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Ansinnen des Landesumweltamtes sorgt für Unmut bei den Abgeordneten des Bauausschusses in Steinhöfel

Aus Wiesenflächen soll wieder Moorland werden

Cornelia Link / 24.08.2012, 07:04 Uhr
Steinhöfel/Demnitz (co) Das großflächige Grünland zwischen Demnitzer Mühlenfließ und Arensdorfer Wiesen in der Gemeinde Steinhöfel soll nach Vorstellungen des Landes Brandenburg wieder zum Moorschutzgebiet renaturiert werden. Ein Ansinnen, das in der Gemeinde nicht unbedingt auf Wohlwollen stößt.

Wie Bauamtsleiter Ralf Artelt jüngst im Bauausschuss den Abgeordneten erklärte, habe man von dem Vorhaben des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) eher durch Zufall erfahren. "Ich wurde von mehreren Flächen-Besitzern angesprochen, die schon dazu angeschrieben wurden", so Artelt. Bei der Potsdamer Behörde habe man ihm bestätigt, dass derzeit ein mecklenburgisches Planungsbüro an einer Machbarkeitsstudie arbeite, um die Ackerflächen als Moorschutzgebiet auszuweisen. "Dass man unsere Verwaltung nicht informiert, ist ärgerlich. Sie haben sich daraufhin gleich mehrfach entschuldigt", so Artelt. Insgesamt geht es um ein riesiges trockengelegtes Gebiet, was früher Moorland war, auf dem rege Torf abgebaut wurde. Als dies endete, wurde es zu Ackerland. "Um daraus wieder Moorland zu machen, muss der Wasserspiegel angehoben werden", so Artelt.

190 Hektar Fläche werden nun untersucht, darunter 130 Hektar Dauergrünland. 150 Flurstücke mit jeweils einer Größe von 0,75 Hektar seien betroffen sowie 8500 Meter Fließgewässer. Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises habe laut Artelt mit den Eigentümern bzw. Nutzern der Flächen bereits gesprochen. "Wenn sie dem zustimmen, gäbe es für das Renaturieren auch Fördermittel vom Land, wird die Fläche wieder zum ursprünglichen Moor gemacht, durch Schließen der Gräben und Einbau von Staustufen, um Wasser zu halten, dementsprechend auch Flora und Fauna anzusiedeln", berichtete der Bauamtsleiter. Dann sei darauf allerdings nur noch extensive Grünlandnutzung möglich, statt Kühe könnte auf dem morastigen Gelände nur noch spezielles Vieh, wie und Wasserbüffel stehen - und Ackerbau gänzlich vorbei.

"Dieses Verfahren ist doch eine Frechheit", erboste sich daraufhin der Bauausschuss-Vorsitzende Wolfgang Budack. Schließlich handele es sich um vor Jahrhunderten von den Vorfahren trockengelegte Flächen, die nun wieder abgeben werden sollen. "Jetzt kommen hier schlaue Leute und machen das Areal, wie beim Biber zum Schutzgebiet, sparen sich die Pflege und bekommen dafür auch noch Fördergeld. Stattdessen sollten sie lieber die Suhlen von früher als Wasserspeicher mal freimachen, wieder öffnen", schimpfte Budack und nannte es unmöglich, dass man erst durch die Bürger als Gemeinde vom ganzen Vorhaben informiert werde. "Es wurde ja schon vor Jahren viel Geld in Planungen gesteckt, um das Mühlenfließ zu säubern, nichts geschah. Jetzt wird hier alles einfach biberfreundlich beruhigt", ärgerte sich auch Dieter Nickel, zugleich Landwirt im Ausschuss. "Noch geht es um eine Machbarkeitsstudie, ist kein endgültiger Entschluss, das Vorhaben auch zu realisieren", versuchte Bauamtsleiter Ralf Artelt die Gemüter zu beruhigen. Das half wenig, denn wenn das Land schon Planer dafür in die Spur schicke, werde das Vorhaben am Ende auch umgesetzt, tönte es daraufhin einhellig aus der Ausschuss-Runde..

