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Solarfeld beseitigt Altlasten

Martin Zembsch, Gesch‰ftsf¸hrer von Belectric, am 12.9.2012 auf dem Solarfeld Gro? Dˆlln.
Martin Zembsch, Gesch‰ftsf¸hrer von Belectric, am 12.9.2012 auf dem Solarfeld Gro? Dˆlln. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 12.09.2012, 19:38 Uhr
Groß Dölln (MOZ) In Groß Dölln (Uckermark) entsteht derzeit der größte Solarpark Europas. Er hat eine Fläche von 214 Hektar und soll später einmal 128 Megawatt Leitung erzeugen. Gebaut wird der Park vom bayerischen Unternehmen Belectric - mit Modulen von First Solar aus Frankfurt (Oder).

Belectric-Geschäftsführer Martin Zembsch liebt Superlativen: Er baue derzeit die größte Solaranlage auf der größten Landebahn Deutschland, sagt der Unternehmer. Und das alles in weniger als vier Monaten. Dafür müssen auf dem ehemaligen russischen Militärgelände alte Bunker und Kasernen abgetragen werden. Noch kostenintensiver sei die Beseitigung von Kerosin. Nicht zu vergessen der illegale Abfallhaufen. Für den Solarpark ließ Zembsch 1,5 Millionen Photovoltaik-Module ordern. Die meisten stammen von First Solar. Mit der Montage sind bis zu 500 Menschen beschäftigt. Für sie sind 300 Ferien- und Hotelzimmer in der Region angemietet.

Geschäftsführer Zembsch sagt, dass sein Unternehmen einen "größeren dreistelligen Millionenbetrag" in die Uckermark investiert hat. Erste Ergebnisse sind schnurgeraden Spiegelflächen - mehrere Hundert Meter lang. Wo einst russische Jagdflieger in die Lüfte stiegen, produzieren die extrem flachen Photovoltaikmodule auf ihren Gestellen elektrischen Strom. Gerade hat die Kreisverwaltung grünes Licht für die Baugenehmigung des notwendigen Umspannwerks gegeben. Von dort fließt der grüne Strom direkt nach Berlin. Ausreichend für eine Versorgung von bis zu 40000 Haushalten.

Das millionenschwere Projekt ist für den Templiner Bürgermeister Detlef Tabbert (Linke) ein Segen. Er sieht sich einer der größten Altlastensorgen ledig. Neben Kasernen, Bombenfunden und sonstigen Hinterlassenschaften der Roten Armee nimmt ihm Belectric rund 75000 Kubikmeter illegaler Altlasten einer insolventen Recyclingfirma ab. Der gigantische Haufen, abgelagert auf den Betonflächen des Flugplatzes Groß Dölln, stand einst in Flammen und kostete die Stadt über mehrere Monate allein zwei Millionen Euro an Löschkosten. Jetzt wird der herrenlose Abfallberg nahezu lupenrein sortiert, wiederverwendet oder auf Sonderdeponien gebracht.

Uckermark-Landrat Dietmar Schulze (SPD) versteht hinter dem weitläufigen Solarfeld weit mehr als nur wirtschaftliche Interessen. Es geht ihm um die Möglichkeit, durch Großinvestitionen schwierige Altlasten und Konversionsflächen beseitigen zu lassen. Die ohnehin anfallenden Ausgleichsmaßnahmen für Flächenversiegelungen könnten so sinnvoll an Ort und Stelle umgesetzt werden. Allein in der Uckermark existieren sechs solcher großen Abfallhaufen, deren Zukunft völlig ungeklärt ist. Die Entsorgungskosten gehen in die Millionen. "Solche Vorhaben der erneuerbaren Energien sind überhaupt der einzige Weg, den ich noch sehe, um die Altlasten nach so vielen Jahren endlich und kostengünstig loszuwerden", sagt der frühere Agrarstaatssekretär Dietmar Schulze.

