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26-Jähriger saß jahrelang unschuldig im Gefängnis

Freispruch: der Angeklagte Gregor H. mit seinem Rechtsanwalt Karsten Beckmann. Foto: dpa
Freispruch: der Angeklagte Gregor H. mit seinem Rechtsanwalt Karsten Beckmann. Foto: dpa © Foto:
dpa / 01.10.2009, 18:41 Uhr
Frankfurt (Oder) Ein 26-Jähriger hat nach einem Brandschlag auf einen Döner-Imbiss 2004 in Brück (Potsdam- Mittelmark) mehr als vier Jahre unschuldig im Gefängnis gesessen. Am Donnerstag sprach das Landgericht Frankfurt (Oder) den bereits rechtskräftig Verurteilten in einem Wiederaufnahmeverfahren frei. Nach Ansicht des Gerichts war der Angeklagte nicht an der Tat beteiligt. Er und zwei andere Männer waren 2004 wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes, versuchter schwerer Brandstiftung sowie gefährlicher Körperverletzung zu je acht Jahren Haft verurteilt worden. Während des ersten Prozesses hatte der Mann, der wie die beiden anderen damals der rechten Szene angehörte, die Aussage verweigert und somit nach Auffassung der Gerichts ursächlich zu dem damaligen Urteil beigetragen.

Nach Recherchen eines Journalisten sei bekannt geworden, dass die beiden anderen Männer den Anschlag allein verübt hätten, erläuterte der Anklagevertreter am Rande des Prozesses. Auch der 26-Jährige habe im Gefängnis konstant geäußert, er sei nicht dabei gewesen. In der Folge vernahm die Staatsanwaltschaft Zeugen und beantragte Ende 2008 die Wiederaufnahme des Verfahrens. Dem gab das zuständige Landgericht Frankfurt (Oder) statt, der Angeklagte, gegen den auch wegen anderer Delikte mehrfach ermittelt worden war, kam nach vier Jahren und vier Monaten aus der Haft frei.

In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter: "Das Urteil des Landgerichts Potsdam war - was Ihre Person betrifft - ein Fehlurteil." Das Frankfurter Gericht sei nicht der Überzeugung, dass der Angeklagte schuldig sei. Staatsanwaltschaft und Verteidigung plädierten auf Freispruch. Sie verzichteten mit der Nebenklage-Vertreterin auf Revision. Der Angeklagte erhält Haftentschädigung. Auch alle mit dem Fall für ihn verbundenen Verfahrenskosten muss die Staatskasse übernehmen.

Laut dem Potsdamer Urteil hatten die drei Männer eine Flasche mit einer brennbaren Flüssigkeit in ein Fenster des Imbisses geworfen. Ein türkischer Mitarbeiter des Imbisses, der in dem Stand übernachtete, konnte das Feuer löschen. Der Mann erlitt Schnitt- und Brandverletzungen.

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