Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Trotz Fachkräftemangels zeigten Handwerksmeister potenziellen Bewerbern die kalte Schulter und blieben Lehrstellenbörse fern

Ausbildung mit besten Aussichten

Buhlen um den Nachwuchs: Längst nicht alle Handwerksbetriebe haben die Zeichen der Zeit erkannt. Viele Kleinstfirmen blieben der Lehrstellenbörse fern. Sie scheuten vermutlich den Zeitaufwand.
Buhlen um den Nachwuchs: Längst nicht alle Handwerksbetriebe haben die Zeichen der Zeit erkannt. Viele Kleinstfirmen blieben der Lehrstellenbörse fern. Sie scheuten vermutlich den Zeitaufwand. © Foto: MZV/Martin Risken
Martin Risken / 02.11.2012, 11:39 Uhr
Zehdenick (MZV) Das Angebot an Ausbildungsplätzen und -berufen war bei der neunten Auflage der Lehrstellenbörse in Zehdenick so groß wie noch nie. Und das, obwohl die Zahl der Bewerber seit Jahren rückläufig ist. Allerdings: Schüler suchten vergebens nach kleinen Handwerksbetrieben. Sie blieben der Veranstaltung fern.

Nach Maurern, Elektrikern, Tischlern und Schlossern hielten Schüler vergebens Ausblick. Nur einige größere Betriebe wie Treppen Müller und der Malerbetrieb Gürtler waren mit eigenen Ständen vertreten. Enttäuscht zeigte sich der Regio-Nord-Chef Olaf Bechert von der geringen Resonanz der Handwerksmeister, die wohl nicht bereit waren, einen halben Tag zu opfern, um mit potenziellen Bewerbern ins Gespräch zu kommen. "Hier ist die Wahrscheinlichkeit deutlich größer, geeignete Bewerber zu finden, als sonst wo", argumentierte Bechert für die Lehrstellenbörse. "Die Chance ist von vielen Betrieben verpasst worden", so der Regio-Nord-Chef.

Das bedeutete aber keineswegs, dass sich die Reihen der Aussteller gelichtet hätten. Ganz im Gegenteil. 44 Unternehmen und Institutionen aus der Region und zum Teil weit darüber hinaus buhlten um die Gunst der Bewerber. 340 Bewerbungsgespräche waren für gestern fest vereinbart, hinzu kamen viele Jugendliche, die sich spontan auf den Weg nach Zehdenick gemacht hatten, um Kontakte zu knüpfen.

Eine beachtliche Leistung, die nur durch Teamarbeit der Veranstalter überhaupt zu bewerkstelligen war, wie der Vorsitzende der Unternehmervereinigung Nord Oberhavel (UNO), Ingo Waffler, in seiner kurzen Eröffnungsrede betonte. "Bildung haben wir viel zu bieten für junge Leute, die in der Region bleiben wollen", stellte Landrat und Schirmherr Karl-Heinz Schröter (SPD) fest.

Die Lehrstellenbörse biete den richtigen Ansatz: Die Region verfüge über die besten Chancen für Berufsanfänger, aber auch für Fachkräfte. Wenn es gelinge, sie vor Ort zu halten, bedürfe es später keiner groß angelegten Rückholaktionen von Fachkräften, die in jungen Jahren ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben. In Sachen Qualität und Quantität habe die Lehrstellenbörse mittlerweile ein sehr hohes Niveau, erklärte Bürgermeister Arno Dahlenburg (SPD), als er an die bescheidenen Anfänge der Börse vor neun Jahre erinnerte.

Wichtig aber sei vor allem, dass sich das Angebot an der Nachfrage der Schüler orientiert. Doch während viele Kleinst-Handwerksunternehmen der Börse fernblieben, machten die Landwirte vor, wie es funktionieren kann. Die Chefs von acht Landwirtschaftsunternehmen präsentierten sich an einem Gemeinschaftsstand des Kreisbauernverbandes Oberhavel. "Landwirtschaft ist eine Zukunftsbranche", sagte eine selbstbewusst auftretende Verbands-Geschäftsführerin Heidemarie Scholz. Und Friedemann Karl als Chef des Kreisbauernverbandes konnte ihr da nur zustimmen. Wirkliche Nachwuchssorgen haben die Betriebe seiner Zunft nicht. Der vielseitige Beruf und der Umgang mit großer, teurer Technik fasziniere vor allem die Jungen, auch wenn die Arbeitszeiten schreckten. Wenn andere Urlaub machen, ist für Landwirte Hochsaison. Arbeitstage von zwölf Stunden im Sommer seien keine Seltenheit. "Wir brauchen junge Leute mit Biss", sagte Karl. Wobei die Vorbereitung auf das spätere Berufsleben in den Schulen noch immer verbesserungswürdig sei. "Die Sache habe ich schon des Öfteren moniert. Es ist eben ein langer Weg", betonte der Verbandschef.

Nicht so sehr aufs Zeugnis geguckt wird hingegen beim Schuhfabrikanten Trippen. Firmenchef Michael Oehler persönlich war gekommen, um mit den Bewerbern ins Gespräch zu kommen. Bislang bot das Unternehmen in Zehdenick nur die Ausbildung zum Schuhfertiger an. Da jüngst die Materialwirtschaft und das Zentrallager nach Zehdenick verlagert worden sind, will Trippen ab 2013 auch in kaufmännischen Berufen ausbilden, kündigte Andreas Neuschwander an, der in der Manufaktur für die Ausbildung zuständig ist. Wer seine Lehre absolviert, der könne davon ausgehen, auch übernommen zu werden. "Wir bieten eine echte Perspektive", sagte er. Selbst jungen Leute aus schwierigen familiären Verhältnisse verhelfe das Unternehmen zu einer qualifizierten Ausbildung.

"Wir müssen unseren Personalbestand verjüngen, um langfristig bestehen zu können." Neuschwander schloss es aus, dass die Produktion aus Kostengründen ins Ausland verlagert wird. Kurze Wege zwischen Entwicklung und Produktion seien da wichtiger.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG