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Aus Sorge um den Bestand der Bildungseinrichtungen im ländlichen Raum lehnt der Kreistag ab

Ahrensfelde will eine Oberschule

Nach Unterrichtsschluss rein in den Bus: Auf zehn weiterführende Schulen im Barnim sind Ahrensfeldes Schüler verteilt. Wenn sie den Schulbus nicht nehmen, brauchen sie Stunden, um nach Hause zu kommen. Das hält viele davon ab, Bildungsangebote am Nachmitt
Nach Unterrichtsschluss rein in den Bus: Auf zehn weiterführende Schulen im Barnim sind Ahrensfeldes Schüler verteilt. Wenn sie den Schulbus nicht nehmen, brauchen sie Stunden, um nach Hause zu kommen. Das hält viele davon ab, Bildungsangebote am Nachmitt © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 07.09.2012, 07:30 Uhr
Bernau/Eberswalde (MOZ) Die Kitabedarfs- und Schulentwicklungsplanung 2012 bis 2017 für den Landkreis Barnim steht. Die umfangreiche Verwaltungsvorlage von mehreren hundert Seiten wurde am Mittwoch von der Mehrheit der Kreistagsabgeordneten befürwortet.

Ahrensfeldes Bürgermeister Wilfried Gehrke (CDU) hat extra seinen Urlaub unterbrochen, um bei der Kreistagssitzung an diesem Mittwoch dabei zu sein. Von der Zuschauertribüne meldet er sich in der Einwohnerfragestunde zu Wort. Seine Gemeinde möchte eine weiterführende Schule haben. Deshalb appelliert Gehrke an die Abgeordneten, die Planung zugunsten Ahrensfeldes zu ändern.

Einen entsprechenden Antrag hat die Bürgerfraktion Barnim/Bauernverband eingebracht: Der Kreistag möge für den Planungszeitraum 2012 bis 2017 die Entwicklung und Inbetriebnahme eines Schulstandortes für eine weiterführende Schule in der Gemeinde Ahrensfelde beschließen, schlägt sie vor. Fraktionsvorsitzende Oda Formazin, selbst in Ahrensfelde wohnend, begründet die Notwendigkeit mit den erheblichen Bevölkerungszuwächsen, die die fünf Ortsteile Ahrensfelde, Blumberg, Lindenberg, Eiche und Mehrow seit der Wende erfuhren. Die Einwohnerzahl beträgt mittlerweile 13000 und hat sich damit mehr als verdoppelt, sagt sie. Die Schülerzahlen in der Grundschule Blumberg, der einzigen in der Gemeinde, würden seit Jahren steigen. Allein in diesem Schuljahr seien dort 109 Kinder eingeschult worden. Doch wenn sie nach der 6. Klasse in eine weiterführende Schule wechseln müssten, hätten sie in der Gemeinde keine Möglichkeit dazu. "Ein wichtiger Baustein in der Sozialstruktur der Gemeinde, eine weiterführende Schule, fehlt."

Noch in den 1990er Jahren kämpften die Ahrensfelder Jahr für Jahr dafür, dass ihre Kinder Berliner Schulen besuchen dürfen. Doch in den letzten Jahren hat sich das Interesse der Eltern gewandelt. "Die Sozialstruktur in Marzahn ist der Grund", weiß Oda Formazin. Und außerdem würden die Berliner Schulen erst einmal die eigenen Kinder aufnehmen. "Könnten wir selbst entscheiden", sagt die Fraktionschefin der Bürgerbewegten im Namen der Gemeinde Ahrensfelde, "würden wir die Schule sofort planen und bauen".

Doch von den Linken im Kreistag kommt Widerspruch. "Folgen wir dem Wunsch Ahrensfeldes, müssen wir die Europaschule in Werneuchen schließen", sagt Fraktionsvorsitzende Margitta Mächtig. "Wir wollen aber auch im ländlichen Raum Entwicklung gewährleisten." Bildungsdezernent Jörg Mocek ist ähnlicher Auffassung. Eine weiterführende Schule in der Gemeinde Ahrensfelde hätte "gravierende Auswirkungen für den gesamten Raum", erklärt er. Betroffen wären neben Werneuchen beispielsweise auch die Oberschulen in Panketal und Bernau. Mocek ist sich sicher: "Die Kapazitäten an den Schulen im berlinnahen Raum reichen auch für die Ahrensfelder Schüler aus".

Das stellt Bürgermeister Wilfried Gehrke überhaupt nicht in Abrede. Allerdings beklagt er: "An den weiterführenden Schulen sind unsere Schüler außen vor". Über den Unterricht hinausgehende Bildungsangebote wie Arbeitsgemeinschaften oder Projekte seien für die Ahrensfelder tabu, weil der Schülerbusverkehr "nur so angelegt ist, dass er Geld einspart". Wer den Bus nach dem Unterricht nicht nehme, der komme nicht mehr nach Hause, weiß das Gemeindeoberhaupt. Auch der Mehrower Thomas Jakobs, der für die CDU im Kreistag sitzt, erklärt: "Die Eltern haben sich für Barnimer Schulen entschieden, weil sie dachten, der Schülerverkehr funktioniert. Was soll ich den Eltern sagen, warum ihr Kind nachmittags zwei Stunden von Bernau nach Ahrensfelde braucht?!"

"Wir haben kein Schülerkapazitätsproblem, sondern ein Infrastrukturproblem", gibt auch Dezernent Mocek zu. Da kommt der Antrag der Linken, vorgetragen von Klaus Springer aus Werneuchen, gerade recht. Ein neuer Passus soll in den Schulentwicklungsplan aufgenommen werden: dass der Landkreis die Pläne des Öffentlichen Personennahverkehrs auf die Schulstandorte abzustimmen hat, um diese dadurch im Bestand zu sichern. Die Mehrheit stimmt der Neuerung zu und lässt danach Ahrensfeldes Schulbegehr scheitern. Bürgermeister Gehrke verabschiedet sich mit dem Satz: "Wir lassen nicht nach. Die Diskussion hat heute erst begonnen".

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