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Julia B. 27.08.2012 - 08:37:43

Positonsbestimmung

"Will man sich die Folgen von Renaturierung ansehen brauch man nur in die Müggelspreeniederung fahren." Es st immer wieder erstaunlich, wie einzelne Bürger mit Fachtermini in MOZ-Foren umgehen, und das im 21. Jahrhundert. Auf der ganzen Welt gibt es Renaturierungsprojekte mit unterschiedlicher Ausgangspostion und Zielstellung. Das muss man dann schon unterscheiden. Renaturierung heißt im einfachsten Sinn: Rückführung zu naturnahen Verhältnissen. Denn der Mensch allein hat verschiedenste Lebensräume teils irreparabel geschädigt. "man hat Ihnen gesagt, das sie selber Schuld sind, denn sie hätten erst garnicht Keller oder auf den Grunstücken bauen sollen, da ihnen bekannt war wo sie bauen." Haben Sie denn schon vor Gericht geklagt?

D. L. 26.08.2012 - 12:17:04

Folgen von renaturierung

Will man sich die Folgen von Renaturierung ansehen brauch man nur in die Müggelspreeniederung fahren. Hier wurde ohne die Bürger einzubeziehen ebenfalls renaturiert. Projekt Wasserstandsanhebung Müggelspreeniedrung betrifft die Gewässer II. Ordnung ( Grabensystem) und parallel dazu Renaturierung der Müggelspree. Alles um Wasser zurückzuhalten. Ergebniss: Grabensysteme sind zu 2/3 verlandet, teilweise nicht mehr als Graben erkennbar. Sie können nur max. 1/3 der ursprünglichen Wassermenge aufnehmen und abführen. Voraussetzung ist aber , dass die Müggelspree vom Pegelstand das überhaupt zulässt. Da hier aber das Abflussvermögen durch Renaturierung ebenfalls soweit verringert wurde, ist der Pegelstand fast durchgängig zu hoch, sodas die Gabensysteme das Wasser nicht abführen können. Die Folgen: Ganzjährige Vernässung der Müggelspreeniederung, der Grundwasseranstieg ist so hoch das landwirtschaftliche Nutzung kaum noch möglich ist, mit entsprechenden Ertragseinbußen, die nur zu einem geringen Teil ersetzt werden. Parallel führt der Grundwasseranstieg aber zu vernässten Kellern und Grundstücken. 2010/2011 August bis April waren in der Niederung mehrere Hundert Grundstücke und Keller durch Grundwasser überschwemmt, teilweise bis zu 1 m und das über 9 Monate. Jede normale Regenperiode mit völlig normalen Regenmengen führt seit dem zu vernässten Kellern. Die Müggelspree kann im Sommer gerademal 5% der notwendigen Wassermenge abführen. Die Kosten zur Schadensbeseitigung bleiben beim Bürger hängen. Ich kann die Bürger und Landwirte nur warnen, dem zuzustimmen. Es ist nicht zu erwarten das die Landesregierung für die Folgeschäden in voller Höhe für jeden Einzelnen aufkommt. In der Müggelspreeniederung hat jedenfalls kein Bürger auch nur einen Cent gesehen. Im Gegenteil man hat Ihnen gesagt, das sie selber Schuld sind, denn sie hätten erst garnicht Keller oder auf den Grunstücken bauen sollen, da ihnen bekannt war wo sie bauen. Allerdings stehen ein Großteil schon 80 Jahre dort ohne Wasser im Keller. Selbst beim hundertjährigen Hochwasser 1956 mit 1/3 höheren Abflussmengen gab es diese Schäden nicht. Soviel zu den negativen Folgen der Renaturierung.

Balduin 26.08.2012 - 10:54:14

Könnte Touristen anlocken

Eine wiederentstehende Moorlandschaft könnte Touristen nach Steinhöfel und Umgebung locken. Es ist auf alle Fälle spannender als eine Mais- Monokultur oder Intensiv- Grünlandflächen. Was vielleicht auch neue Arbeitsplätze in der Gastronomie schafft.

Ismael Gerome 24.08.2012 - 14:41:32

Steinhöfel verliert weiter an Gesicht - eine Schande

Dass fortzusetzen, was man in Steinhöfel nach 1945 schon immer perfekt konnte, ist, wie hier erneut sehr deutlich herauslesbar, auch heute den NEUBÜRGERN eigen. Hochgefährdete Wald-Lebensräume werden nur nach Holzertrag bewertet, wilde Müllablagerungen geduldet, vergrabene Agro-Chemikalien verschwiegen, Ackerflächen bis unter die Baumkronen gezogen, historusche Sichtachsen bewusst verbaut usw. Wollten Sie das mit Ihrem Gebrüll der Öffentlichkeit gegenüber verschweigen? Die Massows würden sich im Grab umdrehen, wenn sie dies erfuhren. Eine Schande.

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