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Mit der Pferdebahn zum Festplatz

Bahnfahrt mit zwei PS: Zum Jubiläum 100 Jahre Straßenbahn nach Rüdersdorf hatte der Verein Tram 88 die alte Strecke durch die Redenstraße reaktiviert.
Bahnfahrt mit zwei PS: Zum Jubiläum 100 Jahre Straßenbahn nach Rüdersdorf hatte der Verein Tram 88 die alte Strecke durch die Redenstraße reaktiviert. © Foto: MOZ Gerd Markert
Uwe Spranger / 27.08.2012, 07:45 Uhr
Rüdersdorf (MOZ) Mit einem Fest am Kesselsee, Sonderfahrten und anderen Angeboten hat die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn (SRS) am Wochenende das 100. Jubiläum des Straßenbahnbetriebes bis nach Kalkberge gefeiert. Zahlreiche Gäste waren dabei.

Es sollte ein Jubiläum für die Fahrgäste und die Einwohner und nicht für Straßenbahnfans werden, hatten sich Betriebsleiter André Stahl und seine Kollegen von der SRS vorgenommen. Der Chef schätzte bereits am Sonnabendnachmittag ein, dass dies aufgegangen sei: "Mich freut besonders, dass viele Familien mit Kindern hier sind", sagte er auf dem Gelände am Kesselsee, wo bis in die 1970er Jahre die Endstation der Bahn gewesen war. Nun standen dort unter anderem Hüpfburg und Kinderbahn, Verpflegungs-, Info- und Souvenirstände.

Zu dem besonderen Anlass war der Verkehr auf dem alten Gleis zeitweilig wieder aufgenommen worden: Der Förderverein Tram 88 hatte in Naumburg eine ursprünglich aus der Schweiz stammende Pferdebahn aufgetrieben, die das knapp einen Kilometer lange Teilstück auf der einstige Hauptstraße des Ortes bis zur heutigen Strecke bediente. Allerdings zu selten, denn viele mussten den Weg letztlich zu Fuß zurücklegen, weil pro Tour nur zwölf Plätze zu haben waren und die Pferde ausgedehnte Pausen bekamen. "Die Rechnung geht nicht auf, obwohl die Preise schon hoch sind", vermutete Bert Prengemann aus dem Tram-Verein, der an der Station alte Post die fünf bzw. drei Euro für die Mitfahrt kassierte. Allerdings habe man bei der Wahl der Fuhrunternehmen nicht viel Auswahl gehabt, weil kaum jemand überhaupt zum Mitmachen bereit war.

Ingrid und Helmut Immich wollten eigentlich auch Pferdebahn fahren, zeigten aber Verständnis für die Pausen und machten sich zu Fuß auf den Weg. Die Fredersdorf-Vogelsdorfer waren nicht zum ersten Mal in Rüdersdorf, haben schon Jeeptouren im Tagebau mitgemacht oder die Walpurgisnacht im Museumspark. Vor einem großen Bild mit dem Gasthof Traube rätselten sie, ob der etwa an der Stelle gestanden haben könnte, wo jetzt die Tafel positioniert war. Auch Margret und Gunter Polley waren vor einer Tafel stehen geblieben. "Passt ungefähr", bestätigten die Rüdersdorfer, die wie andere den Abriss der Häuser in der einstigen Redenstraße wegen des Tagebaus bedauerten.

Etwas Altes stand indes an der heutigen Endstation in Alt-Rüdersdorf: ein Triebwagen Baujahr 1914, 1930 erstmalig modernisiert, Anfang der 1950er-Jahre nach einem Bombentreffer kurz vor Kriegsende wieder aufgebaut, dann bis 1971 im Personenverkehr und anschließend bis 2011 als Arbeitswagen 93 mit dem Spitznamen Hebamme auf der Strecke im Einsatz, wie Rainer Dellmuth erklärte. Der Verein hat vor, den Wagen wieder betriebsfähig machen zu lassen. Kosten: knapp 140 000 Euro. Gut ein Viertel ist inzwischen gesammelt, und Dellmuth überzeugte viele, die Spendenbüchse weiter zu füllen. Der Marketing-Mann im Verein ist aber weiter auf der Suche nach Sponsoren.

Außerdem konnten Jubiläumsgäste mit dem Eigenbau-Triebwagen 73 der SRS oder einem alten Ikarus-Bus fahren. Ausstellung und Modellbahnschau im Kulturhaus ließen allerdings zu viele links liegen.

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