stück liefern die 400 Bio-Hennen täglich. Und dazu jede Menge wissenschaftliche Erkenntnisse. Während sich das Agrarunternehmen um das Federvieh kümmert und um die Eier-Vermarktung, verwertet die HNE die Daten.

Seit April 2011 kooperieren beide im Rahmen eines Forschungsprojektes. Die Versuchsstation, bestehend aus zwei mobilen Hühnerställen, liegt fernab der Hörsäle - auf einer Streuobstwiese in Brodowin. Objekt der wissenschaftlichen Begierde ist das "Zweinutzungshuhn", ein Huhn, das Eier legt und gleichzeitig Fleisch ansetzt. Eine Art Alleskönner also.

"Jedes Huhn trägt einen Spiralring und einen Transponder", erklärt Dozent Gerriet Trei vom Fachbereich Landschaftsnutzung/Naturschutz. Über diese erhalte er - gewissermaßen als Nebenprodukt - zahlreiche Informationen. Etwa zur Aktivität der Hühner und zum Auslaufverhalten. Daneben erfassen die Wissenschaftler sowie Studenten Legeleistung, Futterverwertung sowie Gewicht. "Im vorigen Jahr wurde eine Bachelorarbeit geschrieben, die sich mit den Hähnen befasste", so Trei, der in den Studiengängen Ökolandbau und Vermarktung sowie Öko-Agrarmanagement lehrt.

In Planung sei jetzt eine Arbeit zum Futterverhalten. Dazu erhebe man aktuell die tatsächlich aufgenommen Mengen. "Früher waren Hühner - ebenso wie Schweine - Resteverwerter." Auf Omas Hof bekamen die Hühner, was in der Küche übrig blieb. So funktioniere Tierhaltung heute längst nicht mehr. Auch nicht im Bio-Bereich. "Unsere Legehennen erhalten ein Alleinfutter." Eine Mischung aus Weizen, Mais, Sojakuchen und weiteren ökologisch produzierten Komponenten, neben Mineralstoffen und Vitaminen. Dazu gebe es ganze Weizenkörner, eine Art Leckerli, und natürlich Grün satt. Trei spricht vom "Luxuskonsum". Ziel müsse eine Futterersparnis sein.

"Dazu wollen wir demnächst die Cafeteria-Fütterung einführen ", erklärt der Wissenschaftler und verrät sogleich das Prinzip: Das "Alleinfutter" wird in seine Bestandteile zerlegt und getrennt angeboten. Die Hennen wählen selbst aus dem Sortiment aus.

Die Brodowiner Hennen, die jetzt munter picken und scharren, seien bereits die zweite Generation. Denn: Eine Legeperiode währe elf bis 13 Monate. "Natürlich werden Hühner viel älter. Und auf dem heimischen Hof kann man sie durchaus zwei, drei Jahre und länger halten." Unter wirtschaftlichen Aspekten indes sei dies wenig sinnvoll. Denn die Leistung lasse doch erheblich nach. Für die ersten Brodowiner Legehennen fanden sich - zur eigenen Überraschung - in der Region Abnehmer. "Die Verwertung der Althennen ist in der Regel ein Problem", weiß Trei.

Die Tiere entstammen der Linie Lohmann Brown plus. Wegen der angestrebten Doppelnutzung wurde eine "schwere Hahnenlinie eingekreuzt", erklärt der Fachmann. Trotz ökologischer Aufzucht und Haltung betrachtet Gerriet Trei den Brodowiner Versuch nur als Kompromiss in Sachen Herkunft. Denn auch die hiesigen Hennen seien "Hybridhühner". Was bedeutet: Der Landwirt kann nicht ohne Weiteres mit diesen Tieren weiterzüchten, wie es mit Rassegeflügel der Fall ist. Im Übrigen gestalte sich die Vermarktung der männlichen Tiere sehr schwierig.

Der Dozent möchte deshalb im kommenden Jahr den Test erweitern und in einem der Ställe mit der Geflügelzucht beginnen. Als denkbare Rasse könnte "Les Bleus" zum Einsatz kommen, die in Frankreich unter dem Namen Bresse-Huhn bekannt ist. Erste, erfolgversprechende Pilotprojekte gebe es mit "Les Bleus" bereits bei "Naturland", so Trei. Mit diesem Rassehuhn komme man dem Ideal vom Zweinutzungshuhn, das Fleisch und Eier liefert, schon viel näher. Allerdings hat der Einsatz seinen Preis. Die Eier werden vermutlich noch teurer. Ob der Verbraucher bereit ist, dies zu honorieren, bleibe abzuwarten. Zudem legen die Rassehühner etwas weniger Eier als ihre Brodowiner Artgenossen. Und schon die stehen mit etwa 280 Eiern hinter den Hochleistungstieren, die es auf mehr als 300 Stück im Jahr bringen, zurück.

Der Ökolandbau sucht bereits seit einigen Jahren intensiv nach einem Zweinutzungshuhn, einem Huhn für alle Fälle. Nur so kann nämlich die Tötung von jährlich Millionen männlicher Küken beendet werden. Das Forschungsprojekt im Barnim läuft über insgesamt fünf Jahre. Eigens für den Versuch hat die Eberswalder Hochschule HNE die beiden Hühnermobile angeschafft.

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Roswitha Hennig 23.08.2012 - 14:24:20

fahrender Hühnerstall in Brodowin

Ich find das supertoll, weil es den Hühnern dabei sehr gut geht, und weil mein Bruder Dirk Boldt, diese Hühner füttert und pflegt.

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