Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Regionaler Planungsausschuss berücksichtigt bei neuen Tabukriterien Bestandsschutz

1000-Meter-Abstand für Windkraft bleibt

Umzingelt: Crussower Perspektiven sind von Windrädern bestimmt, und es sollen immer mehr und höhere werden.
Umzingelt: Crussower Perspektiven sind von Windrädern bestimmt, und es sollen immer mehr und höhere werden. © Foto: MOZ
Daniela Windolff / 16.10.2012, 22:04 Uhr
Angermünde (MOZ) Bis auf 1000 Meter dürfen künftige Windräder an die Wohnbebauung heranrücken. An diesem Beschluss der Regionalversammlung vom Februar soll nicht gerüttelt werden. Nun diskutierte der Ausschuss nachträglich über Konsequenzen für bestehende Windfelder.

Den einen geht es ums Prinzip und um Glaubwürdigkeit, den anderen um Rechts- und Planungssicherheit. Bei allen geht es um den Mindestabstand von Windkraftanlagen zu Wohnbebauungen, über den seit Monaten in der Regionalen Planungsgemeinschaft Barnim/Uckermark heftigst gerungen und auch gestritten wird.

Mit einer grundsätzlichen, einheitlichen 1000-Meter-Tabuzone schien man einen akzeptablen Kompromiss gefunden zu haben, auch wenn dieser manchen Betroffenen nicht weit genug gefasst ist. In Crussow und Greiffenberg beispielsweise bläst heftiger Gegenwind von Bürgerinitiativen, die eine Abriegelung und technische Überfrachtung der Orte und Nachteile für die touristische Entwicklung des Erholungsortes Angermünde befürchten. In anderen Orten würde man dagegen in der Hoffnung auf lukrative Einnahmequellen Windräder gern noch dichter ans Dorf bauen. In Tantow könnte das seit 2007 geplante Windfeld an den Tabukriterien scheitern. Angesichts klammer kommunaler Kassen finden Windmüller nicht mehr nur bei Verfechtern regenerativer Energien Freunde. Und so ließ auch die jüngste Beratung des Regionalen Planungsausschusses am Montagabend in Angermünde kontroverse Meinungen und angeheizte Stimmung erwarten. Öl ins Feuer gegossen hatte ein Antrag von Frank Bretsch (SPD) und Gerd Regler (FDP) an die Regionalversammlung, der den im Februar gefassten 1000-Meter-Beschluss relativiert. Jens Koeppen (CDU) hatte aus Protest dagegen das Amt als Vorsitzender des Regionalen Planungsausschusses überraschend hingeworfen mit dem Vorwurf, den Beschluss aufweichen zu wollen und damit gegenüber den Bürgern an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Nun musste sich der Planungsausschuss erneut mit dem Thema auseinander setzen, denn der Beschluss vom Februar sei nach Auffassung von Bretsch und Regler nicht mit allen Konsequenzen zu Ende gedacht. "Es wird keine Rücksicht auf bestehende Windfelder gemacht. Wenn wir diese durch die 1000-Meter-Tabugrenze einengen, müssen wir woanders neuen Platz schaffen. "Wir dürfen jedoch keine Verhinderungsplanung machen", argumentierte Frank Bretsch.

Zwar hätten bestehende Windmühlen Bestandsschutz, es dürfte allerdings kein sogenanntes Repowering, keinerlei technische Veränderungen, Modernisierungen, Instandsetzungen mit neuer Technik geben. Rund 250 Anlagen wären betroffen, die nach der alten Regelung genehmigt wurden. Die gilt noch immer, solange kein neuer Windplan beschlossen ist. Das würde bedeuten, als Ersatz ganz neue Windeignungsgebiete ausweisen zu müssen, wo es jetzt noch keine gibt - mit allen damit verbundenenen Widerständen. Das würde dem Grundsatz der Regionalplanung - Erweiterung geht vor Neuausweisung - widersprechen. Demnach soll das 1000-Meter-Tabu bis zur nächstgelegenen Wohnbebauung grundsätzlich und einheitlich für alle künftigen, neuen Windfelder stehen bleiben.

Für bereits bestehende Anlagen oder genehmigte Planungen soll ein Mindestabstand von nur 800 Metern, wie ihn der noch gültige Regionalplan von 2004 im Außenbereich von Wohnsiedlungen erlaubt, weiterhin gelten. Damit sollen diese Anlagen Bestandssicherheit erlangen und in den neuen Windplan mit aufgenommen werden.

Ergebnis der mehrstündigen Diskussion am Montagabend: Im regionalen Planungsausschuss fand die Ausnahmeregelung einer 800-Meter-Tabuzone ausschließlich für bestehende Anlagen und Bebauungspläne der Kommunen mehrheitlich Akzeptanz. Bis zur nächsten Ausschusssitzung am 5. November soll ein entsprechender Beschlussvorschlag formuliert werden, der Regionalversammlung die Ergänzung des 1000-Meter-Beschlusses zu empfehlen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Till 19.10.2012 - 20:13:56

Till fragt nach...

Wo bist Du nur geblieben, seit Tagen schau ich nach Dir. Du bist wohl nicht ganz linientreu, traf Dich der Bannstrahl hart dafür? Vielleicht hilft Dir die Frage und einer sieht es ein, dann können wir Dich lesen, Dich 4. Verselein.

Frank Gottschlich 17.10.2012 - 12:05:29

Der Ukehrschluss ?

Nun lebe ich ja auch seit einigen Monaten(als Mieter) in der Uckermark, erfreue mich der Naturschoenheiten. Das" Gartzer Tal" scheint wohl auch nicht Windguenstig zu liegen (Gott sei Gedank). Waere ich nun Hausbesitzer im Windkraft- und wohl auch Rechtsfreiem Raum fuer Grundbesitzer und plante die Erweiterung meines Anwesens in Richtung "Geldmaschine fuer Andere", wuerde dann mein Bauantrag abge;lehnt, weil in genau 1000m so ein Krachmachding mir vor die Nase gesetzt wurde...???

kurzschluß 17.10.2012 - 09:38:50

@hans wind

Nach meinen Erfahrungen ist es egal ob nun 1000 Meter oder 500 Meter Abstand. Wenigstens 3000 Meter müssen die Abstände betragen, um die Geräusche der Windräder kaum noch zu hören. Bei ungünstigen Wind reichen nicht mal 3000 Meter. Das, worauf es wirklich ankommt ist, dass man Ostdeutschland zu einer "Ökowüste" macht. Nur noch Windräder um einen herum. Aber das Problem der Energiewende lösen die Windräder nicht. Was wollen wir mit 100000 Windrädern, wenn kein Wind weht? Es ist doch mit dem angeblichen Energiegewinn nur eine Zahlenspielerei. Völlig an den Tatsachen vorbei.

hans wind 17.10.2012 - 09:07:18

das verstehe wer will...

nach meiner kenntnis wurden doch im letzten regionalplan alle in frage kommenden "verwertbaren" (schönes wort in dem zusammenhang...) flächen durch die regionale planungsstelle erfasst und ausgewiesen. da haben die experten doch monate dran getüftelt und jetzt sind plötzlich neue windeignungsgebiete möglich? wo sollen die denn jetzt plötzlich möglich sein? hat die planungsstelle etwa gefuscht? ich werde so langsam nicht mehr schlau aus unserern lokalpolit-windfreunden. alle welt redet von verträglichen lösungen, nur hier bei uns wird den bürgern indirekt gedroht und mancher unserer polit-helden (siehe bretsch und regler) kann gar nicht genug von den dingern kriegen. das muss die hochgelobte "bürgernahe" politik sein... immer weiter so männer, im interesse des volkes!

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG