Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Frauen-Literatur nicht nur für die Frauen

Uwe Spranger / 04.09.2012, 20:43 Uhr
Strausberg (MOZ) Die promovierte Deutschlehrerin Margrit Woitzel will Strausbergern in nächster Zeit arabische Literatur näherbringen. Einer ersten Lesung im April im Café Litera sollen nun weitere folgen, die Erste im Oktober.

Ein Zeitungsbeitrag in der FAZ hat Margrit Woitzel auf die Spur des Arabischen Frühlings in der Literatur gebracht. Sie lernte darin den vom Palästinenser Abdul Rahman Alawi gegründeten Alawi-Verlag kennen. Acht Bücher sind von ihm bislang in den Handel gekommen, allesamt von Autorinnen aus dem arabischen Raum geschrieben.

Die Pädagogin im Ruhestand hat alle gelesen und hält sie wert, breiter publik gemacht zu werden. Denn sie seien geeignet, die von den Medien nicht immer richtig widergespiegelte derzeitige Situation, aber auch Lebensweise und Kultur besser zu verstehen, Vorurteile abzubauen. Sie hat ihre Idee zunächst mit ihrem Mann besprochen. Mit dem war sie Anfang der 1970er drei Jahre im Irak. Sie bezeichnet diesen Abschnitt als "prägende Jahre". Dadurch sei sie mit der Lebensweise in der arabischen Welt vertraut, kenne auch den Islam.

Als Nächster wurde Buchhändler Falko Micklich eingeweiht, von dem ebenfalls Zustimmung kam. Es folgte ein Schreiben an den Verlag und letztlich ein Treffen mit der Autorin Mai Khaled bei der Buchmesse in Leipzig. "Sehr sympathisch", bescheinigt Margit Woitzel der zur ägyptischen Oberschicht gehörenden Schriftstellerin, Literaturübersetzerin und Radio- und Fernsehjournalistin.

Deren Buch "Zauber des Türkis" (2006) hatte sie sich zuerst vorgeknöpft. Darin werde ein Abbild der doppelbödigen islamischen Gesellschaft aus der Sicht der Frau gezeichnet, fasst die Strausbergerin zusammen. Nach einem Selbstmordversuch fällt eine Frau ins Koma, doch das werde nur als Mittel benutzt, um alles sagen zu können, hat die Lehrerin analysiert. Knapp 40 Interessierte erlebten die Premiere im Literaturcafé.

In Folge zwei am 26. Oktober soll es um die Familiensaga "Ebenholz" von Rosa Yassin Hassan gehen. Der Roman begleitet Frauen aus fünf Generationen im 20. Jahrhundert und sorgte bei seinem Erscheinen für Aufsehen. Das syrische Kulturministerium hatte ihn zwar ausgezeichnet, jedoch in der arabischen Ausgabe Passagen gestrichen, die sich mit Sexualität befassen. In Deutschland ist die Übersetzung des Originalmanuskripts veröffentlicht.

Allen Frauen sei gleich, dass sie sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden, erklärt Margrit Woitzel. Ihnen sei klar, wenn sie ihre Sache nicht selbst in die Hand nehmen, passiert nichts.

Es gehe zwar in allen Büchern um Frauenschicksale, doch sollten ihre Vorstellungen durchaus "keine Frauenveranstaltungen" werden, erklärt die Strausbergerin. Mitte Oktober ist übrigens ein "Ausflug" mit dem "Zauber des Türkis" nach Hohenstein vorgesehen, und auch mit der AIK könnte sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen, so die Pädagogin. Sie bezeichnet die angedachte Reihe als "Versuch" fernab von Kommerz. Zu oft werde es die Leseabende nicht geben: Schließlich nehme sie sich vorab viele Stunden Zeit für eine ordentliche Analyse.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG