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Eine in jeder Hinsicht makabre Geschichte

Dietrich Schröder
Dietrich Schröder © Foto: MOZ/Sabine Steinbeiß
Dietrich Schröder / 02.11.2012, 20:52 Uhr
(MOZ) Eigentlich sollten die zwölf Leichen, die Mitte Oktober aus einem Gewerbegebiet in Hoppegarten verschwanden, längst eingeäschert und auch zur Totenruhe gebettet worden sein. Stattdessen befinden sie sich seit anderthalb Wochen in den Kühlräumen der polnischen Gerichtsmedizin, nachdem sie zuvor von Dieben im Wald abgeladen worden waren.

Allein die kurze Zusammenfassung zeigt, wie makaber die ganze Angelegenheit ist. Von Achtung der Totenruhe kann kaum die Rede sein und die Gefühle, mit denen die Hinterbliebenen das Geschehen begleiten, möchte man sich am liebsten gar nicht vorstellen. Der Vorgang wirft von Anfang an Fragen von Ethik und Moral auf. Als erste die, weshalb eigentlich zwölf Särge in einem Auto gestapelt und über Nacht abgestellt werden und das Fahrzeug dabei nicht einmal als Leichenwagen gekennzeichnet ist. Die Antwort lautet, weil die Bestattungskosten möglichst gering gehalten werden sollen, vielleicht auch deshalb, weil viele Angehörige gar nicht in der Lage sind, Tausende Euro dafür aufzubringen.

Wer jedenfalls mit dem Finger auf die aus Polen stammenden Autodiebe und die Probleme zeigt, die die Rückführung der Leichen erschweren, sollte diese Frage wenigstens mal bedacht haben. Unabhängig davon ist der Vorgang natürlich ein weiterer Beleg dafür, dass die grenzüberschreitende Kriminalität die derzeit wohl größte Belastung der deutsch-polnischen Beziehungen darstellt. Denn bei der Beurteilung dieser Kriminalität steht nun einmal für viele die Nationalität von Tätern und Opfern im Vordergrund, und nicht die Tatsache, dass es beiderseits der Oder relativ wenige Übeltäter und ganz viele Normalbürger gibt.

Zudem zeigt der Vorgang exemplarisch, wie es um die Kooperation zwischen den Behörden steht. Dass die Leichen ziemlich rasch gefunden wurden, war sicher der bereits ganz guten Kontakte auf Polizeiebene zu verdanken, die freilich in dem Fall auch noch viel besser genutzt wurden, als bei so manchem gewöhnlichen Autodiebstahl. Auch die Staatsanwälte haben – indem sie die Angehörigen bei der Beschaffung der Dokumente für die Leichenrückführung unterstützten – mehr getan, als sie mussten. Dass jedoch überhaupt erst solch ein Berg an Bürokratie errichtet wurde, ist dagegen der Dickhäutigkeit anderer Beteiligter, wie der Gesundheitsbehörde des Nachbarlandes, geschuldet.

Deshalb ist es jetzt am wichtigsten, dass die Toten endlich ihre verdiente Ruhe finden. Später wird möglicherweise noch ein Lehrstück in puncto Nachbarschaft daraus.

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Claudia 15.11.2012 - 16:12:55

@Grenzer: Da will woll noch jemand nachtreten

Gratulation, dass Sie nach knapp zwei Wochen diesen Artikel noch einmal ausgegraben haben. Haben Sie ihn auch richtig gelesen? Zitat: "Unabhängig davon ist der Vorgang natürlich ein weiterer Beleg dafür, dass die grenzüberschreitende Kriminalität die derzeit wohl größte Belastung der deutsch-polnischen Beziehungen darstellt. "

Grenzer 15.11.2012 - 15:23:03

Ablenkungsmanöver

Gratuliere, Herr Schröder! Ihnen und Ihrer Zeitung ist es tatsächlich gelungen, den Fokus der Öffentlichkeit von den immer frecher werdenden osteuropäischen Verbrecherbanden zu nehmen und statt dessen auf den bösen deutschen Bestattungsunternehmer zu lenken. Ein simpler Trick, auf den leider viele Leserinnen und Leser hereingefallen sind.

Frank Tremmel 04.11.2012 - 11:14:17

Peinlich, bleibt peinlich

Ich kann @Fran nur recht geben. Überstrapazierte ,tägliche Berichterstattung,um nun kräftig zurück zu rudern. In den Deutsch-polnischen Beziehungen auf staatlicher Ebene stimmt es hinten und vorne nicht. Politiker und Funktionäre hefteten sich jahrelang Orden gegenseitig an die Brüste. Labten sich an gegenseitigen Auszeichnungen und Schmeichelein. Die Realität sieht beängstigend aus. Die seit jahren ausstehenden Zahlungen zum Frankfurter Tramgutachten sind also "Systembedingt". Alle sind gut beraten keinerlei solche Vorhaben anzugehen, welche nur den polnischen Rechtskreis tangieren.

Fran 04.11.2012 - 04:12:35

Aha - es sind doch die polnischen Normalos

,die die geklauten Toten nicht her geben koennen. Jetzt faengt Schroeder wieder an alles zu zerreden und zu verharmlosen. Die armen Polen und am besten die Deutschen sind ja selbst schuld , dass eben soviel unberechtigt den Besitzer wechselt. Wenn schon die normalen Buerger der polnischen Nation so handeln, dann moechte ich nicht wissen, wie die unnormalen polnischen Buerger sich hier austoben. Aber man weiss es ja, kann man ja taeglich in der Zeitung lesen. Ob nun hier oder grossraeumig in ganz Deutschland.

lupo 03.11.2012 - 17:43:51

Makaber ist auch,

dass hier mindestens 3 Kommentare, die offenbar nicht ins politische Konzept passten, verschwunden sind.

lupo 03.11.2012 - 17:43:06

Makaber ist auch,

dass hier mindestens 3 Kommentare, die offenbar nicht ins politische Konzept passten, verschwunden sind.

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