Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Tilman Kohls und Nils Becker aus Erkner sind erfolgreich im Schachboxen

Erst denken, dann schlagen

Schwerer Stand: Der Erkneraner Nils Becker wird von Tim Bendfeldt (Kiel) in die Ecke gedrängt. Am Ende siegte Becker
Schwerer Stand: Der Erkneraner Nils Becker wird von Tim Bendfeldt (Kiel) in die Ecke gedrängt. Am Ende siegte Becker © Foto: MOZ
Kai Beißer / 01.09.2012, 07:00 Uhr
Berlin (MOZ) Die heimliche Hauptstadt des Schachboxens ist - Erkner. Nils Becker und Tilman Kohls, beides ehemalige Schüler des Carl-Bechstein-Gymnasiums, haben sich mit vorzeitigen Siegen beim Meisterschafts-Abend des Chess Boxing Club Berlin ihre ersten Titel gesichert. Und das auf spektakuläre Weise.

Die rund 300 Zuschauer in der Platoon-Halle in der Schönhauser Allee jedenfalls waren unüberhörbar begeistert. Allerdings war es beim Hauptkampf kurzzeitig recht still geworden, als der Kieler Tim Benfeldt mit dem Gong, der das Ende der ersten Box-Runde verkündete, in seiner Ringecke zusammensackte. Becker hatte den Kehlkopf des Norddeutschen getroffen, der 31-Jährige rang minutenlang nach Luft. So war die Freude des Deutschen Meisters im Halbschwergewicht etwas getrübt. Die Ringärztin war jedoch schnell zur Stelle, kümmerte sich um Beckers Gegner, der den Erkneraner boxerisch ziemlich unter Druck gesetzt hatte.

"Natürlich bin ich froh, dass ich gewonnen habe. Ein bisschen anders hatte ich mir das aber schon vorgestellt", sagte Nils Becker. Anschließend ging es auf zur Party-Runde - den 24. Geburtstag (nach)feiern. Darauf hatte er in Vorbereitung des Kampfes wohlweislich verzichtet.

Der Erkneraner, der in Gießen Energietechnik studiert, war einst Deutscher Mannschaftsmeister im Schach, spielte für Glück Auf Rüdersdorf in der 2. Bundesliga. Seit drei Jahren hat er sich dem Schachboxen verschrieben. In der Gegensätzlichkeit der Sportarten liegt dabei der besondere Reiz.

Am Brett wird eine Blitzschachpartie gespielt, in der die Gegner in der Regel zwölf Minuten Bedenkzeit haben. Allerdings nicht am Stück. Denn nach jeweils vier Minuten heißt es, die Kopfhörer, die vor störenden Geräuschen, aber auch allzu eifrigen Vorsagern schützen, abzusetzen und die Boxhandschuhe überzustreifen. Gekämpft wird maximal fünfmal drei Minuten. Das Duell endet durch Knock out, Aufgabe, Schach matt oder Zeitüberschreitung am Brett.

Tilman Kohls, Jura-Student in Potsdam, bestritt seinen Premieren-Kampf. Und auch dieser endete in Box-Runde 1. Sven Püschel, ebenfalls ein Debütant, hatte der Schlagkraft seines entschlossen daherkommenden Kontrahenten nichts entgegenzusetzen und ging klassisch K.o. Kohls war entsprechend happy.

"Besser hätte es nicht laufen können. Ich trainiere ja noch nicht allzu lange." Bei der Suche nach einem sportlichen Ausgleich zum Studentenleben war er auf das Gym des Chess Boxing Clubs gestoßen. "Das ist genau meins", sagte sich der 21-Jährige. Jetzt darf er sich also Berliner Meister nennen. Und es wird bestimmt nicht sein letzter Kampf gewesen sein. Auf dass der Ruf Erkners als deutsche Schachbox-Hauptstadt noch oft manifestiert werde.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG