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Das Haus der verrückten Ideen

Die Telefonzelle mit Pfiff: Die Rückwand des Häuschens lässt sich per Hebel bewegen. Dahinter versteckt sich ein zweiter Wohntrakt, in dem Frank Rosenbaum und seine Freundin Christina Noack aber nichts verändern wollen.
Die Telefonzelle mit Pfiff: Die Rückwand des Häuschens lässt sich per Hebel bewegen. Dahinter versteckt sich ein zweiter Wohntrakt, in dem Frank Rosenbaum und seine Freundin Christina Noack aber nichts verändern wollen. © Foto: MZV/Melzer-Voigt
Judith Melzer-Voigt / 12.10.2012, 18:11 Uhr
Fehrbellin (MZV) Der Schlaf bringt die Ideen - und diese werden dann so schnell wie möglich umgesetzt. Frank Rosenbaum und Christina Noack sind ein eingespieltes Team, was das angeht. Sie wollen nun ein privates Museum in Fehrbellin eröffnen.

Ein Haus, das voller Überraschungen steckt: Das ist wohl die treffendste Beschreibung für das große Gebäude, in dem Rosenbaum und seine Lebensgefährtin Noack sich in Fehrbellin eingerichtet haben. Schon von Weitem fällt vor allem eines auf: der chromglänzende Cadillac in der Auffahrt. Doch er ist längst nicht das einzige Ausstellungsstück, das bei Besuchern des späteren Museums für Staunen sorgen wird.

Die Eingangstür zur Wohnung des Paares ist unscheinbar, dahinter zeigt sich ihre ganze Leidenschaft dafür, verrückte und einzigartige Einfälle schnell in die Tat umzusetzen. Die Empfangshalle mit hoher Decke hat kurzerhand einen blassblauen Himmel bekommen. Links befindet sich die offene Küche, darüber Fenster samt Fensterläden. Die sind zwar nur aufgemalt, aber der Besucher kann regelrecht spüren, wie sich die Blicke neugieriger Nachbarn hinter den Gardinen auf ihn senken. Geradezu steht eine einladende Tafel. An den Wänden zieht sich eine Reihe mit Dachpfannen entlang: "Wir wollten, dass hier alles aussieht, als handle es sich um einen kleinen Marktplatz", erklärt der 49-jährige Rosenbaum. Und so sind die Türen zu Bad, Schlafzimmer und den anderen Räumen auch so gestaltet, als wäre jede von ihnen eine Eingangstür zu einem Haus - inklusive Klingelknopf.

Der ganze Flur ist terrakottafarben gefliest, rechts steht ein Motorrad - wie in einer kleinen Gasse mitten in Italien oder Spanien. Was darf da nicht fehlen? Die Kirche natürlich. Auch sie gibt es: Als Bild an der Wand mit einer echten Tür. Die hat der Autohaus-Inhaber Rosenbaum selbst gebaut, die Schnitzereien stammen von seinem Vater. Dahinter verbirgt sich aber keine Kapelle, sondern ein Umkleidezimmer.

Auch wenn sie noch so eindrucksvoll ist - Museumsgäste wollen die Beiden nicht durch ihre Privatwohnung führen. Doch der Flur ist per Glastür mit der Halle verbunden, in der all die ungewöhnlichen Schätze des Paares Platz finden werden. Gucken ist also erlaubt.

Die Idee, sich in Fehrbellin häuslich einzurichten, kam durch einen Zufall. Christina Noack stammt aus der Rhinstadt, hat aber vor einigen Jahren bei einem Seminar Frank Rosenbaum kennen und lieben gelernt. Sie zog zu ihm nach Wedel bei Hamburg. Doch die Familie blieb in Fehrbellin und so kam es, dass es immer wieder Besuche in der Region gab, unter anderem bei Noacks Schwester, die genau gegenüber der Halle wohnt. Da kam Rosenbaum der Einfall, dass er ein solch großes Gebäude sehr gut gebrauchen könnte. Und wie das bei den Beiden so ist, wurde das auch schnell in die Tat umgesetzt: Das Paar kaufte das Haus bei einer Versteigerung.

"Vor der Wende wurden hier Landmaschinen und Traktoren repariert", sagt Christina Noack. Nach 1990 gab es wechselnde Besitzer. Doch keiner blieb lange - bis 2007 die beiden 49-Jährigen kamen.

Den Plan, vor Ort Autos, Musikboxen und mehr unterzubringen, gab es damals schon. Doch alles andere entstand nach und nach beim Bauen. Auch heute noch sind Rosenbaum und Noack damit beschäftigt: Eine zweite Halle wird an die erste angebaut, denn die vielen Autos brauchen Platz. Doch nicht nur Fahrzeuge - vom Mercedes-Oldtimer über den Trabbi bis hin zum Toyota mit Flügeltür - befinden sich dort. In der Ecke steht ein Teil der Einrichtung einer Kölner Kneipe. "Die habe ich mal ersteigert", erinnert sich Frank Rosenbaum. Eine alte Telefonzelle gibt es auch, und sie ist ein echtes Highlight der geplanten Ausstellung. Denn per Hebel lässt sich die Rückwand bewegen. Dahinter kommt ein langer Gang zum Vorschein, der zu einem weiteren Wohntrakt führt, den das Paar aber so lassen will, wie er ist: grau in grau, wie er schon zu DDR-Zeiten war. "Hier haben wir während der ersten Bauphase gewohnt", sagt Christina Noack.

Es ist nicht so, dass alle Ideen, die Rosenbaum und Noack haben, bis zum Ende umgesetzt werden. Der Durchbruch von der ersten zur zweiten Halle beispielsweise wurde wieder verputzt. Aber mit dem runden Fenster, das vom Ausstellungsareal aus einen Einblick in die Wohnung erlaubt, hat Frank Rosenbaum etwas vor: "Es soll mal der Mittelpunkt eines großen Auges werden", verriet er.

Geplant ist, dass der Autohaus-Inhaber und seine Freundin in zirka fünf Jahren nach Fehrbellin ziehen. Er will dann das Zepter im Geschäft in Wedel an seine Kinder abgeben. Doch schon am 18. Mai wird es eine erste große Veranstaltung im privaten Museum geben: Dann feiern die Beiden ihren hundertsten, wie sie sagen. Sowohl Frank Rosenbaum als auch Christina Noack werden 2013 nämlich 50 Jahre alt. Den Winter wollen sie bis dahin nutzen, um ihr Museum einzuräumen, denn es warten noch einige Autos, Musikboxen und andere Schmuckstücke darauf, von Wedel ins ferne Fehrbellin zu ziehen.

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