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Georgenhospital wird belebt

Im Moment kein Schmuckstück: Das Georgenhospital an der Berliner Straße soll bis 2014 in den alten Glanz versetzt werden.
Im Moment kein Schmuckstück: Das Georgenhospital an der Berliner Straße soll bis 2014 in den alten Glanz versetzt werden. © Foto: Heinz Kˆhler
Frauke Adesiyan / 11.10.2012, 19:27 Uhr
Frankfurt (MOZ) Für 2,85 Millionen Euro soll das ehemalige Georgenhospital saniert und zu einem Begegnungshaus für ausländische Studenten umgebaut werden. Minister Jörg Vogelsänger übergab gestern die Fördermittelbescheide.

Die Schecks von Bauminister Jörg Vogelsänger (SPD) gaben den Startschuss für ein bauliches Großprojekt in der Lebuser Vorstadt. Das seit fast 20 Jahren leer stehende und verfallende Georgenhospital an der Berliner Straße soll saniert werden. Rund 1,7 Millionen Euro Fördermittel überbrachte dafür der Minister; weitere 700 000 aus dem Stadtumbau kommen noch dazu, versprach Vogelsänger. Damit muss die Stadt knapp 500 000 Euro des etwa 2,85 Millionen Euro teuren Vorhabens selbst aufbringen.

"Neben den Fördermitteln hat es politischen Mut und die richtigen Partner gebraucht, um dieses Projekt anzugehen", sagte Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) gestern. Er bezog sich damit vor allem auf das Studentenwerk, das das Haus nach Fertigstellung von der Stadt pachten wird und als Begegnungsstätte vor allem für ausländische Studenten nutzen will. "Wir haben über 200 Partneruniversitäten an der Viadrina, die Teilnehmerzahlen steigen", schilderte Gudrun Hartmann, Geschäftsführerin des Studentenwerks den Bedarf. Um den zu erfüllen, entstehen bis 2014 27 Apartments und Begegnungsräume. Erschlossen werden soll das Haus von der Oderpromenade statt der Berliner Straße.

Verantwortlich für die Sanierung ist das Architekturbüro Nülken, das in Frankfurt schon viel Erfahrung bei der Sanierung von alten Beständen gesammelt hat - zuletzt beim ehemaligen Friedrichsgymnasium. "Den Reiz macht die gleichzeitige denkmal- und funktionsgerechte Sanierung aus", verdeutlichte Christian Nülken. Des teilweise schlechten Zustandes vom Georgenhospital ist sich Nülken bewusst. In den Balken sitzt der Hausschwamm und der Baugrund ist durch die Odernähe schwierig. Auch aus diesem Grund hat man sich dagegen entschieden, den Dachboden auszubauen und sich auf die zwei Etagen beschränkt. "Seit der Errichtung im 18. Jahrhundert ist hier nichts gemacht worden", verdeutlichte der Architekt den Zustand. Dadurch sei zwar viel alte Substanz erhalten, die Arbeit nun aber umso teurer. Als Beispiel für die alten Zeugnisse verwies Nülken auf die Befeuerungsluken zwischen den Gängen und Zimmern, die im Dachstuhl in schräg aufeinander zulaufenden Schornsteinen münden und einst für Wärme im Haus sorgten.

"Wenn das was wird, ist ein Kernstück der Lebuser Vorstadt wiederhergestellt", freute sich gestern Denkmalschützer Christian-Ullrich Dinse über die beginnende Sanierung. Seit vielen Jahren hatte Nülken sich darum bemüht. Dafür musste das in den 90er-Jahren für eine Mark verkaufte Haus aber zunächst in städtischen Besitz zurückkehren. "Hätte uns Herr Dinse nicht immer gesagt, wie wertvoll dieses Haus ist, stünden wir heute nicht hier", würdigte Baudezernent Markus Derling (CDU) gestern den Einsatz Dinses.

Als besonderen Partner haben das Studentenwerk und die Stadt eine amerikanische Stiftung gewonnen. Vertreter der Max Kade Foundation seien bei einer Besichtigung "ganz beeindruckt" gewesen, berichtete Wilke gestern. Auch wenn noch nicht die letzte Unterschrift gesetzt wurde, sei man optimistisch, dass von dort zusätzliche Unterstützung komme. In welcher Höhe Geld fließen soll, wollte Wilke noch nicht sagen.

Die Stiftung fördert Begegnungsorte für Deutsche und Amerikaner. Unter anderem in Berlin, Potsdam, Dresden und Weimar existieren bereits solche Häuser. Als Gegenzug für die Unterstützung stellt das Studentenwerk sicher, dass ein gewisser Prozentsatz von Zimmern für amerikanische Studenten reserviert ist. Die Organisation geht auf den deutschen Pharmazeuten Max Kade zurück, der 1907 in die USA auswanderte, dort als Hersteller von Hustenmedizin erfolgreich war und sich für die deutsch-amerikanische Verständigung einsetzte. 1967 starb Kade und wurde in seiner alten Heimat Schwäbisch Hall beerdigt.

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Neumann 19.04.2013 - 20:10:07

Ein Segen für Frankfurt

Man kann die Frankfurter Denkmalspfleger für den Erfolg nur gratulieren. Endlich wieder mal ein Kleinod unter den Denkmalen gerettet. Wer sich schon einmal um die Rettung eines Denkmals und um Beschaffung der Mittel dafür bemüht hat, weiß diesen Segen zu schätzen.

Buchhalter 13.10.2012 - 18:54:50

Georgenhospital als Geldvernichter

Nach der Vorlage wird das Georgenhospital auch in den nächsten 20 Jahren nur ein Zuschussgeschäft bleiben ... Danke liebe Abgeodnete für euer Votum !

Dudo 12.10.2012 - 22:54:57

Mal im Allgemeinen und dann zum Thema

Dies ist eine Kommentarfunktion! a) Stadtumbau ... in den Abrissgebieten hätte dieser Vorrang und nicht wenn einer um die Ecke dort schreit "Wir brauchen eine Marina" ... beste Beispiele zum Schreien und Umstzung zeigen andere Stadtgebiete vor allem zwei! b) ich nörgle nicht, aber der Haushaltssituation gäbe es für den Mieter (der sich nie rechnet) andere Alternativen. Das Projekt ist unwirtschaftlich und brachliegende "Bürogebäude" gibt es massig in dieser Stadt! Auch sehr Zentral und auch fast an der Uni. (AUCH DENKMÄLER!) Man hätte das Gebäude ja auch wohnungswirtschaftlich zuführen können. Investitionen sicher immer gerne aber nachhaltig und zum richtigen Zeitpunkt. Betrachtet doch mal das Nachbargebäude bereits mit Notlösungen ... und weitere Ruinen in der Gegend und vor allem dort die Mietpreise. Die steign sicherlich nicht durch di Sanierung des Gebäudes und auch sicherlich auch wenig Investitionsbereitschaften für fast zerfallenen Ruinen. Kein Eigentümer könnte seine Ruine dort wirklich verkaufen. Er müsste noch drauf zahlen, dafür das er von Grundsteuerlasten, Unterhalt, Sicherungsmaßnahmen Satzungspflichten etc. endlich befreit ist. Investitionen müssen auch einen nachhaltig wirtschaftlichn Sinn haben und nicht Einzelinteressen folgen. Die 700.000 + Eigenanteil der Stadt häten auch in andere Stadtgebiete fließen können u.a. auch in Neuberesinchen. Es ja ehe alles schon durch, also keinerlei Diskussion mehr wert. Aber wer kein Geld hat, schmeißt mit vollen Händen heraus ... an wen auch immer. Sicherlich ist die Uni ein Wirtschaftsfaktor, aber kein Pseudo für ... und für alles fragwürdige. Egal ist abgeschlossen das Thema und das Geld fließt. Obs reicht? Sicherlich nicht ...

Captain America 12.10.2012 - 21:44:13

@Mo

Ihr Eintrag zeigt überdeutlich die eingeschränkte Sicht, die Sie auf Entwicklungsprozesse in der Stadt haben. Stadtumbau ist eben nicht nur Abriss, hätten Sie einen Blick in die -öffentlichen- Konzepte zum Stadtumbau geworfen, wüssten Sie das. Es geht um die Anpassung der Stadt an die sich vollziehenden demographischen Prozesse. Die Reduzierung des Leerstands erfolgt zum größten Teil am Rand der Stadt (wo auch sonst?), die Aufwertungsmittel (jaja, die gibt es auch im Stadtumbau) werden in zentralen Bereichen, die eine langfristige Perspektive haben investiert. Was gibt es da besseres, als ein historisches Gebäude (noch dazu das älteste,was in FF noch rumsteht), welches zukünftig von der Uni (dem einzig verbliebenen Wachstumsfaktor in der Stadt) genutzt wird? Schön auch, dass damit ein wichtiges städtebauliches Scharnier zwischen nördlicher Innenstadt und Lebuser Vorstadt einer Funktion zugeführt wird. Wenn dann noch private Investitionen im Umfeld folgen, hat der Einsatz der Fördermittel zusätzlichen Sinn.

Befürworter 12.10.2012 - 13:48:54

Gute Sache !

Die Sanierung des Georgenhospitals kann nur begrüßt werden. In Frankfurt (Oder) wurde leider schon viel zu viel abgerissen. Auch in den sechziger und siebziger Jahren. Hätten wir nicht noch das Rathaus , die Hauptpost, die Marienkriche und das Uni-Gebäude, wäre die Identität der Stadt ganz verloren. Leider hatten die kommunistisch geführten Stadtplaner noch den Rest Innenstadt platt gemacht und eine kommunistische Marschierstraße mit der "Magistrale" errichtet. Bei einer schon früher erfolgten Sanierung und einem historischen Aufbau von Frankfurt (Oder), gäbe es viel Sehenswertes. Deshalb brauchte die Stadt noch viele, viele Fördermittel für eine weitere Sanierung von Gebäuden. Viel Glück bei der Sanierung des alten Hospitals.

ROESSLGAENGER 12.10.2012 - 10:56:16

Etwas Idealismus

das ist der Unterschied, zwischen einem Frankfurter , der seine Stadt liebt und einigen Dauernörglern, denen man wirklich nichts recht machen kann. Natürlich wäre es am einfachsten gewesen, den ,,Kasten" abzureißen und für überschaubare(?) Kosten einen Gesichtslosen Neubau hinzuklatschen, was aber vermutlich etlichen Kommentatoren auch wieder nicht recht gwesen wäre. Ich denke schon, dass wir mit der jetzigen Lösung recht zufrieden sein dürfen. Ein stadtbildprägendes historisches Gebäude wird hoffentlich in neuem Glanze erstrahlen. Bedingt durch Krieg und sozialistische Städtebaupolitik gibt's davon nicht so viel in unserer Stadt. Nochmal zu Privatinvestoren- von denen hatte sich ja einer bereits an besagtem Gebäude versucht- mit wieviel Erfolg können wir täglich ,,bewundern"!

kubu 12.10.2012 - 08:50:04

@SC

Tja so ist der Frankfurter eben, man kann es ihm nie recht machen.

SC 12.10.2012 - 07:49:18

Ich find es gut...

...mal hacken alle auf die 'Schmuddel-Ecken' in Frankfurt rum - dann wieder, dass nichts los ist und jetzt, wo sprichwoertlich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen werden, ist es auch wieder nicht Recht.

MO 11.10.2012 - 23:12:12

???????

"700 000 aus dem Stadtumbau " kommen dazu... Was hat das mit Stadtumbau zu tun? Welcher abgerissenen Mieter wohnt dort? Welche Wohnqualität schaftt es für Mieter in einer unbewohnten Ruine nebenan? Sind die Fördermittel "Stadtumbau" nicht mehr zweckbestimmt oder eine Finanzierungsform einer "Begegnungsstätte" ? Ey mal ehrlich in Frankfurt haben wir echt andere Probleme als in so einen Sch... Geld reinzuschießen. Begegnen kann man sich auch in hunderte unvermietete Räume der Stadt ... Mal ehrlich und auch meine einzigste Frage dazu: Was fördert mit der Sanierung den Stadtumbau? Die bereits überdachte Notruine daneben?, das Allgmeinbild bis in die Jensch Straße hinein? Welcher geplanter Abrissmiter hat was davon? Was hat das Gesamtgebiet davon? Bei dem langen Leerstand : Schwamm? untragfähige Decken ? Sanierung von Kellerdecke über Trockenlegung bis hin zu einem Fass ohne Boden für die geringe Fläche. Nicht umsonst gab keine private Investoren. Okay ist ein Baudenkmal und solls auch sein. Aber wer schreibt da wie ab? Ein Privainvestor hätte andere Möglichkeiten. Aber wie will man steuergelder über Steuergelder abschreiben? Ist ja ehe alles schon entschieden. Also was soll es. Schmeißt die Kohle raus und schießt im nächsten Jahr zu. Der steuerzahler hat es ja ... Für 2,8 Millionen baut man mehr neu und sinnvoller. (oder ach selbst im WF IV sehr viel mehr allein aus dem Eigenmittelanteil und den Fördermitten)

Zweifler 11.10.2012 - 21:41:58

Die Hälfte hätte es auch getan,

. wenn man das Projekt einem privaten Bauherrn überlassen hätte. Und ich wette 100 Euro gegen einen Pflaumenstein, dass sich die Baukosten mindestens verdoppeln werden. Über die Bauzeit will ich erst gar nicht spekulieren.

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