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Vor einem Jahr in Trebnitz initiiertes Projekt hat die Einwohner für Gestaltung ihres Dorfes mobilisiert

Dorfhelden bleiben weiter am Ball

Doris Steinkraus / 28.08.2012, 19:41 Uhr - Aktualisiert 29.08.2012, 09:05
Trebnitz (MOZ) Vor einem Jahr startete in Trebnitz das Projekt "Dorfhelden". Der Verein Bildungs- und Begegnungsstätte initiierte ein bundesweit erprobtes Projekt. Dessen Ziel ist es, dass Bürger in ihren Orten selbst die Initiative ergreifen. Am Montag fand die Abschlusspräsentation statt.

An diesem Abend ist einiges anders. Der letzte Tagesordnungspunkt rückt ganz nach oben. Denn eine der vier Arbeitsgruppen der Dorfhelden beschäftigte sich mit dem Thema Kochen. Damit kann jeder etwas anfangen. Und die Freude am Ausprobieren neuer Rezepte gibt es nicht erst seit diversen Fernseh-Kochshows. Mit Jürgen Huhn fand sich ein Mann vom Fach. Der pensionierte Koch gesteht, dass ihm das Ganze viel Spaß gemacht habe. In der Küche des Gemeindehauses wurden so einige kulinarische Leckereien gezaubert - meist internationale Küche. Zur Abschlusspräsentation haben die Akteure wieder Köstlichkeiten von überbackener Tomate bis hin zu Teigtaschen in Spinat gezaubert. Das soll nicht kalt werden, also wird erst gegessen.

Der Leiter des Schlosses Darius Müller berichtet, dass sich etwa 35 Bürger aus Trebnitz, Müncheberg und sogar aus Berlin in den vier Arbeitsgruppen eingebracht haben. Toll finde er die Einbeziehung der Jugendlichen, die Gäste im Schloss waren. Jürgen Huhn erzählt, dass ihm das Kochen mit den deutschen und polnischen Jugendlichen richtig gefallen habe. Völkerverständigung über den Magen, das ist doch mal was.

Die Koch-AG will sich auch nach Abschluss des von der Bundeszentrale für politische Bildung geförderten Dorfhelden-Projektes weiter treffen. Wie auch die Park-Aktivisten.

Marion Tauschke ist in dem Thema richtig aufgegangen. "Wir wollen den Park, der einst zu den schönsten in Preußen zählte, bekannt und erlebbar machen", sagt sie. In einem Schlossgespräch stellte der einstige Verfasser seine 1995 erarbeitete Doktorarbeit zum Park vor. Es gab Führungen, ein Flyer wurde erstellt. "Man redet wieder über den Park", sieht Marion Tauschke ein erstes Ergebnis. Es habe aber auch Ernüchterung gegeben. Denn nach ersten Gesprächen mit der Landes- und Kreisdenkmalpflege war schnell klar, dass auf dem Areal nichts ohne konkreten Maßnahmeplan verändert werden darf, sei es das Fällen morscher Bäume, die Herrichtung der Umfassung des alten Erbbegräbnisses der letzten Schlossbesitzer oder das Aufstellen von Bänken.

"Aber wir lassen uns nicht entmutigen", versichert die Parkheldin. Und erzählt von den nächsten Plänen: Kontaktaufnahme mit dem Müncheberger Schäfer, der im nächsten Jahr mit seinen Tieren einen Teil des Parks in ganz natürliche Pflege nehmen könnte, Gespräche mit den Forstfachschulen in Eberswalde und Staroscin und der AFG Letschin bezüglich möglicher Projekte, Parkseminare, bei denen die Teilnehmer selbst zupacken, Beschilderung, die bildnerische Auflistung botanischer Kostbarkeiten im Park, Führungen für Teilnehmer der Jugendprojekte im Schloss und vieles mehr. Die Doktorarbeit könnte Grundlage für einen Maßnahmeplan werden. Alle wollen weitermachen.

Wie auch die Akteure der AG Bahnhof. Christina Krüger berichtet von den Gesprächen mit der Interessengemeinschaft Ostbahn (IGOB). Das Bahnhofsgebäude steht zum Verkauf. Ferienwohnungen, Radausleihe, Kiosk, Gewerberäume - all das wäre möglich. Die IGOB will bei der Suche nach Investoren helfen. A und O sei der Stundentakt. Nur dann werde der Bahnhof attraktiv. Die Entscheidung dazu wird noch in diesem Jahr fallen, denn der Nahverkehrsplan des Landes soll demnächst vorliegen. Die Müncheberger Stadtverordneten hatten der Forderung des Trebnitzer Ortsbeirates nach einem Stundentakt einmütig zugestimmt. Ebenso dringend notwendig ist die Bahnhofsumfeldgestaltung. Dafür kann Müncheberg Fördermittel beantragen. Bürgermeisterin Uta Barkusky gesteht allerdings, dass es schwierig sein wird, Eigenanteile aufzubringen. Bisher habe das Projekt Bahnhof nirgendwo auf einer Liste gestanden. Ortsvorsteher Peter Buch, der in der AG mitwirkt, will das nicht gelten lassen. Der Bahnhof sei das Einfallstor für Trebnitz. Allein das Schloss habe jährlich mehr als 2000 Gäste. Viele Radler passierten den Ort. Er berichtet von Gesprächen mit Neuhardenbergs Bürgermeister Mario Eska. Auch für den Nachbarort wäre eine Aufwertung des Bahnhofes wichtig und interessant. Man will sich die Neuhardenberger als Verbündete an die Seite holen.

Die vierte Arbeitsgruppe widmete sich der generationsübergreifenden Arbeit im Ort. Jutta Lawrenz erinnert an das erste Erzählcafé im Gemeindehaus. Die Resonanz war großartig. Es gab Bastelnachmittage. Nächsten Freitag gibt es wieder einen Treff. Man denkt an Handarbeitstage und zum Andreasfest des Schlossvereins könnte man Laternen basteln. Es sei etwas schwieriger, die Leute dafür zu mobilisieren, gesteht Jutta Lawrenz. Aber bis zum Jahresende wolle man noch einige Angebote schaffen. Werden die angenommen, könne es weitergehen.

Letzteres ist der größte Gewinn für das Dorf. Das Schloss als architektonischer Mittelpunkt des Ortes habe sich weiter für die Bürger geöffnet, werde angenommen, sagt Darius Müller. Eine Tendenz, die allen Seiten nütze. Denn wer sich einbringe, nehme teil am Dorfleben, helfe, es trotz aller Sparzwänge lebenswert zu gestalten. Manchmal bedarf es nur eines Anstoßes, um der Gemeinschaft neue Impulse zu geben. Das ist den Trebnitzern bestens gelungen.

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