Doch genau diese Möglichkeit steht momentan in Frage. Mit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wurde die bisher geltende Vergütung von Freiflächenanlagen über zehn Megawatt gestrichen. Faktisch über Nacht musste Belectric sein gigantisches Groß-Dölln-Projekt in einen Marathonlauf verwandeln, um das Projekt nicht sterben zu lassen. Die uckermärkischen Wirtschaftsförderer zitterten mit dem Unternehmen. Am Ende schaffte nur eine Übergangsfrist durch den Bundestag eine Notlösung. "Politisch ist das nicht haltbar", sagt Landrat Schulze. Seine Ansicht nach muss man bundesweit einen Bonus für Konversionsflächen schaffen"

Ohne zusätzliche Förderung oder EEG-Vergütung würde das bayerische Unternehmen Belectric heute nicht mehr in der Lage sein, eine Investition auf einer Altlastenfläche zu finanzieren. Allein das Grundstück, die Vorbereitungen und die Müllbeseitigung kosteten 30 Millionen Euro.

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K.T. 22.09.2012 - 10:27:09

128 Megawatt Blödsinn

Ich frage mich ernsthaft, wenn man den Blödsinn mit Wind und Sonne begreift. Das msn über 20 Jahre soviel technischen Blödsinn errichtet, hätte ich mir nie zu träumen gewagt. Geld macht es möglich. Wind und Sonne sind technisch nichts weiter als Gelddruckmaschinen.

uschi blume 13.09.2012 - 09:35:25

Pseudo Ökologie

Natur- Klimaschutz geht anders.. Das Vorgaukeln von angeblichem "Ökostrom", der Name ansich schon eine Fehldefinition, aber dennoch durch die Grünen und popuärpolitische Themen in der Gesellschaft unbedingt als chic geltend. Ich wir produzeiren "Öko" per Windkraft, per Solar?...Ökostrom ist für mich nur das Gezeitenkraftwerk. Schon seit dem !7Jahrhundert nutzte man diese Form der kinetischen Energieumwandlung effektiv....da is auch Öko drin, wo es drauf steht. Gerade die Wiondkraft kann ja ohne externe Stromzufuhr nicht ingang gebracht werden...ohne Kernkraft würden wir unseren Lebensstandart nicht halten können und genau diese Tatsache sollte man sich vor Augen halten, wenn man den Anbieter wechselt, weil der ja Ökostrom verkauft... Letzztlich dient es nur den großen Firmen, die bauen für gefördertes "Steuergeld" ihre Anlagenparks, verschandeln das Landschaftbild und wir kaufen diesen teuer erzeugten Strom dann wieder teuer ab, glanzleistung der Marktwirtschaft.

nonsens 13.09.2012 - 07:42:34

Ich kann nur KLARTEXT von gestern

dazu empfehlen. In dem Beitrag zur Windkraft wird eindeutig dargestellt, dass der Stromkunde 90% es NICHTPRODUZIERTEN Windstrom zu bezahlen hat. Die Windmüller verdienen also bei Windstille auch Geld. Gehts noch verrückter?

Isenhagen 13.09.2012 - 06:12:10

der ganze Artikel suggeriert etwas,

was gar nicht da ist. Das Solarfeld beseitigt keine Altlasten. All die Millionen von denen dort geredet wird, werden durch den Haushaltsstromkunden bezahlt und sonst durch niemanden. Stromerzeugung läuft nur bei Sonnenschein. Zu jeder Zeit müssen die traditionellen Kraftwerke daneben stehen und einschaltbereit sein. Das das technisch gar nicht in vollem Umfang möglich ist, kann jeder wissen der will. Da wird viel Strom gar nicht erzeugt, weil in Spitzensonnenzeiten kein Abnehmer da ist oder die Kraftwerke nicht so schnell runtergefahren werden können. Da werden riesige Vergütungen für gar nicht erzeugten Solarstrom gezahlt. Und nichts von diesen Millionen Kosten tragen der Bürgermeister von Templin, der Landrat oder Belelectric. Alles zahlt der Bürger als Stromkunde weil er mit gesetzlichen Kaufpreiserhöhungen vergewaltigt wird. Das ist nichts anderes als die Organisation von Beschäftigung und Staatseinnahmen auf Kosten des "kleinen Stromkunden", im Grunde eine illegale Stromsteuer. Die Industrie als Stromkunde ist ja ausdrücklich davon ausgenommen. All das mag die Politik dem Bürger nicht sagen, das mögen die Journalisten nicht schreiben, das will keiner wahrhaben weil die Gesellschaft verlogen ist, weil die Lüge für viele als Mittel zum Machterhalt nicht einmal mehr verrufen ist. Im Gegenteil, man beweihräuchert sich noch für diesen Wahnsinn auf Kosten des kleinen Mannes.

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