Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ostbrandenburger beim Bürgerfest auf Schloss Bellevue

Bundespräsident Joachim Gauck spricht mit Gästen auf dem Bürgerfest.
Bundespräsident Joachim Gauck spricht mit Gästen auf dem Bürgerfest. © Foto: dpa
Doris Steinkraus / 09.09.2012, 17:57 Uhr
Seelow/Berlin (MOZ) Tausende Menschen strömten am Wochenende zum zweitägigen Bürgerfest in den Garten von Schloss Bellevue. Der Sonnabend war ehrenamtlich Aktiven vorbehalten, deren Einsatz Gastgeber, Bundespräsident Joachim Gauck, nachdrücklich würdigte.

Darius Müller ist einer von rund 4000 Frauen und Männern, die sich nach Berlin aufmachen. In der Tasche hat er eine Einladung von Joachim Gauck und Lebensgefährtin Daniela Schadt. Müller ist Bildungsreferent in der Jugendbegegnungsstätte Schloss Trebnitz (Märkisch-Oderland). Die Einladung gilt jedoch einem anderen Teil seines Wirkens. Der Trebnitzer hat Ehrenamtliche um sich geschart, mit denen er etwas für den Ort bewegen will. Dorfhelden nennen sie sich, nach einem von der Bundeszentrale für politische Bildung initiierten Programm. Sie kümmern sich in ihrer Freizeit um den Schlosspark, schmieden Pläne für dessen Wiederherrichtung, ebenso für den Bahnhof an der Ostbahn, der ein trauriges Dasein fristet. Es gibt eine Gruppe, die generationsübergreifende Kreativ- und Kochveranstaltungen organisiert.

Die Dorfgemeinschaft ist enger zusammengerückt, Menschen tun selbst etwas dafür, um ihren Ort lebenswert zu gestalten. So wie die vielen anderen, die an diesem Tag dort flanieren, wo sich sonst Staatschefs und Diplomaten treffen. Die Gäste werden durch das Schloss-Foyer in den dahinter liegenden Park geleitet. Es gibt Sekt zur Begrüßung. Als Gauck und Daniela Schadt die Schlosstreppe hinunterkommen, klatschen die Gäste Beifall. Es ist wie immer, wenn der Bundespräsident auftaucht. Die Menschen mögen ihn, warten schon auf seine Rede. Er treffe immer so gut den Nerv, sagt ein Bayer im schönsten Dialekt.

Gauck gibt den Ball erst einmal zurück. "Sie sind heute die Ehrengäste", sagt er. "Sie verschaffen diesem Land in unterschiedlichen Arbeitsfeldern Ehre." Er spricht von Parlament und Regierung, die unverzichtbar seien in einer Demokratie. Doch allein könnten sie die Herausforderungen der Gesellschaft nicht leisten. Nötig sei eine Bürgergesellschaft. "Wir brauchen mehr von dieser bürgerlichen Regsamkeit, mehr Mitwirkung und soziale Hingabe" appelliert er. Freiwilligkeit könne Hürden überwinden, Berge versetzen und neue Wege finden.

Gauck spricht auch das Thema Nachwuchs im Ehrenamt an. Man dürfe sich nichts vormachen. Mit ein paar bunten Plakaten sei das Problem nicht gelöst. Man brauche immer wieder neue Bündnisse, um auch Extremismus und Fanatismus wirkungsvoll zu begegnen. Dafür müssten sich Vereine und Verbände noch stärker mit den neuen Lebensstilen der jungen Menschen beschäftigen, um sie letztlich zu gewinnen.

Immer wieder applaudieren die Gäste dem Staatsoberhaupt, der prägnant, dabei ohne Pathos, drängende Probleme anspricht. Wie auch dem der Kinder- und Altenversorgung. So wie jedem Kind von Anfang an die bestmögliche Förderung zukommen sollte, dürfe sich auch niemand in seinen letzten Lebenstagen allein fühlen, mahnt er.

"Eine gute Rede", wie Darius Müller befindet. Gauck verstehe es, die Dinge klar zu benennen. Man spüre, dass er zu seinen Worten stehe. Schon der Titel seines Festes, das sonst als Sommerball im Protokoll stand, zeigt die Veränderungen im Amtssitz des Bundespräsidenten. Statt mit Mächtigen aus Politik und Wirtschaft oder Prominenten aus Show und Film trifft sich Gauck mit seinen Bürgern. Die genießen den Tag, das Programm auf den beiden Bühnen, die kulinarischen Köstlichkeiten. Sie nutzen auch das Angebot, durch das Schlosses zu wandeln, lassen sich im Amtszimmer des Präsidenten fotografieren oder von Starköchen erzählen, was bei Empfängen serviert wird.

Und weil Ehrenamtliche nicht anders können, stoppen viele auch vor den Ständen von Vereinen und Verbänden, lassen sich erzählen, wie sie ihre Arbeit organisieren. So wie die Akteure der Dorfakademie Höhenland des Vereins Landblüte (Märkisch-Oderland), bei denen Darius Müller Halt macht. Der Verein hat im vergangenen Jahr den Deutschen Bürgerpreis bekommen, berichten Diana Bandow aus Wölsickendorf und Inge Bock aus Alttrebbin. Weil sie Bildungsangebote für Groß und Klein schaffen.

"Ein interessanter und schöner Tag", befindet Darius Müller, der seinen Dorfhelden davon berichten wird und davon, dass diese Arbeit von vielen anerkannt ist.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Leserin 09.09.2012 - 19:14:29

Scheinwelt

Leider sprach der BP nicht aus, daß mit Ehrenämtern bezahlte Beschäftigungsverhältnisse umgangen werden und er keine Gesetze vorbereitet und verabschiedet. Und somit bleibt wieder die alte Scheinwelt übrig.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG