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NEB-Geschäftsführer sieht im laufenden Vertrag wenig Chancen auf Besserung / Verhandlungen mit Land

Ostbahn im Berufsverkehr oft überfüllt

Modern, aber schon vom Markt: Auf der NE 26 zwischen Berlin-Lichtenberg und Kostrzyn verkehren fünf Talent-Züge. Sie werden nicht mehr hergestellt. Schon ab Seelow-Gusow (Foto) ist der Zug zu den Berufspendler-Zeiten voll.
Modern, aber schon vom Markt: Auf der NE 26 zwischen Berlin-Lichtenberg und Kostrzyn verkehren fünf Talent-Züge. Sie werden nicht mehr hergestellt. Schon ab Seelow-Gusow (Foto) ist der Zug zu den Berufspendler-Zeiten voll. © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 10.10.2012, 20:15 Uhr
Seelow (MOZ) An der Bedeutung der Ostbahn zweifelt inzwischen niemand mehr. Im Gegenteil. Der Zuspruch ist mittlerweile so groß, dass die Züge in Spitzenzeiten nicht ausreichen. Eine Entlastung ist vorerst aber nicht in Sicht.

Die Geister, die man rief, könnte man zur Entwicklung auf der Ostbahn sagen. Über Jahre wurde dafür geworben, die Schiene statt Straße zu nutzen. Land, Kreis sowie die Kommunen Rehfelde, Müncheberg und Gusow-Platkow haben viel Geld investiert, um die Bahnhofsbereiche auf Vordermann zu bringen. Sie bieten beste Bedingungen für Parken und Reisen. Dem stehen immer vollere Züge und damit wenig angenehme Zug-Dienstleistungen entgegen.

"Die Beschwerden häufen sich", bestätigt Karl-Heinz Boßan, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft, die seit Jahren auf allen Ebenen erfolgreich Lobbyarbeit für die Ostbahn betreibt. "Das, was jetzt passiert, macht die Arbeit der Interessengemeinschaft der letzten Jahre zunichte, und ist sicher nicht politisch gewollt", sieht es Boßan. Vor sechs Jahren gab es immerhin schon knapp 7000 Ein- und Aussteiger pro Tag. Inzwischen sind es täglich rund 10 000. Die Fahrzeugflotte der Niederbarnimer Eisenbahn Betriebsgesellschaft (NEB) ist indes gleich geblieben.

Die Chancen, dass sich bald etwas ändert, sind gering, gesteht NEB-Geschäftsführer Detlef Bröcker. Seit 2006 bedient die NEB die Strecke Berlin-Lichtenberg-Kostrzyn. Das Land hatte dem Unternehmen den Zuschlag für ein ganz konkretes Leistungspaket auf dieser Zugverbindung erteilt. Von Jahr zu Jahr stieg dann die Zahl der Kunden. "Wir haben entsprechend des Vertrages die Fahrzeuge beschafft", erklärt Bröcker. Das seien zunächst vier Talent-Züge gewesen. Wegen der steigenden Nachfrage wurde noch ein fünfter geordert. Mehr allerdings gingen nicht.

"Man kann Züge nicht wie ein Auto irgendwo kaufen", erklärt der Geschäftsführer. Zudem würden die jetzt eingesetzten Talent-Züge auf Dieselbasis nicht mehr gebaut. "Das heißt, wir können auch keine anderen ergänzenden Züge beschaffen. Die wären mit den vorhandenen nicht kompatibel."

Eine dauerhafte Lösung brächte nur die Neubeschaffung einer ganzen Fahrzeugflotte. Was wiederum viel Geld kostet. Das Land bestellt Leistungen auf der Schiene, sichert auch den größten Anteil bei der Neubeschaffung von Zügen. Derzeit läuft gerade die Auswertung der Neuausschreibung für die Strecke. Die Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen. Erhält die NEB wieder den Zuschlag, würden die neuen Verträge erst ab Dezember 2015 greifen. Bröcker bestätigt, dass die hohe Auslastung der Strecke registriert und auch in der Neuausschreibung durch höhere Leistungsangebote in Spitzenzeiten untersetzt ist. Das Problem bildet der gegenwärtige Zustand. "Im Berufsverkehr stoßen wir derzeit an unsere Grenzen", räumt der Geschäftsführer ein. Man sei bereits mit dem Land in Verhandlung, um vor allem bei den Abendzügen Entlastung zu schaffen. Nötig sei ein sechstes Fahrzeug, um das man sich derzeit intensiv bemühe.

Selbst, wenn das Land mehr Geld für den laufenden Leistungsvertrag zur Verfügung stellen würde, könnte die NEB ohne ein weiteres Fahrzeug keine zusätzlichen Entlastungszüge einsetzen. Man wolle dennoch durch Umorganisation in nächster Zeit die Situation für die Bahnkunden entkrampfen.

Der Regionalzug wird mittlerweile auch von vielen Strausbergern genutzt. Mit ihm sind sie schneller aus Berlin am Heimatort als mit der S-Bahn. Aber auch bis Müncheberg und Seelow-Gusow sind die Züge zu Spitzenzeiten brechend voll. Der Kreis hat in seiner Stellungnahme zum Landesverkehrsplan ebenfalls darauf aufmerksam gemacht und Unterstützung gefordert.

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E. Gal 12.10.2012 - 22:46:48

NEB / NOB

Die Nord-Ostsee-Bahn, wie die NEB ein Unternehmen von Veolia, hat kürzlich einige Regionalstrecken im Netz Nord in Schleswig-Hilstein verloren. Die Strecken (Kiel - Husum - St. peter-Ording) wurden ebenfalls mit Talent 1-Zügen bedient. Wo sind die nun im Konzern abgeblieben? Die DB fährt jetzt diese Strecke, ebenfalls mit talent 1. Einfach umlackiert? In Niedersachsen kauft eine landesverkehrsgesellschaft die Fahrzeuge und stellt diese dem jeweiligen Betreiber zur Verfügung. So wechselten eine regionallinien letzten Dezember von der Euro-bahn zur NordWestBahn (inkl. Personal und Züge). Dieses prinzip ermöglicht es auch Eisenbahnunternehmen ohne eigenem Fuhrpark an den Ausschreibungen teilzunehmen und sichert langfristig die Qualität der Fahrzeuge.

Bahnhofsanwohnerin Illis 11.10.2012 - 11:55:21

echt geil

wie das im bevölkerungsarmen rand des landes brandenburg so ab läuft. da wohnen auf dem lande so viele berufstätige menschen und "alle" pendeln mit dem zug in den ballungsraum berlin. eine tolle realität im "tollhaus".! und keiner meckert weil sich jeder selbst der nächste ist!

Strausberger Bürger 11.10.2012 - 01:36:18

Kein Wunder,

der Bedarf ist da!!! Strausberg mit seinem 40'-(Folge-)Takt schafft Nachfrage. Die höchst störanfällige S(chleich)-Bahn nach SRB "gegen" den im Praktischen zuverlässigen (Privat-Schnell-)Zug... Aber die (ehemalige Bundes-) Bahn plant ja "schon",natürlich nicht auf ihre Kosten. Vielleicht bekommen wir denn wirklich irgendwann nach 2015 einen 20'-Takt mit "regelmässigen" Verspätungen und Wegfall einzelner fahrplanmässigen Verbindungen bis SRB-Nord?, so wie erst Dienstag diese Woche... - dann haben wir wenigstens einen REALEN 40'-Takt - TOLL!!! Jetzt haben wir erstmal eine für den Strassenverkehr entschärfte Sprungschanze in SRB-Stadt bekommen, mit Dusche für Fussgänger und Radfahrer bei etwas stärkerem Regen inclusive - bereits getestet -, auch TOLL!!!

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