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Exkursion durch eines der Relikte des Kalten Krieges

Unterirdische Welt bei Biesenthal

Fabian Sauer / 08.10.2012, 20:08 Uhr
Biesenthal (Fabian Sauer) Eine abenteuerliche und informative Reise in die nahe deutsche Vergangenheit haben Besucher am vergangenen Wochenende in der Nähe Biesenthals erlebt. Auf einem abgelegenen Areal verbirgt sich dort unter Hügeln, Beton und Stahl einer der ehemaligen Schutzbunker der DDR, den Besucher besichtigen konnten.

Am Zugang zum Gelände, das einstmals militärisches Sperrgebiet war, parken bereits viele Wagen. Neben einer Gulaschkanone sammeln sich die Besucher für die nächste Führung. Eine bunte Truppe hat sich für die anstehende Tour zusammengefunden. Darunter finden sich Geschichtsbegeisterte und Technikfans, ehemalige DDR-Bürger, die sich einstige Staatsgeheimnisse ansehen wollen und sogar internationales Publikum.

Vor einem kleinen Häuschen steht Bunkerkenner Paul Bergner vor Karten, Grundrissen und Bauzeichnungen und leitet die Tour ein. Mit viel Fachwissen und einem gelegentlichen Späßchen umschreibt Bergner politische Gegebenheiten und nennt technische Fakten zum Bunkerbau in der DDR.

"Die Einführung macht Paul immer noch ganz gerne selber", erklärt Bunkerführer Paul Mutzdorf. Der 23-Jährige gehört gewissermaßen zum Nachwuchs der Bunkerinteressierten und führt seit rund fünf Jahren Besucher in den Untergrund. Die Einführung überlässt er gerne Paul Bergner. "Er hat da einfach das größere Fachwissen." Erst im Bunker übernimmt der junge Wandlitzer die Führung der Gruppe.

Bereits vor zehn Jahren war er zum ersten Mal im Bunker unterwegs. "Das war damals noch ein ganz anderes Gefühl. Wir waren nur mit Taschenlampen bei der Führung", erinnert sich Paul Mutzdorf. Mittlerweile wird der Bunker von Notbeleuchtung recht regelmäßig in dumpfes Licht getaucht. Durch dicke Stahlschotts und enge Gänge geht es in den Komplex, vorbei an Leitungen und Dekontaminationsduschen, Schlaf- und Arbeitsräumen.

Dabei macht sich auch der Zahn der Zeit mehr als bemerkbar. Schimmel und ungewollte Besucher haben über die Jahre ihre Spuren hinterlassen, doch beim Bau vor rund 45 Jahren galt der "Mielke-Bunker" als topmodern.

Unter diesem Gesichtspunkt bestaunt Lothar Heck aus Karlsruhe den Schutzbunker bei der Führung. "Ich habe früher in Kraftwerken gearbeitet", erzählt der 60-Jährige im unterirdischen Batterie- und Generatorraum. Beim Anblick der heute antiquiert wirkenden Schalter und Knöpfe überkommt Heck Nostalgie. "Ich fühle mich fast wie zu Hause", sagt Heck.

Auch Andreas Rettig steht fasziniert vor den Resten der technischen Ausstattung. Der 33-Jährige ist spontan mit einigen Freunden zur Bunkerführung gekommen. Abgelegene Orte interessieren den Geocacher von Hause aus. "Ich finde sowas sehr spannend, Orte, die man sonst nie zu Gesicht bekommt", erzählt der 33-Jährige.

"Mich interessiert auch die Geschichte, von dem Teil Deutschlands, den man damals nicht besuchen konnte", ergänzt Lena Knote. "Es ist das Interesse an der allgemeinen Geschichte hinter dem Bau der Bunker, nicht so sehr das Militärische, das mich reizt", erzählt die 29-jährige Stahnsdorferin.

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